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	Kommentare zu: 139	</title>
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		<title>
		Von: Hegel (einfach)		</title>
		<link>https://grundlinien.de/139/#comment-3154</link>

		<dc:creator><![CDATA[Hegel (einfach)]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 18:07:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[§ 139: Das Böse

Das Gewissen steht über allem, was gilt. Das ist seine Stärke. Aber darin liegt auch eine Gefahr.

Welche Gefahr?

Wer nur sich selbst als Maßstab hat, kann zweierlei wählen. Er kann das Allgemeine wollen, das für alle gut ist. Er kann aber auch sein Eigenes über alles stellen. Er kann seine Lust, seinen Vorteil, seine Laune zum Maßstab machen. Das ist das Böse.

Gewissen und Böses haben also dieselbe Wurzel. Beide kommen aus der Gewissheit: Ich entscheide. Das Gewissen steht darum immer auf der Kippe. Es kann jederzeit ins Böse umschlagen.

Woher kommt das Böse?

Diese Frage ist uralt. Die Antwort hier: Das Böse hängt mit der Freiheit zusammen. Der Mensch muss aus seiner bloßen Natur heraustreten. Er muss sich innerlich gegen seine Triebe stellen. Nur so wird er ein Mensch und kein Tier. Aber in diesem Schritt liegt die Möglichkeit, dass er an seinen Trieben festhält. Er macht sie dann bewusst zu seinem Prinzip, gegen das Gute.

Ein Tier kann nicht böse sein. Nur ein Mensch kann es. Und nur weil er böse sein kann, kann er auch gut sein.

Ist das Böse also notwendig?

Die Trennung von der Natur ist notwendig. Aber das Böse soll nicht sein. Man soll nicht bei ihm stehen bleiben. Der Mensch soll es überwinden. Und wer beim Bösen bleibt, trägt selbst die Schuld. Er kann sich nicht auf die Natur berufen.

Zusammenfassung: Gewissen und Böses haben dieselbe Wurzel, die Gewissheit, selbst zu entscheiden. Böse ist, wer sein Eigenes über das Allgemeine stellt. Die Möglichkeit dazu gehört zur Freiheit, aber der Mensch soll das Böse überwinden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>§ 139: Das Böse</p>
<p>Das Gewissen steht über allem, was gilt. Das ist seine Stärke. Aber darin liegt auch eine Gefahr.</p>
<p>Welche Gefahr?</p>
<p>Wer nur sich selbst als Maßstab hat, kann zweierlei wählen. Er kann das Allgemeine wollen, das für alle gut ist. Er kann aber auch sein Eigenes über alles stellen. Er kann seine Lust, seinen Vorteil, seine Laune zum Maßstab machen. Das ist das Böse.</p>
<p>Gewissen und Böses haben also dieselbe Wurzel. Beide kommen aus der Gewissheit: Ich entscheide. Das Gewissen steht darum immer auf der Kippe. Es kann jederzeit ins Böse umschlagen.</p>
<p>Woher kommt das Böse?</p>
<p>Diese Frage ist uralt. Die Antwort hier: Das Böse hängt mit der Freiheit zusammen. Der Mensch muss aus seiner bloßen Natur heraustreten. Er muss sich innerlich gegen seine Triebe stellen. Nur so wird er ein Mensch und kein Tier. Aber in diesem Schritt liegt die Möglichkeit, dass er an seinen Trieben festhält. Er macht sie dann bewusst zu seinem Prinzip, gegen das Gute.</p>
<p>Ein Tier kann nicht böse sein. Nur ein Mensch kann es. Und nur weil er böse sein kann, kann er auch gut sein.</p>
<p>Ist das Böse also notwendig?</p>
<p>Die Trennung von der Natur ist notwendig. Aber das Böse soll nicht sein. Man soll nicht bei ihm stehen bleiben. Der Mensch soll es überwinden. Und wer beim Bösen bleibt, trägt selbst die Schuld. Er kann sich nicht auf die Natur berufen.</p>
<p>Zusammenfassung: Gewissen und Böses haben dieselbe Wurzel, die Gewissheit, selbst zu entscheiden. Böse ist, wer sein Eigenes über das Allgemeine stellt. Die Möglichkeit dazu gehört zur Freiheit, aber der Mensch soll das Böse überwinden.</p>
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		<item>
		<title>
		Von: Die logische Entwicklung		</title>
		<link>https://grundlinien.de/139/#comment-2827</link>

		<dc:creator><![CDATA[Die logische Entwicklung]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2026 06:15:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&lt;em&gt;In derselben reinen Innerlichkeit liegt beides — die Möglichkeit, das &lt;a href=&quot;https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-an-sich&quot; title=&quot;An und für sich heißt: der Möglichkeit nach da, gewußt und verwirklicht — Hegels Wort für vollendete Wirklichkeit.&quot; rel=&quot;ugc&quot;&gt;an und für sich&lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-allgemeinheit&quot; title=&quot;Allgemeinheit ist das Vermögen, von allem Bestimmten wegzusehen. Für sich allein genommen ist sie die Freiheit der Leere.&quot; rel=&quot;ugc&quot;&gt;Allgemeine&lt;/a&gt; zu wollen, und die Willkür, die eigene &lt;a href=&quot;https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-allgemeinheit&quot; title=&quot;Besonderheit ist der Gegenschritt: sich auf diesen Inhalt festlegen, eine Schranke setzen. Für sich allein genommen ist auch sie nichts.&quot; rel=&quot;ugc&quot;&gt;Besonderheit&lt;/a&gt; zum Prinzip über das Allgemeine zu machen: böse zu sein.&lt;/em&gt;

Aus § 138 folgt unvermeidlich zweierlei. Wer alles Geltende für nichtig erklären kann und den Inhalt aus sich nehmen muss, kann daraus das Allgemeine nehmen — oder sich selbst. Beides ist auf dieser Stufe bloße Möglichkeit, durch nichts vorentschieden, und genau darum sagt Hegel, Moralität und Böses hätten an der &lt;a href=&quot;https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-an-sich&quot; title=&quot;Für sich heißt: gewußt, gewollt, ausdrücklich gesetzt — im Unterschied zu dem, was etwas erst an sich ist.&quot; rel=&quot;ugc&quot;&gt;für sich&lt;/a&gt; wissenden und beschließenden Selbstgewissheit ihre gemeinschaftliche Wurzel. Das Böse ist danach nichts, was von außen hinzukäme, sondern besteht darin, dass die Besonderheit — die als &lt;a href=&quot;https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-moment&quot; title=&quot;Ein Moment ist kein Zeitpunkt und kein Teil, sondern eine unterscheidbare Seite eines Ganzen, die für sich allein nicht bestehen kann und im Ganzen aufbewahrt bleibt.&quot; rel=&quot;ugc&quot;&gt;Moment&lt;/a&gt; ihr Recht hat — zum Prinzip gemacht und über das Allgemeine gestellt wird; und weil es das Subjekt selbst ist, das dabei stehenbleibt, trägt es schlechthin die Schuld daran.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>In derselben reinen Innerlichkeit liegt beides — die Möglichkeit, das <a href="https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-an-sich" title="An und für sich heißt: der Möglichkeit nach da, gewußt und verwirklicht — Hegels Wort für vollendete Wirklichkeit." rel="ugc">an und für sich</a> <a href="https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-allgemeinheit" title="Allgemeinheit ist das Vermögen, von allem Bestimmten wegzusehen. Für sich allein genommen ist sie die Freiheit der Leere." rel="ugc">Allgemeine</a> zu wollen, und die Willkür, die eigene <a href="https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-allgemeinheit" title="Besonderheit ist der Gegenschritt: sich auf diesen Inhalt festlegen, eine Schranke setzen. Für sich allein genommen ist auch sie nichts." rel="ugc">Besonderheit</a> zum Prinzip über das Allgemeine zu machen: böse zu sein.</em></p>
<p>Aus § 138 folgt unvermeidlich zweierlei. Wer alles Geltende für nichtig erklären kann und den Inhalt aus sich nehmen muss, kann daraus das Allgemeine nehmen — oder sich selbst. Beides ist auf dieser Stufe bloße Möglichkeit, durch nichts vorentschieden, und genau darum sagt Hegel, Moralität und Böses hätten an der <a href="https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-an-sich" title="Für sich heißt: gewußt, gewollt, ausdrücklich gesetzt — im Unterschied zu dem, was etwas erst an sich ist." rel="ugc">für sich</a> wissenden und beschließenden Selbstgewissheit ihre gemeinschaftliche Wurzel. Das Böse ist danach nichts, was von außen hinzukäme, sondern besteht darin, dass die Besonderheit — die als <a href="https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-moment" title="Ein Moment ist kein Zeitpunkt und kein Teil, sondern eine unterscheidbare Seite eines Ganzen, die für sich allein nicht bestehen kann und im Ganzen aufbewahrt bleibt." rel="ugc">Moment</a> ihr Recht hat — zum Prinzip gemacht und über das Allgemeine gestellt wird; und weil es das Subjekt selbst ist, das dabei stehenbleibt, trägt es schlechthin die Schuld daran.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Eduard Gans (Zusatz)		</title>
		<link>https://grundlinien.de/139/#comment-1595</link>

		<dc:creator><![CDATA[Eduard Gans (Zusatz)]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 May 1833 13:36:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die abstrakte Gewißheit, die sich selbst als Grundlage von allem weiß, hat die Möglichkeit in sich, das Allgemeine des Begriffs zu wollen, aber auch die, einen besonderen Inhalt zum Prinzipe zu machen und zu realisieren. Zum &lt;em&gt;Bösen&lt;/em&gt;, welches dieses letztere ist, gehört somit immer die Abstraktion der Gewißheit seiner selbst, und &lt;em&gt;nur&lt;/em&gt; der Mensch, und zwar insofern er auch böse sein kann, ist gut. Das Gute und das Böse sind untrennbar, und ihre Untrennbarkeit liegt darin, daß der Begriff sich gegenständlich wird und als Gegenstand unmittelbar die Bestimmung des Unterschiedes hat. Der böse Wille will ein der Allgemeinheit des Willens Entgegengesetztes, der gute dagegen verhält sich seinem wahrhaften Begriffe gemäß. Die Schwierigkeit bei der Frage, wie der Wille auch könne böse sein, kommt gewöhnlich daher, daß man sich den Willen nur in positivem Verhältnis zu sich selbst denkt und als ein Bestimmtes, das für ihn ist, als das Gute vorstellt. Aber die Frage nach dem Ursprung des Bösen hat nun den näheren Sinn: wie kommt in das Positive das Negative hinein? Wird bei der Erschaffung der Welt Gott als das absolut Positive vorausgesetzt, dann mag man sich drehen, wie man will, das Negative ist in diesem Positiven nicht zu erkennen; denn will man ein Zulassen von seiten Gottes annehmen, so ist solches passives Verhältnis ein ungenügendes und nichtssagendes. In der mythologisch religiösen Vorstellung wird der Ursprung des Bösen nicht begriffen, das heißt das eine wird nicht in dem anderen erkannt, sondern es gibt nur eine Vorstellung von einem Nacheinander und Nebeneinander, so daß von außen her das Negative an das Positive kommt. Dies kann aber dem Gedanken nicht genügen, welcher nach einem Grunde und nach einer Notwendigkeit verlangt und im Positiven das Negative als selbst wurzelnd auffassen will. Die Auflösung nun, wie der Begriff dies faßt, ist im Begriffe schon enthalten, denn der Begriff oder, konkreter gesprochen, die Idee hat wesentlich das an sich, sich zu unterscheiden und sich negativ zu setzen. Bleibt man bloß beim Positiven, das heißt beim rein Guten stehen, das gut in seiner Ursprünglichkeit sein soll, so ist dies eine leere Bestimmung des Verstandes, der solch Abstraktes und Einseitiges festhält und dadurch, daß er die Frage stellt, dieselbe eben zu einer schwierigen erhebt. Von dem Standpunkt aber des Begriffes aus wird die Positivität so aufgefaßt, daß sie Tätigkeit und Unterscheidung ihrer von sich selbst ist. Das Böse hat also, wie das Gute, im Willen seinen Ursprung, und der Wille ist in seinem Begriffe sowohl gut als böse. Der natürliche Wille ist an sich der Widerspruch, sich von sich selbst zu unterscheiden, für sich und innerlich zu sein. Wenn man nun sagte, das Böse enthält die nähere Bestimmung, daß der Mensch böse ist, insofern er natürlicher Wille ist, so würde dies der gewöhnlichen Vorstellung entgegengesetzt sein, welche sich, gerade den natürlichen Willen als den unschuldigen und guten denkt. Aber der natürliche Wille steht dem Inhalte der Freiheit gegenüber, und das Kind, der ungebildete Mensch, die diesen ersteren haben, sind deswegen einem minderen Grad von Zurechnungsfähigkeit unterworfen. Wenn man nun vom Menschen spricht, so meint man nicht das Kind, sondern den selbstbewußten Menschen; wenn man vom Guten redet, so meint man das Wissen desselben. Nun ist freilich das Natürliche an sich unbefangen, weder gut noch böse, aber das Natürliche, bezogen auf den Willen als Freiheit und als Wissen derselben, enthält die Bestimmung des Nichtfreien und ist daher böse. Insofern der Mensch das Natürliche will, ist dieses nicht mehr das bloß Natürliche, sondern das Negative gegen das Gute, als den Begriff des Willens. - Wenn man nun aber sagen wollte, daß, weil das Böse im Begriffe liegt und notwendig ist, der Mensch ohne Schuld wäre, wenn er es ergriffe: so muß erwidert werden, daß die Entschließung des Menschen eigenes Tun, das Tun seiner Freiheit und seiner Schuld ist. Im religiösen Mythos wird gesagt, dadurch sei der Mensch gottähnlich, daß er die Erkenntnis vom Guten und Bösen habe, und die Gottähnlichkeit ist allerdings vorhanden, indem die Notwendigkeit hier keine Naturnotwendigkeit, sondern die Entschließung eben die Aufhebung dieses Gedoppelten, des Guten und Bösen, ist. Ich habe, da das Gute wie das Böse mir entgegensteht, die Wahl zwischen beiden, kann mich zu beiden entschließen und das eine wie das andere in meine Subjektivität aufnehmen. Es ist also die Natur des Bösen, daß der Mensch es wollen kann, aber nicht notwendig wollen muß.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die abstrakte Gewißheit, die sich selbst als Grundlage von allem weiß, hat die Möglichkeit in sich, das Allgemeine des Begriffs zu wollen, aber auch die, einen besonderen Inhalt zum Prinzipe zu machen und zu realisieren. Zum <em>Bösen</em>, welches dieses letztere ist, gehört somit immer die Abstraktion der Gewißheit seiner selbst, und <em>nur</em> der Mensch, und zwar insofern er auch böse sein kann, ist gut. Das Gute und das Böse sind untrennbar, und ihre Untrennbarkeit liegt darin, daß der Begriff sich gegenständlich wird und als Gegenstand unmittelbar die Bestimmung des Unterschiedes hat. Der böse Wille will ein der Allgemeinheit des Willens Entgegengesetztes, der gute dagegen verhält sich seinem wahrhaften Begriffe gemäß. Die Schwierigkeit bei der Frage, wie der Wille auch könne böse sein, kommt gewöhnlich daher, daß man sich den Willen nur in positivem Verhältnis zu sich selbst denkt und als ein Bestimmtes, das für ihn ist, als das Gute vorstellt. Aber die Frage nach dem Ursprung des Bösen hat nun den näheren Sinn: wie kommt in das Positive das Negative hinein? Wird bei der Erschaffung der Welt Gott als das absolut Positive vorausgesetzt, dann mag man sich drehen, wie man will, das Negative ist in diesem Positiven nicht zu erkennen; denn will man ein Zulassen von seiten Gottes annehmen, so ist solches passives Verhältnis ein ungenügendes und nichtssagendes. In der mythologisch religiösen Vorstellung wird der Ursprung des Bösen nicht begriffen, das heißt das eine wird nicht in dem anderen erkannt, sondern es gibt nur eine Vorstellung von einem Nacheinander und Nebeneinander, so daß von außen her das Negative an das Positive kommt. Dies kann aber dem Gedanken nicht genügen, welcher nach einem Grunde und nach einer Notwendigkeit verlangt und im Positiven das Negative als selbst wurzelnd auffassen will. Die Auflösung nun, wie der Begriff dies faßt, ist im Begriffe schon enthalten, denn der Begriff oder, konkreter gesprochen, die Idee hat wesentlich das an sich, sich zu unterscheiden und sich negativ zu setzen. Bleibt man bloß beim Positiven, das heißt beim rein Guten stehen, das gut in seiner Ursprünglichkeit sein soll, so ist dies eine leere Bestimmung des Verstandes, der solch Abstraktes und Einseitiges festhält und dadurch, daß er die Frage stellt, dieselbe eben zu einer schwierigen erhebt. Von dem Standpunkt aber des Begriffes aus wird die Positivität so aufgefaßt, daß sie Tätigkeit und Unterscheidung ihrer von sich selbst ist. Das Böse hat also, wie das Gute, im Willen seinen Ursprung, und der Wille ist in seinem Begriffe sowohl gut als böse. Der natürliche Wille ist an sich der Widerspruch, sich von sich selbst zu unterscheiden, für sich und innerlich zu sein. Wenn man nun sagte, das Böse enthält die nähere Bestimmung, daß der Mensch böse ist, insofern er natürlicher Wille ist, so würde dies der gewöhnlichen Vorstellung entgegengesetzt sein, welche sich, gerade den natürlichen Willen als den unschuldigen und guten denkt. Aber der natürliche Wille steht dem Inhalte der Freiheit gegenüber, und das Kind, der ungebildete Mensch, die diesen ersteren haben, sind deswegen einem minderen Grad von Zurechnungsfähigkeit unterworfen. Wenn man nun vom Menschen spricht, so meint man nicht das Kind, sondern den selbstbewußten Menschen; wenn man vom Guten redet, so meint man das Wissen desselben. Nun ist freilich das Natürliche an sich unbefangen, weder gut noch böse, aber das Natürliche, bezogen auf den Willen als Freiheit und als Wissen derselben, enthält die Bestimmung des Nichtfreien und ist daher böse. Insofern der Mensch das Natürliche will, ist dieses nicht mehr das bloß Natürliche, sondern das Negative gegen das Gute, als den Begriff des Willens. &#8211; Wenn man nun aber sagen wollte, daß, weil das Böse im Begriffe liegt und notwendig ist, der Mensch ohne Schuld wäre, wenn er es ergriffe: so muß erwidert werden, daß die Entschließung des Menschen eigenes Tun, das Tun seiner Freiheit und seiner Schuld ist. Im religiösen Mythos wird gesagt, dadurch sei der Mensch gottähnlich, daß er die Erkenntnis vom Guten und Bösen habe, und die Gottähnlichkeit ist allerdings vorhanden, indem die Notwendigkeit hier keine Naturnotwendigkeit, sondern die Entschließung eben die Aufhebung dieses Gedoppelten, des Guten und Bösen, ist. Ich habe, da das Gute wie das Böse mir entgegensteht, die Wahl zwischen beiden, kann mich zu beiden entschließen und das eine wie das andere in meine Subjektivität aufnehmen. Es ist also die Natur des Bösen, daß der Mensch es wollen kann, aber nicht notwendig wollen muß.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Hegel (Notizen)		</title>
		<link>https://grundlinien.de/139/#comment-1800</link>

		<dc:creator><![CDATA[Hegel (Notizen)]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jan 1823 08:10:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[[zu § 139]
α) Böse, wie möglich? - Ursprung des Bösen - wie kommt Fremdes, Negatives in das Positive, Gute? - Man will dies Negative im Guten, seinem Gegenteile, sehen. 
Die Alten hatten, kannten die Frage vom Ursprunge des Bösen nicht; nicht diese Abstraktion des Guten und Bösen (wie Erkenntnis des Guten und Bösen) - zwar Böse, Verbrechen - aber in seinen konkreten Gestalten von Menschen und Handlungen - nicht so ein Gegensatz, wie wir gewohnt sind - so auch nicht Tiefe des Geistes - Tiefe, Geist &lt;em&gt;in sich&lt;/em&gt;, d. i. in seiner reinen Abstraktion, - Licht und Finsternis - nicht Geist, aber so zunächst nur affirmativ &lt;em&gt;für sich&lt;/em&gt; in seiner Freiheit erkannt
β) &lt;em&gt;Subjektivität&lt;/em&gt; - (Freiheit - absolutes Denken - formelle Einheit mit mir selbst, - unterscheidendes Bewußtsein), - die sich einen &lt;em&gt;eigentümlichen&lt;/em&gt; Inhalt gibt - vorhin Triebe, Wohl - noch nicht gegen die Idee, gegen Gut; - derselbe Inhalt, insofern er festgehalten wird gegen Gut. 
Die abstrakte Innerlichkeit hat einen Gegenstand, Bestimmung doppelt: Allgemeinheit oder Besonderheit &lt;em&gt;nebeneinander - Willkür&lt;/em&gt; -
Ist Wahl, - Willkür - weil unbestimmt, - aber nicht nur zwischen diesem und jenem, sondern zwischen &lt;em&gt;Gut&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Böse&lt;/em&gt; - dem Objektiven des Willens. 
Substantielle Bestimmung - Anundfürsichsein des Willens - in seiner Entgegensetzung. 
Mensch denkendes Bewußtsein - Denken seines Wesens - des Allgemeinen - seines Willens - Wahl des Guten und Bösen - Zurechnungsfähigkeit unter diesem Gesichtspunkt. 
&lt;em&gt;Schuld&lt;/em&gt; haben - als das Meinige - wenn ich böse bin, ist es absolut meine Schuld, d. h. das Objektive des Willens ist gesetzt an und für sich, durch die Vernunft, Wahl, Entschluß. Es ist subjektiv, d. i. Ich, - es hat kein Anderer oder Anderes getan, oder gewollt, oder beschlossen - sondern Ich - keine von Anderem gegebene Vorstellung - oder Gewalt - Absolute Subjektivität kann nicht gezwungen werden - 

[zu § 139 Anm.]
Natürlicher Wille - nicht gut noch böse - keine bösen Völker, sogenannte Natur-, unschuldige Völker - Schlimmer als böse -
Das Böse sei das Schlimmste - was absolut nicht sein soll - Natur noch schlimmer -
Von Natur böse, - d. i. weil das Natürliche, das er ist, zugleich Wille, durch seinen Entschluß dies nur ist. 
Altes Testament - das Gesetz - zur Erkenntnis des Bösen - Das Gesetz macht erst böse. 
Kein Mensch sei böse, das Böse um des Bösen willen; - sondern affirmatives - Neigung, Zweck - allerdings; aber dies Affirmative das Natürliche -]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>[zu § 139]<br />
α) Böse, wie möglich? &#8211; Ursprung des Bösen &#8211; wie kommt Fremdes, Negatives in das Positive, Gute? &#8211; Man will dies Negative im Guten, seinem Gegenteile, sehen.<br />
Die Alten hatten, kannten die Frage vom Ursprunge des Bösen nicht; nicht diese Abstraktion des Guten und Bösen (wie Erkenntnis des Guten und Bösen) &#8211; zwar Böse, Verbrechen &#8211; aber in seinen konkreten Gestalten von Menschen und Handlungen &#8211; nicht so ein Gegensatz, wie wir gewohnt sind &#8211; so auch nicht Tiefe des Geistes &#8211; Tiefe, Geist <em>in sich</em>, d. i. in seiner reinen Abstraktion, &#8211; Licht und Finsternis &#8211; nicht Geist, aber so zunächst nur affirmativ <em>für sich</em> in seiner Freiheit erkannt<br />
β) <em>Subjektivität</em> &#8211; (Freiheit &#8211; absolutes Denken &#8211; formelle Einheit mit mir selbst, &#8211; unterscheidendes Bewußtsein), &#8211; die sich einen <em>eigentümlichen</em> Inhalt gibt &#8211; vorhin Triebe, Wohl &#8211; noch nicht gegen die Idee, gegen Gut; &#8211; derselbe Inhalt, insofern er festgehalten wird gegen Gut.<br />
Die abstrakte Innerlichkeit hat einen Gegenstand, Bestimmung doppelt: Allgemeinheit oder Besonderheit <em>nebeneinander &#8211; Willkür</em> &#8211;<br />
Ist Wahl, &#8211; Willkür &#8211; weil unbestimmt, &#8211; aber nicht nur zwischen diesem und jenem, sondern zwischen <em>Gut</em> und <em>Böse</em> &#8211; dem Objektiven des Willens.<br />
Substantielle Bestimmung &#8211; Anundfürsichsein des Willens &#8211; in seiner Entgegensetzung.<br />
Mensch denkendes Bewußtsein &#8211; Denken seines Wesens &#8211; des Allgemeinen &#8211; seines Willens &#8211; Wahl des Guten und Bösen &#8211; Zurechnungsfähigkeit unter diesem Gesichtspunkt.<br />
<em>Schuld</em> haben &#8211; als das Meinige &#8211; wenn ich böse bin, ist es absolut meine Schuld, d. h. das Objektive des Willens ist gesetzt an und für sich, durch die Vernunft, Wahl, Entschluß. Es ist subjektiv, d. i. Ich, &#8211; es hat kein Anderer oder Anderes getan, oder gewollt, oder beschlossen &#8211; sondern Ich &#8211; keine von Anderem gegebene Vorstellung &#8211; oder Gewalt &#8211; Absolute Subjektivität kann nicht gezwungen werden &#8211; </p>
<p>[zu § 139 Anm.]<br />
Natürlicher Wille &#8211; nicht gut noch böse &#8211; keine bösen Völker, sogenannte Natur-, unschuldige Völker &#8211; Schlimmer als böse &#8211;<br />
Das Böse sei das Schlimmste &#8211; was absolut nicht sein soll &#8211; Natur noch schlimmer &#8211;<br />
Von Natur böse, &#8211; d. i. weil das Natürliche, das er ist, zugleich Wille, durch seinen Entschluß dies nur ist.<br />
Altes Testament &#8211; das Gesetz &#8211; zur Erkenntnis des Bösen &#8211; Das Gesetz macht erst böse.<br />
Kein Mensch sei böse, das Böse um des Bösen willen; &#8211; sondern affirmatives &#8211; Neigung, Zweck &#8211; allerdings; aber dies Affirmative das Natürliche &#8211;</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Hegel (Enzyklopädie 1817)		</title>
		<link>https://grundlinien.de/139/#comment-2431</link>

		<dc:creator><![CDATA[Hegel (Enzyklopädie 1817)]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Apr 1817 23:06:32 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://grundlinien.de/?p=736#comment-2431</guid>

					<description><![CDATA[&lt;p&gt;&lt;em&gt;Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1817), § 427:&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;§ 427.&lt;/strong&gt; Da diese wählende Gewißheit seiner selbst die Reflexion des abstracten, in seiner unmittelbaren Einzelnheit sich unendlichen Willens ist, so giebt sie die zwey unmittelbar in einander übergehende Formen, des &lt;em&gt;Gewissens&lt;/em&gt; und des &lt;em&gt;Bösen&lt;/em&gt;. Jenes ist der Wille des Guten, welcher aber als in dieser reinen Subjectivität das nicht objective, nicht allgemeine, das unsagbare ist, und worüber das Subject sich in seiner Einzelnheit entscheidend weiß, und seine besondere Vortrefflichkeit hiemit anschaut und genießt. Das Böse aber ist dieses selbe Wissen seiner Einzelnheit als des Entscheidenden, insofern sie nicht in dieser Abstraction bleibt, sondern gegen das Gute den Inhalt eines subjectiven Interesses hat.&lt;/p&gt;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1817), § 427:</em></p>
<p><strong>§ 427.</strong> Da diese wählende Gewißheit seiner selbst die Reflexion des abstracten, in seiner unmittelbaren Einzelnheit sich unendlichen Willens ist, so giebt sie die zwey unmittelbar in einander übergehende Formen, des <em>Gewissens</em> und des <em>Bösen</em>. Jenes ist der Wille des Guten, welcher aber als in dieser reinen Subjectivität das nicht objective, nicht allgemeine, das unsagbare ist, und worüber das Subject sich in seiner Einzelnheit entscheidend weiß, und seine besondere Vortrefflichkeit hiemit anschaut und genießt. Das Böse aber ist dieses selbe Wissen seiner Einzelnheit als des Entscheidenden, insofern sie nicht in dieser Abstraction bleibt, sondern gegen das Gute den Inhalt eines subjectiven Interesses hat.</p>
]]></content:encoded>
		
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