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	Kommentare zu: 317	</title>
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		<title>
		Von: Hegel (einfach)		</title>
		<link>https://grundlinien.de/317/#comment-3384</link>

		<dc:creator><![CDATA[Hegel (einfach)]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:59:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[§ 317: Wahrheit und Irrtum zugleich

Die öffentliche Meinung enthält die ewigen Grundsätze der Gerechtigkeit. Als gesunder Menschenverstand. Und sie kennt die wahren Bedürfnisse der Zeit.

Aber:

Sobald sie sich in Sätzen äußert, kommt alles Zufällige hinein. Unwissenheit, Verdrehung, falsches Urteil. Und je schlechter eine Meinung ist, desto eigener ist sie. Denn das Vernünftige ist allgemein. Das Eigene ist gerade das, worauf sich das Meinen etwas einbildet.

Zwei Sprüche:

Das eine Mal heißt es: Volkes Stimme ist Gottes Stimme. Das andere Mal sagt der Dichter Ariost: Das unwissende Volk tadelt jeden und redet am meisten über das, was es am wenigsten versteht. Beides trifft auf die öffentliche Meinung zu.

Darf man ein Volk täuschen?

Das fragte ein großer Geist öffentlich. Die Antwort: Über seine Grundlage, über das Wesen seines Geistes, lässt sich ein Volk nicht täuschen. Aber über die Weise, wie es das weiß und danach urteilt, täuscht es sich selbst.

Reden lassen:

Jeder will mitreden. Hat er sein Wort gesagt, lässt er sich vieles gefallen. In Frankreich galt freie Rede immer als weniger gefährlich als Schweigen.

Zusammenfassung: Die öffentliche Meinung enthält die Grundsätze der Gerechtigkeit und zugleich endlosen Irrtum. Ein Volk täuscht sich nicht über sein Wesen, wohl aber über sein Urteil.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>§ 317: Wahrheit und Irrtum zugleich</p>
<p>Die öffentliche Meinung enthält die ewigen Grundsätze der Gerechtigkeit. Als gesunder Menschenverstand. Und sie kennt die wahren Bedürfnisse der Zeit.</p>
<p>Aber:</p>
<p>Sobald sie sich in Sätzen äußert, kommt alles Zufällige hinein. Unwissenheit, Verdrehung, falsches Urteil. Und je schlechter eine Meinung ist, desto eigener ist sie. Denn das Vernünftige ist allgemein. Das Eigene ist gerade das, worauf sich das Meinen etwas einbildet.</p>
<p>Zwei Sprüche:</p>
<p>Das eine Mal heißt es: Volkes Stimme ist Gottes Stimme. Das andere Mal sagt der Dichter Ariost: Das unwissende Volk tadelt jeden und redet am meisten über das, was es am wenigsten versteht. Beides trifft auf die öffentliche Meinung zu.</p>
<p>Darf man ein Volk täuschen?</p>
<p>Das fragte ein großer Geist öffentlich. Die Antwort: Über seine Grundlage, über das Wesen seines Geistes, lässt sich ein Volk nicht täuschen. Aber über die Weise, wie es das weiß und danach urteilt, täuscht es sich selbst.</p>
<p>Reden lassen:</p>
<p>Jeder will mitreden. Hat er sein Wort gesagt, lässt er sich vieles gefallen. In Frankreich galt freie Rede immer als weniger gefährlich als Schweigen.</p>
<p>Zusammenfassung: Die öffentliche Meinung enthält die Grundsätze der Gerechtigkeit und zugleich endlosen Irrtum. Ein Volk täuscht sich nicht über sein Wesen, wohl aber über sein Urteil.</p>
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		<title>
		Von: Die logische Entwicklung		</title>
		<link>https://grundlinien.de/317/#comment-3005</link>

		<dc:creator><![CDATA[Die logische Entwicklung]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2026 06:33:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&lt;em&gt;Das Substantielle in der &lt;a href=&quot;https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-form&quot; title=&quot;Form ist nicht das Äußerliche gegenüber dem Inhalt, sondern die Weise, in der der Inhalt sich gliedert. Bloß formell heißt: die Weise ist da, der Inhalt fehlt noch.&quot; rel=&quot;ugc&quot;&gt;Form&lt;/a&gt; des Vorurteils — dieselbe öffentliche Meinung enthält die sittliche Grundlage und, sobald diese ins Bewusstsein tritt, die ganze &lt;a href=&quot;https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-zufaelligkeit&quot; title=&quot;Zufällig ist, was auch anders sein könnte, ohne dass der Begriff das entschiede. Hegel erklärt das nicht weg, sondern weist ihm einen Ort zu.&quot; rel=&quot;ugc&quot;&gt;Zufälligkeit&lt;/a&gt; des Meinens.&lt;/em&gt;

Der Paragraph entfaltet den &lt;a href=&quot;https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-negativitaet&quot; title=&quot;Ein Widerspruch ist bei Hegel kein Denkfehler, sondern die Stelle, an der eine Bestimmung nicht hält, was sie verspricht — und dadurch weitertreibt.&quot; rel=&quot;ugc&quot;&gt;Widerspruch&lt;/a&gt; von § 316 nach beiden Seiten. Was die öffentliche Meinung an Wahrem enthält — die Prinzipien der Gerechtigkeit, das Ergebnis der ganzen Verfassung —, liegt in ihr nicht als gewusster Grundsatz vor, sondern als gesunder Menschenverstand, also in der Gestalt des Vorurteils: als etwas, das alle tragen, ohne es begründen zu können. Sobald dieses Innere ausgesprochen und in &lt;a href=&quot;https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-allgemeinheit&quot; title=&quot;Allgemeinheit ist das Vermögen, von allem Bestimmten wegzusehen. Für sich allein genommen ist sie die Freiheit der Leere.&quot; rel=&quot;ugc&quot;&gt;allgemeine&lt;/a&gt; Sätze gefasst wird, tritt es in das Element des Räsonierens ein und nimmt damit unvermeidlich Unwissenheit, Verkehrung und falsche Beurteilung mit auf. Daraus folgt Hegels Umkehrung des gewöhnlichen Maßstabs: Weil das Vernünftige das &lt;a href=&quot;https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-an-sich&quot; title=&quot;An und für sich heißt: der Möglichkeit nach da, gewußt und verwirklicht — Hegels Wort für vollendete Wirklichkeit.&quot; rel=&quot;ugc&quot;&gt;an und für sich&lt;/a&gt; Allgemeine ist und das Meinen sich gerade auf das Eigentümliche etwas einbildet, ist eine Meinung umso eigentümlicher, je schlechter ihr Inhalt ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das Substantielle in der <a href="https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-form" title="Form ist nicht das Äußerliche gegenüber dem Inhalt, sondern die Weise, in der der Inhalt sich gliedert. Bloß formell heißt: die Weise ist da, der Inhalt fehlt noch." rel="ugc">Form</a> des Vorurteils — dieselbe öffentliche Meinung enthält die sittliche Grundlage und, sobald diese ins Bewusstsein tritt, die ganze <a href="https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-zufaelligkeit" title="Zufällig ist, was auch anders sein könnte, ohne dass der Begriff das entschiede. Hegel erklärt das nicht weg, sondern weist ihm einen Ort zu." rel="ugc">Zufälligkeit</a> des Meinens.</em></p>
<p>Der Paragraph entfaltet den <a href="https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-negativitaet" title="Ein Widerspruch ist bei Hegel kein Denkfehler, sondern die Stelle, an der eine Bestimmung nicht hält, was sie verspricht — und dadurch weitertreibt." rel="ugc">Widerspruch</a> von § 316 nach beiden Seiten. Was die öffentliche Meinung an Wahrem enthält — die Prinzipien der Gerechtigkeit, das Ergebnis der ganzen Verfassung —, liegt in ihr nicht als gewusster Grundsatz vor, sondern als gesunder Menschenverstand, also in der Gestalt des Vorurteils: als etwas, das alle tragen, ohne es begründen zu können. Sobald dieses Innere ausgesprochen und in <a href="https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-allgemeinheit" title="Allgemeinheit ist das Vermögen, von allem Bestimmten wegzusehen. Für sich allein genommen ist sie die Freiheit der Leere." rel="ugc">allgemeine</a> Sätze gefasst wird, tritt es in das Element des Räsonierens ein und nimmt damit unvermeidlich Unwissenheit, Verkehrung und falsche Beurteilung mit auf. Daraus folgt Hegels Umkehrung des gewöhnlichen Maßstabs: Weil das Vernünftige das <a href="https://grundlinien.de/grammatik-der-logischen-begriffe/#op-an-sich" title="An und für sich heißt: der Möglichkeit nach da, gewußt und verwirklicht — Hegels Wort für vollendete Wirklichkeit." rel="ugc">an und für sich</a> Allgemeine ist und das Meinen sich gerade auf das Eigentümliche etwas einbildet, ist eine Meinung umso eigentümlicher, je schlechter ihr Inhalt ist.</p>
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		<title>
		Von: Eduard Gans (Zusatz)		</title>
		<link>https://grundlinien.de/317/#comment-1689</link>

		<dc:creator><![CDATA[Eduard Gans (Zusatz)]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 May 1833 14:25:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das Prinzip der modernen Welt fordert, daß, was jeder anerkennen soll, sich ihm als ein Berechtigtes zeige. Außerdem aber will jeder noch mitgesprochen und geraten haben. Hat er seine Schuldigkeit, das heißt sein Wort dazu getan, so läßt er sich nach dieser Befriedigung seiner Subjektivität gar vieles gefallen. In Frankreich hat die Freiheit der Rede immer weit weniger gefährlich als das Stummsein geschienen, weil das letztere fürchten ließ, man werde das, was man gegen eine Sache habe, bei sich behalten, während das Räsonnement den Ausgang und die Befriedigung nach einer Seite enthält, wodurch im übrigen die Sache leichter ihren Gang fortzugehen vermag.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Prinzip der modernen Welt fordert, daß, was jeder anerkennen soll, sich ihm als ein Berechtigtes zeige. Außerdem aber will jeder noch mitgesprochen und geraten haben. Hat er seine Schuldigkeit, das heißt sein Wort dazu getan, so läßt er sich nach dieser Befriedigung seiner Subjektivität gar vieles gefallen. In Frankreich hat die Freiheit der Rede immer weit weniger gefährlich als das Stummsein geschienen, weil das letztere fürchten ließ, man werde das, was man gegen eine Sache habe, bei sich behalten, während das Räsonnement den Ausgang und die Befriedigung nach einer Seite enthält, wodurch im übrigen die Sache leichter ihren Gang fortzugehen vermag.</p>
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