172

Durch eine Ehe konstituiert sich eine neue Familie, welche ein für sich Selbstständiges gegen die Stämme oder Häuser ist, von denen sie ausgegangen ist; die Verbindung mit solchen hat die natürliche Blutsverwandtschaft zur Grundlage, die neue Familie aber die sittliche Liebe. Das Eigentum eines Individuums steht daher auch in wesentlichem Zusammenhang mit seinem Eheverhältnis, und nur in entfernterem mit seinem Stamme oder Hause.

Die Ehepakten, wenn in ihnen für die Gütergemeinschaft der Eheleute eine Beschränkung liegt, die Anordnung eines bestehenden Rechtsbeistandes der Frau und dergleichen, haben insofern den Sinn, gegen den Fall der Trennung der Ehe durch natürlichen Tod, Scheidung und dergleichen gerichtet und Sicherungsversuche zu sein, wodurch den unterschiedenen Gliedern auf solchen Fall ihr Anteil an dem Gemeinsamen erhalten wird.

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Kommentare

4 Kommentare zu „172“

  1. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    Wahrhaftes Verhältnis im Allgemeinen – Gemeinschaft der Güter. – Frau und Mann machen eine vollkommen selbständige Familie. Frau wird Vater und Mutter verlassen und dem Manne anhangen – wie Bibel, dies wahrhaft.
    Römisches Verhältnis schlecht – Zurückfallen des Vermögens der Frau an die Familie – wenn sie gleich Kinder hatte –
    Aber Endlichkeit, – Möglichkeit der Trennung – Zufälligkeit, Besonderheit – Mann Verschwender, Mann oder Frau wird vereinzelt –

  2. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    In vielen Gesetzgebungen ist der weitere Umfang der Familie festgehalten, und dieser wird als das wesentliche Band angesehen, während das andere einer jeden speziellen Familie dagegen geringer erscheint. So ist im älteren römischen Recht die Frau der laxen Ehe in näherem Verhältnis zu ihren Verwandten als zu ihren Kindern und zu ihrem Manne, und in den Zeiten des Feudalrechts machte die Erhaltung des splendor familiae es notwendig, daß nur die männlichen Glieder dazu gerechnet wurden und daß das Ganze der Familie für die Hauptsache galt, während die neugebildete dagegen verschwand. Trotzdem ist jede neue Familie das Wesentlichere gegen den weiteren Zusammenhang der Blutsverwandtschaft, und Ehegatten und Kinder bilden den eigentlichen Kern, im Gegensatz dessen, was man im gewissen Sinne auch Familie nennt. Das Vermögensverhältnis der Individuen muß daher einen wesentlicheren Zusammenhang mit der Ehe als mit der weiteren Blutsverwandtschaft haben.

  3. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Die durch die Ehe gestiftete neue Familie ist ein für sich Selbständiges gegen Stamm und Haus, weil ihre Grundlage die sittliche Liebe und nicht die natürliche Blutsverwandtschaft ist.

    Zwei Gründe stehen einander gegenüber, und Hegel entscheidet, welcher der tragende ist. Die Verbindung zum Stamm beruht auf einem bloß Vorgefundenen, der Abstammung; die neue Familie beruht auf einem Akt, in dem Personen sich verbinden. Weil das Sittliche das Hervorgebrachte und nicht das Natürliche ist, hat die neue Einheit den Vorrang, und daraus folgt der rechtliche Satz: das Eigentum eines Individuums hängt wesentlich an seinem Eheverhältnis und nur entfernt an seiner Herkunft.

  4. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 172: Die neue Familie zählt mehr als die Sippe

    Mit einer Ehe entsteht eine neue Familie. Sie ist selbstständig gegenüber den Familien, aus denen die Eheleute kommen.

    Was verbindet?

    Die alten Familien sind durch Blut verbunden. Die neue Familie ist durch sittliche Liebe verbunden. Das wiegt schwerer. Darum hängt das Eigentum eines Menschen vor allem mit seiner Ehe zusammen. Mit der weiteren Verwandtschaft nur entfernt.

    Ein Blick in die Geschichte:

    Das alte römische Recht sah das anders. Dort stand die Frau oft ihren eigenen Verwandten näher als ihrem Mann und ihren Kindern. Auch im Mittelalter zählte der Glanz der ganzen Sippe mehr als die einzelne Familie. Das ist ein falsches Verhältnis. Den Kern bilden die Eheleute und ihre Kinder.

    Und Eheverträge?

    Manchmal regeln Eheverträge, was bei einer Trennung oder beim Tod geschieht. Sie sollen sichern, dass jeder dann seinen Anteil behält. Sie rechnen mit dem Fall, dass die Gemeinschaft endet.

    Zusammenfassung: Die neue Familie aus Ehe und Kindern ist wichtiger als die weitere Verwandtschaft. Darum hängt das Eigentum vor allem an der Ehe. Eheverträge sichern nur für den Fall der Trennung.

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