Die Infografiken (unten und an anderer Stelle auf der Website) sind als „Wegweiser“ oder „Landkarten“ gedacht. Doch so wie die Karte eines Gebirges niemals das eigentliche Steigen und die Erfahrung der Höhe ersetzen kann, so können diese Bilder niemals das eigene Nachdenken und das spekulative Begreifen ersetzen. Bitte beachten Sie beim Studium der Grafiken folgende Warnungen:
1. Das Bild ist statisch, die Vernunft ist Bewegung In einer Grafik müssen Begriffe in Kästchen gefasst und mit Pfeilen verbunden werden. Das erweckt den Anschein, als seien „Eigentum“, „Moralität“ oder „Staat“ fertige, voneinander getrennte Bausteine. In der Philosophie ist jedoch nichts „fertig“. Die Wahrheit ist kein totes Resultat, sondern der Prozess ihres Werdens. Ein Begriff fließt in den nächsten über; er negiert sich selbst und bringt sich in einer höheren Form wieder hervor. Wer nur das Bild betrachtet, läuft Gefahr, die lebendige Dialektik als ein mechanisches Baukastensystem misszuverstehen.
2. Vorstellung vs. Begriff Bilder (Vorstellungen) nutzen Symbole – wie eine Krone für den Fürsten oder eine Waage für das Recht. Diese Symbole helfen dem Verstand, sich etwas unter dem Thema „vorzustellen“. Aber der Begriff verlangt mehr: Er will die innere Notwendigkeit verstehen, warum eine Sache so sein muss und nicht anders sein kann. Das Bild bleibt an der Oberfläche der Anschauung stehen; das Denken muss in die Tiefe der Logik dringen. Ein Bild zu „sehen“ ist leicht; einen Gedanken zu „fassen“ erfordert das, was Hegel die „Anstrengung des Begriffs“ nennt.
3. Die Gefahr der Vereinfachung (Abstraktion) Infografiken müssen weglassen, um übersichtlich zu bleiben. Jede Vereinfachung ist jedoch eine Abstraktion, die das Ganze verzerren kann. Wer meint, Hegel durch das Betrachten von Comics „verstanden“ zu haben, täuscht sich selbst. Die Grafiken können irreführend sein, weil sie komplexe Widersprüche glätten, die im Text mühsam ausgehalten und aufgelöst werden müssen.
4. Die „Eule der Minerva“ fliegt nicht im Bild Wahre Erkenntnis stellt sich erst ein, wenn man den Weg der Gedanken selbst mitgegangen ist – mit allen Zweifeln und Umwegen. Diese Grafiken sind lediglich Hilfsmittel für das Gedächtnis. Sie sind der „Schattenriss“ der Vernunft, nicht die Vernunft selbst.
Nutzen Sie diese Grafiken, um sich zu orientieren, wenn Sie im dichten Wald der Paragraphen den Überblick verlieren. Aber kehren Sie immer wieder zum Text und zum eigenen Denken zurück. Nur im gedanklichen Nachvollzug der Paragraphen erwacht der Geist zur Freiheit. Lassen Sie sich von den Bildern anregen, aber lassen Sie sich nicht von ihnen das Denken abnehmen.
Denn das Wahre ist das Ganze – und das Ganze lässt sich nicht zeichnen, sondern nur begreifen.





