33

Einteilung

Nach dem Stufengange der Entwicklung der Idee des an und für sich freien Willens ist der Wille
A. unmittelbar; sein Begriff daher abstrakt, die Persönlichkeit, und sein Dasein eine unmittelbare äußerliche Sache; – die Sphäre des abstrakten oder formellen Rechts;
B. der Wille aus dem äußeren Dasein in sich reflektiert, als subjektive Einzelnheit bestimmt gegen das Allgemeine, – dasselbe, teils als Inneres, das Gute, teils als Äußeres, eine vorhandene Welt, und diese beiden Seiten der Idee als nur durch einander vermittelt; die Idee in ihrer Entzweiung oder besonderen Existenz, das Recht des subjektiven |39| Willens im Verhältnis zum Recht der Welt und zum Recht der, aber nur an sich seienden, Idee; – die Sphäre der Moralität;
C. die Einheit und Wahrheit dieser beiden abstrakten Momente, – die gedachte Idee des Guten realisiert in dem in sich reflektierten Willen und in äußerlicher Welt1 – so dass die Freiheit als die Substanz ebensosehr als Wirklichkeit und Notwendigkeit existiert wie als subjektiver Wille; – die Idee in ihrer an und für sich allgemeinen Existenz; die Sittlichkeit.
Die sittliche Substanz aber ist gleichfalls
a) natürlicher Geist; – die Familie,
b) in ihrer Entzweiung und Erscheinung; – die bürgerliche Gesellschaft,
c) der Staat, als die in der freien Selbstständigkeit des besonderen Willens ebenso allgemeine und objektive Freiheit; – welcher wirkliche und organische Geist α) eines Volks sich β) durch das Verhältnis der besonderen Volksgeister hindurch γ) in der Weltgeschichte zum allgemeinen Weltgeiste wirklich wird und offenbart, dessen Recht das höchste ist.

Dass eine Sache oder Inhalt, der erst seinem Begriffe nach, oder wie er an sich ist, gesetzt ist, die Gestalt der Unmittelbarkeit oder des Seins hat, ist aus der spekulativen Logik vorausgesetzt; 2 ein anderes ist der Begriff, der in der Form des Begriffs für sich ist; dieser ist nicht mehr ein Unmittelbares. – Gleicherweise ist das die Einteilung bestimmende Prinzip vorausgesetzt. Die Einteilung kann auch als eine historische Vorausangabe der Teile angesehen werden, denn die verschiedenen Stufen |40| müssen als Entwicklungsmomente der Idee sich aus der Natur des Inhalts selbst hervorbringen. Eine philosophische Einteilung ist überhaupt nicht eine äußerliche, nach irgendeinem oder mehreren aufgenommenen Einteilungsgründen gemachte äußere Klassifizierung eines vorhandenen Stoffes, sondern das immanente Unterscheiden des Begriffes selbst. – Moralität und Sittlichkeit, die gewöhnlich etwa als gleichbedeutend gelten, sind hier in wesentlich verschiedenem Sinne genommen. Inzwischen scheint auch die Vorstellung sie zu unterscheiden; der Kantische Sprachgebrauch bedient sich vorzugsweise des Ausdrucks Moralität, wie denn die praktischen Prinzipien dieser Philosophie sich durchaus auf diesen Begriff beschränken, den Standpunkt der Sittlichkeit sogar unmöglich machen, ja selbst sie ausdrücklich zernichten und empören. Wenn aber Moralität und Sittlichkeit ihrer Etymologie nach auch gleichbedeutend wären, so hinderte dies nicht, diese einmal verschiedenen Worte für verschiedene Begriffe zu benutzen |41|.

  1. Hegels Handexemplar. d. i. andere Subjekte ↩︎
  2. Hegel gibt keine Stelle an. Gemeint ist: was erst an sich, seinem Begriffe nach gesetzt ist, hat eben darum die Gestalt des bloß Unmittelbaren, des Seins; erst die Entwicklung macht den Begriff für sich (Enzyklopädie, 3. Aufl. § 84–86 und § 161). – Dazu Grammatik der logischen Begriffe: an sich – für sich und unmittelbar. ↩︎

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Kommentare

7 Kommentare zu „33“

  1. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1817)
    Hegel (Enzyklopädie 1817)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1817), § 401:

    § 401. Der Geist, auf diese Weise die Idee der an und für sich seyenden Vernunft, welche für sich als solche ist, ist der Begriff des absoluten Geistes. Die Seite des Daseyns der subjectiven Vernunft ist der einzelne Wille als Wissen dieses seines Begriffs, der seinen Inhalt und Zweck ausmacht und dessen nur formelle Thätigkeit er ist. – Diese Identität 1) als einfacher unmittelbarer Begriff ist das Recht; 2) als Reflexion oder Urtheil die Moralität; 3) als ihrem Begriffe gemäße Realität, oder die Totalität des Schlusses, die Sittlichkeit.

  2. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    A. Freiheit überhaupt wendet sich zuerst an unmittelbares äußerliches Dasein – in ihm. α) Bestimmtheit – unmittelbare Freiheit – β) Dasein – Sache
    B. an ihr selbst – in sich, für sich zu sein –
    In meinem Inneren Wille – Gedanken – ein Allgemeines – Freiheit als Subjekt des Willens mit der Bestimmung der Subjektivität, dasselbe ist sie Dasein – Bestimmung der Momente des Rechts
    Recht geht besondere Innerlichkeit – Einsicht, Überzeugung, Vorsatz, Gewissen – nichts an –
    Wille – Ich, subjektive Reflexion in mich, Freiheit als Allgemeines, unmittelbarer Begriff –
    α) Dasein der Freiheit überhaupt. Ich und Freiheit unmittelbar identisch – unmittelbare Ergreifung – ununterschieden – Ich will, weil Ich will – ich bin besonderes Ich und allgemeines – als frei noch nicht unterschieden. Ich habe Recht – darum, weil ich frei bin.
    β) Persönliche Freiheit d. i. Begriff, Allgemeines, und Ich
    – unterschieden
    Trennung in Allgemeinheit und Einzelheit.
    Wesentlichkeit beider Seiten
    Allgemeinheit und Einzelheit (subjektive Besonderheit) hat unterschiedene Bestimmungen als
    α) Wissen – Einsicht – Überzeugung, Beziehung auf das Gute,
    β) Besondere Bedürfnisse werden Gegenstand
    αα) Objektivierung des Guten – Pflicht für mich. Recht des Guten an mich – macht mir eine Pflicht
    ββ) Subjektives Recht, daß Ich es wisse, überzeugt sei, zustimme – Recht der Subjektivität – des Wissens, meines Wollens, meiner Bedürfnisse, Wohl
    β) besonderes Wohl
    αα) Allgemeines Wohl – subsumiert unter αα), gut hier nur abstrakt.
    Ist – Wahrheit – d. h. Einheit der beiden Bestimmungen – die bestimmt, unterschieden gesetzt sind.
    Besondere Personen und doch in Einem
    Sittlichkeit –
    α) Abstraktion, Gedanken α) Gut. –
    β) meine Besonderheit, mein Wille β) Mit diesem Allgemeinen die Besonderheit identisch – guter Wille – zufällige Verbindung
    γ) Unmittelbarkeit – wie Recht γ) Ein substantielles Verhältnis – wirklich – als Verhältnis, Band für sich bestehend.
    Aufgeben – der besonderen Subjektivität des Einzelnen. Nicht mehr meine Willkür in der Empfindung, sondern objektives Band – Daß für mich diese Einheit als seiend, als gültig vorhanden ist, unabhängig von meiner Subjektivität, nicht ein Gedanke in mir nur, in meiner Gewißheit – in meinem Gewissen.
    [C.] Gut, allgemein, in sich wesentlich bestimmt – Bestimmtheit ins Allgemeine aufgenommen – Bestimmtes Gutes
    Erscheinung als substantielle Einheit Mehrerer [?] – Selbst als sich aufgegeben – als in Identität – Geist – Sonst kein anderer Inhalt
    Die Entwicklung bestimmt den Begriff weiter – verändert daher auch sogleich die erste Gestalt – Hugo wundert sich, daß Weltgeschichte unter Staat [subsumiert wird]*)
    Recht des Geistes – Erst hier Geist – nämlich nicht mehr nur Ich, Vernunft, Einheit des Subjekts und Realität, Begriffs und Ich, – und nicht nur an sich, allgemein – sondern wissendes Selbstbewußtsein.
    a) Erst in Familie konkreter Anfang – sittlich-wirklicher Geist – Penaten
    b) Verhältnis vieler Familien zueinander; kann nicht für sich dasein – System der Bedürfnisse, d. i. äußerlicher, ungeistiger Zusammenhang, vermittelte Beziehung- Relativität – Identität Grund – Eigennutz – das Band – Bedürfnisse. Oft versteht man unter Staat – Not als zufällige Notwendigkeit. Auch Beziehung, Verbindung – des Bedürfnisses, der Besonderheit
    c) Geist eines Volks – seine Welt – Sonnensystem. Verhältnis zum Geist der Welt
    Recht des Geistes
    α) Gesetze
    Recht der Substanz
    β) Recht der Individuen; ihr höchstes Recht substantielles Dasein ihrer Freiheit –

    *) vgl. Gustav Hugos Rezension der Rechtsphilosophie in den Göttingischen Gelehrten Anzeigen (61. Stück, 16. April 1821, S. 601 ff.) und Hegels Erwiderung

  3. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1827)
    Hegel (Enzyklopädie 1827)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1827), § 487:

    § 487. Der freie Wille ist:
    A. Zunächst unmittelbar, und daher als einzelner, – die Person; das Daseyn, welches diese ihrer Freiheit gibt, ist das Eigenthum. Das Recht als solches, das formelle, abstracte Recht.
    B. In sich reflectirt, so daß er sein Daseyn innerhalb seiner hat, und hiedurch zugleich als particulärer bestimmt ist, das Recht des subjectiven Willens, – die Moralität.
    C. In der Einheit seines subjectiven und des objectiven Daseyns, – der substantielle Wille als die ihrem Begriffe gemäße Wirklichkeit im Subjecte und Totalität der Nothwendigkeit, – die Sittlichkeit.

    Da ich diesen Theil der Philosophie in meinen Grundlinien des Rechts (Berlin 1821.) ausgeführt habe, so kann ich mich hier kürzer, als über die andern Theile fassen.

  4. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1830)
    Hegel (Enzyklopädie 1830)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830), § 487:

    § 487. Der freie Wille ist: A. selbst zunächst unmittelbar und daher als einzelner, – die Person; das Dasein, welches diese ihrer Freiheit gibt, ist das Eigentum. Das Recht als solches ist das formelle, abstrakte Recht; B. in sich reflektiert, so daß er sein Dasein innerhalb seiner hat und hierdurch zugleich als partikulärer bestimmt Ist, das Recht des subjektiven Willens, – die Moralität; C. der substantielle Wille als die seinem Begriffe gemäße Wirklichkeit im Subjekte und Totalität der Notwendigkeit, – die Sittlichkeit, in Familie, bürgerlicher Gesellschaft und Staat. Da ich diesen Teil der Philosophie in meinen Grundlinien [der Philosophie] des Rechts (Berlin 1821) ausgeführt habe, so kann ich mich hier kürzer als über die anderen Teile fassen.

  5. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Wenn wir hier vom Rechte sprechen, so meinen wir nicht bloß das bürgerliche Recht, das man gewöhnlich darunter versteht, sondern Moralität, Sittlichkeit und Weltgeschichte, die ebenfalls hierher gehören, weil der Begriff die Gedanken der Wahrheit nach zusammenbringt. Der freie Wille muß sich zunächst, um nicht abstrakt zu bleiben, ein Dasein geben, und das erste sinnliche Material dieses Daseins sind die Sachen, das heißt die äußeren Dinge. Diese erste Weise der Freiheit ist die, welche wir als Eigentum kennen sollen, die Sphäre des formellen und abstrakten Rechts, wozu nicht minder das Eigentum in seiner vermittelten Gestalt als Vertrag und das Recht in seiner Verletzung als Verbrechen und Strafe gehören. Die Freiheit, die wir hier haben, ist das, was wir Person nennen, das heißt das Subjekt, das frei und zwar für sich frei ist und sich in den Sachen ein Dasein gibt. Diese bloße Unmittelbarkeit des Daseins aber ist der Freiheit nicht angemessen, und die Negation dieser Bestimmung ist die Sphäre der Moralität. Ich bin nicht mehr bloß frei in dieser unmittelbaren Sache, sondern ich bin es auch in der aufgehobenen Unmittelbarkeit, das heißt ich bin es in mir selbst, im Subjektiven. In dieser Sphäre ist es, wo es auf meine Einsicht und Absicht und auf meinen Zweck ankommt, indem die Äußerlichkeit als gleichgültig gesetzt wird. Das Gute, das hier der allgemeine Zweck ist, soll aber nicht bloß in meinem Inneren bleiben, sondern es soll sich realisieren. Der subjektive Wille nämlich fordert, daß sein Inneres, das heißt sein Zweck, äußeres Dasein erhalte, daß also das Gute in der äußerlichen Existenz solle vollbracht werden. Die Moralität, wie das frühere Moment des formellen Rechts, sind beide Abstraktionen, deren Wahrheit erst die Sittlichkeit ist. Die Sittlichkeit ist so die Einheit des Willens in seinem Begriffe und des Willens des Einzelnen, das heißt des Subjekts. Ihr erstes Dasein ist wiederum ein Natürliches, in Form der Liebe und Empfindung: die Familie; das Individuum hat hier seine spröde Persönlichkeit aufgehoben und befindet sich mit seinem Bewußtsein in einem Ganzen. Aber auf der folgenden Stufe ist der Verlust der eigentlichen Sittlichkeit und der substantiellen Einheit zu sehen: die Familie zerfällt, und die Glieder verhalten sich als selbständige zueinander, indem nur das Band des gegenseitigen Bedürfnisses sie umschlingt. Diese Stufe der bürgerlichen Gesellschaft hat man häufig für den Staat angesehen. Aber der Staat ist erst das Dritte, die Sittlichkeit und der Geist, in welchem die ungeheure Vereinigung der Selbständigkeit der Individualität und der allgemeinen Substantialität stattfindet. Das Recht des Staates ist daher höher als andere Stufen: es ist die Freiheit in ihrer konkretesten Gestaltung, welche nur noch unter die höchste absolute Wahrheit des Weltgeistes fällt.

  6. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 33: Die Einteilung des ganzen Buches

    Worum es geht: Hier steht der Bauplan. Wer ihn einmal vor Augen hat, weiß bei jedem späteren Paragraphen, wo er sich befindet. Die drei Stufen sind nicht drei Gebiete nebeneinander, sondern drei Stufen einer Entwicklung, deren dritte die Einheit und Wahrheit der beiden ersten ist.

    Nach dem Stufengange der Entwicklung der Idee des an und für sich freien Willens ist der Wille:

    A. unmittelbar. Sein Begriff ist daher abstrakt — die Persönlichkeit —, und sein Dasein eine unmittelbare äußerliche Sache. Das ist die Sphäre des abstrakten oder formellen Rechts.

    B. der Wille aus dem äußeren Dasein in sich reflektiert, als subjektive Einzelheit bestimmt gegen das Allgemeine. Dieses Allgemeine ist teils ein Inneres, das Gute, teils ein Äußeres, eine vorhandene Welt; und diese beiden Seiten der Idee sind nur durch einander vermittelt. Es ist die Idee in ihrer Entzweiung oder besonderen Existenz: das Recht des subjektiven Willens im Verhältnis zum Recht der Welt und zum Recht der Idee, die aber nur an sich seiend ist. Das ist die Sphäre der Moralität.

    C. die Einheit und Wahrheit dieser beiden abstrakten Momente: die gedachte Idee des Guten, realisiert in dem in sich reflektierten Willen und in äußerlicher Welt. So existiert die Freiheit als die Substanz ebenso sehr als Wirklichkeit und Notwendigkeit wie als subjektiver Wille. Es ist die Idee in ihrer an und für sich allgemeinen Existenz: die Sittlichkeit.

    Handschriftliche Notiz Hegels: Zu „in äußerlicher Welt“ steht in unserem Handexemplar erläuternd: das ist, andere Subjekte.

    Die sittliche Substanz aber ist gleichfalls dreifach:

    a) natürlicher Geist — die Familie;

    b) in ihrer Entzweiung und Erscheinung — die bürgerliche Gesellschaft;

    c) der Staat, als die in der freien Selbständigkeit des besonderen Willens ebenso allgemeine und objektive Freiheit. Dieser wirkliche und organische Geist wird und offenbart sich α) als Geist eines Volks, β) durch das Verhältnis der besonderen Volksgeister hindurch, γ) in der Weltgeschichte zum allgemeinen Weltgeiste, dessen Recht das höchste ist.

    Wichtige Anmerkung: Dass eine Sache oder ein Inhalt, der erst seinem Begriffe nach — oder wie er an sich ist — gesetzt ist, die Gestalt der Unmittelbarkeit oder des Seins hat, ist aus der spekulativen Logik vorausgesetzt. Ein anderes ist der Begriff, der in der Form des Begriffs für sich ist; dieser ist nicht mehr ein Unmittelbares. Gleicherweise ist das die Einteilung bestimmende Prinzip vorausgesetzt.

    Die Einteilung kann auch als eine historische Vorausangabe der Teile angesehen werden. Denn die verschiedenen Stufen müssen als Entwicklungsmomente der Idee sich aus der Natur des Inhalts selbst hervorbringen.

    Eine philosophische Einteilung ist überhaupt nicht eine äußerliche Klassifizierung eines vorhandenen Stoffes, nach irgendeinem oder mehreren aufgenommenen Einteilungsgründen gemacht, sondern das immanente Unterscheiden des Begriffes selbst.

    Und nun zu zwei Wörtern, die hier auseinandertreten. Moralität und Sittlichkeit gelten gewöhnlich etwa als gleichbedeutend; hier sind sie in wesentlich verschiedenem Sinne genommen. Inzwischen scheint auch die Vorstellung sie zu unterscheiden.

    Der Kantische Sprachgebrauch bedient sich vorzugsweise des Ausdrucks Moralität, wie denn die praktischen Prinzipien dieser Philosophie sich durchaus auf diesen Begriff beschränken, den Standpunkt der Sittlichkeit sogar unmöglich machen, ja selbst sie ausdrücklich zernichten und empören.

    Wenn aber Moralität und Sittlichkeit ihrer Etymologie, also ihrer Wortherkunft nach auch gleichbedeutend wären, so hinderte dies nicht, diese einmal verschiedenen Worte für verschiedene Begriffe zu benutzen.

    Aus der Vorlesung: Wenn wir hier vom Rechte sprechen, so meinen wir nicht bloß das bürgerliche Recht, das man gewöhnlich darunter versteht, sondern Moralität, Sittlichkeit und Weltgeschichte, die ebenfalls hierher gehören, weil der Begriff die Gedanken der Wahrheit nach zusammenbringt.

    Der freie Wille muss sich zunächst, um nicht abstrakt zu bleiben, ein Dasein geben. Und das erste sinnliche Material dieses Daseins sind die Sachen, das heißt die äußeren Dinge. Diese erste Weise der Freiheit ist die, welche wir als Eigentum kennen sollen — die Sphäre des formellen und abstrakten Rechts, wozu nicht minder das Eigentum in seiner vermittelten Gestalt als Vertrag und das Recht in seiner Verletzung als Verbrechen und Strafe gehören. Die Freiheit, die wir hier haben, ist das, was wir Person nennen: das Subjekt, das frei und zwar für sich frei ist und sich in den Sachen ein Dasein gibt.

    Diese bloße Unmittelbarkeit des Daseins aber ist der Freiheit nicht angemessen, und die Negation dieser Bestimmung ist die Sphäre der Moralität. Ich bin nicht mehr bloß frei in dieser unmittelbaren Sache, sondern ich bin es auch in der aufgehobenen Unmittelbarkeit, das heißt ich bin es in mir selbst, im Subjektiven. In dieser Sphäre kommt es auf meine Einsicht und Absicht und auf meinen Zweck an, indem die Äußerlichkeit als gleichgültig gesetzt wird. Das Gute, das hier der allgemeine Zweck ist, soll aber nicht bloß in meinem Inneren bleiben, sondern es soll sich realisieren: Der subjektive Wille fordert, dass sein Inneres, das heißt sein Zweck, äußeres Dasein erhalte, dass also das Gute in der äußerlichen Existenz solle vollbracht werden.

    Die Moralität und das frühere Moment des formellen Rechts sind beide Abstraktionen, deren Wahrheit erst die Sittlichkeit ist. Die Sittlichkeit ist so die Einheit des Willens in seinem Begriffe und des Willens des Einzelnen, das heißt des Subjekts.

    Ihr erstes Dasein ist wiederum ein Natürliches, in Form der Liebe und Empfindung: die Familie. Das Individuum hat hier seine spröde Persönlichkeit aufgehoben und befindet sich mit seinem Bewusstsein in einem Ganzen. Aber auf der folgenden Stufe ist der Verlust der eigentlichen Sittlichkeit und der substantiellen Einheit zu sehen: Die Familie zerfällt, und die Glieder verhalten sich als selbständige zueinander, indem nur das Band des gegenseitigen Bedürfnisses sie umschlingt. Diese Stufe der bürgerlichen Gesellschaft hat man häufig für den Staat angesehen.

    Aber der Staat ist erst das Dritte, die Sittlichkeit und der Geist, in welchem die ungeheure Vereinigung der Selbständigkeit der Individualität und der allgemeinen Substantialität stattfindet. Das Recht des Staates ist daher höher als andere Stufen: Es ist die Freiheit in ihrer konkretesten Gestaltung, welche nur noch unter die höchste absolute Wahrheit des Weltgeistes fällt.

    Zusammenfassung: Das Buch hat drei Stufen: das abstrakte Recht, in dem der Wille sich in äußeren Sachen ein Dasein gibt; die Moralität, in der er in sich zurückgeht; und die Sittlichkeit, die die Einheit und Wahrheit beider ist und sich in Familie, bürgerliche Gesellschaft und Staat gliedert, bis hinaus in die Weltgeschichte und den Weltgeist, dessen Recht das höchste ist. Wer die bürgerliche Gesellschaft schon für den Staat hält, hat innerhalb der Sittlichkeit beim Zweiten haltgemacht: Der Staat ist erst das Dritte. Mit § 34 beginnt der erste Teil.

  7. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Die Einteilung als immanentes Unterscheiden des Begriffs — Unmittelbarkeit (abstraktes Recht), Reflexion in sich und Entzweiung (Moralität), Einheit und Wahrheit beider (Sittlichkeit).

    Eingeteilt wird das ganze Werk, und zwar nach der in § 31 angegebenen immanenten Methode: Die Glieder werden nicht nebeneinandergestellt, sondern gehen auseinander hervor. Zuerst steht der Wille unmittelbar da, also so, wie er zunächst ist, ohne sich schon auf sich zurückbezogen zu haben; sein Begriff ist deshalb die bloße Persönlichkeit und sein Dasein eine äußere Sache. Dann nimmt er sich aus diesem äußeren Dasein in sich zurück und steht als subjektive Einzelnheit dem Allgemeinen gegenüber — das nennt Hegel Entzweiung, weil das Gute nun bloß Inneres, die Welt bloß Äußeres ist und beide nur durcheinander vermittelt sind. Zuletzt fallen sie zusammen: Freiheit ist nicht mehr nur Gesinnung und nicht mehr nur Vorgefundenes, sondern existiert als Substanz und Wirklichkeit ebenso wie als subjektiver Wille. Die Anmerkung hält fest, dass diese Einteilung kein von außen herangetragenes Klassifizieren eines vorhandenen Stoffes ist, sondern selbst schon der erste Schritt der Sache.

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