276

1. Die Grundbestimmung des politischen Staats ist die substantielle Einheit als Idealität seiner Momente, in welcher α) die besonderen Gewalten und Geschäfte desselben ebenso aufgelöst als erhalten und nur so erhalten sind, als sie keine unabhängige, sondern allein eine solche und so weitgehende Berechtigung haben, als in der Idee des Ganzen bestimmt ist, von seiner Macht ausgehen und flüssige Glieder desselben als ihres einfachen Selbsts sind.

EN ES

Kommentare

4 Kommentare zu „276“

  1. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Mit dieser Idealität der Momente ist es wie mit dem Leben im organischen Körper: es ist in jedem Punkte, es gibt nur ein Leben in allen Punkten, und es ist kein Widerstand dagegen. Getrennt davon ist jeder Punkt tot. Dies ist auch die Idealität aller einzelnen Stände, Gewalten und Korporationen, so sehr sie auch den Trieb haben, zu bestehen und für sich zu sein. Es ist damit wie mit dem Magen im Organischen, der sich auch für sich setzt, aber zugleich aufgehoben und sakrifiziert wird und in das Ganze übergeht.

  2. Avatar von Karl Marx
    Karl Marx

    Zusatz: »Mit dieser Idealität der Momente ist es wie mit dem Leben im organischen Körper.«

    Versteht sich: Hegel spricht nur von der Idee »der besondern Gewalten und Geschäfte«… Sie sollen nur eine so weit gehende Berechtigung haben, als in der Idee des Ganzen bestimmt ist; sie sollen nur »von seiner Macht ausgehen«. Daß dies so sein soll, liegt in der Idee des Organismus. Es wäre aber eben zu entwickeln gewesen, wie dies zu bewerkstelligen ist. Denn im Staat muß bewußte Vernunft herrschen; die substantielle bloß innere und darum bloß äußere Notwendigkeit, die zufällige […] |Undeutliches Wort, etwa: Verschränkung, oder Verschlingung| der »Gewalten und Geschäfte« kann nicht für das Vernünftige ausgegeben werden.

  3. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Die substantielle Einheit des Staats ist die Idealität seiner Momente: die besonderen Gewalten und Geschäfte sind in ihr ebenso aufgelöst als erhalten.

    Hier wird der Begriff bestimmt, aus dem im folgenden die Souveränität hervorgeht. Dass die substantielle Einheit die „Idealität“ ihrer Momente ist, heißt nicht, dass die besonderen Gewalten verschwinden, sondern dass sie kein Bestehen aus sich haben: Sie sind aufgehoben in dem doppelten Sinn, dass ihre Selbständigkeit fällt und sie gerade dadurch erhalten bleiben. Ihre Berechtigung reicht genau so weit, wie sie in der Idee des Ganzen bestimmt ist, und sie sind keine festen Teile, sondern flüssige Glieder, die ihre Substanz an dem einfachen Selbst des Staates haben. Die Gegenfigur, gegen die das gesagt ist, wäre das Aggregat, in dem jeder Teil sein Recht schon mitbringt und das Ganze nur die Summe ist.

  4. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 276: Idealität der Momente (Wie ein Leben in allen Punkten)

    Worum es geht: Ein Wort muss jetzt erklärt werden, weil ohne es die ganze Lehre von der Souveränität unverständlich bleibt: Idealität. Es heißt hier nicht, dass etwas nur gedacht wäre. Es heißt: Etwas besteht nicht für sich, sondern nur als Glied eines Ganzen.

    Die Grundbestimmung des politischen Staates ist die substantielle Einheit als Idealität seiner Momente.

    Darin sind, erstens, die besonderen Gewalten und Geschäfte des Staates ebenso aufgelöst als erhalten. Beides zugleich, und nur so erhalten: Sie haben keine unabhängige Berechtigung, sondern nur eine solche und so weitgehende, wie in der Idee des Ganzen bestimmt ist. Sie gehen von seiner Macht aus und sind flüssige Glieder desselben als ihres einfachen Selbsts.

    Aus der Vorlesung: Mit dieser Idealität der Momente ist es wie mit dem Leben im organischen Körper. Es ist in jedem Punkt, es gibt nur ein Leben in allen Punkten, und es ist kein Widerstand dagegen. Getrennt davon ist jeder Punkt tot.

    Dies ist auch die Idealität aller einzelnen Stände, Gewalten und Korporationen, so sehr sie auch den Trieb haben, zu bestehen und für sich zu sein.

    Es ist damit wie mit dem Magen im Organischen. Er setzt sich auch für sich, aber er wird zugleich aufgehoben und geopfert und geht in das Ganze über.

    Zusammenfassung: Idealität heißt: Die Teile sind keine Teile, sondern Glieder. Sie bestehen, aber nicht für sich. Aus dieser einen Bestimmung wird gleich die Souveränität hervorgehen.

Schreibe einen Kommentar