23

Nur in dieser Freiheit ist der Wille schlechthin bei sich, weil er sich auf nichts, als auf sich selbst bezieht, so |31| wie damit alles Verhältnis der Abhängigkeit von etwas anderem hinwegfällt. – Er ist wahr oder vielmehr die Wahrheit selbst, weil sein Bestimmen darin besteht, in seinem Dasein d. i. als sich Gegenüberstehendes zu sein, was sein Begriff ist, oder der reine Begriff die Anschauung seiner selbst zu seinem Zwecke und Realität hat.

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Kommentare

2 Kommentare zu „23“

  1. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 23: Ganz bei sich

    Dieser freie Wille ist ganz bei sich. Was heißt das?

    Wer bei sich ist, hängt von nichts ab. Er richtet sich nach keinem fremden Herrn, keiner Laune, keinem Reiz von außen. Der freie Wille bezieht sich nur auf sich selbst. Darum fällt jede Abhängigkeit weg.

    Zugleich ist dieser Wille wahr. Mehr noch: Er ist die Wahrheit selbst.

    Das Wort „wahr“ hat hier einen besonderen Sinn. Im Alltag nennen wir einen Satz wahr, wenn er stimmt. Hier heißt „wahr“: Eine Sache ist, was sie sein soll. So reden wir auch sonst, etwa von einem wahren Freund. Das ist einer, der ganz dem entspricht, was ein Freund ist.

    Beim freien Willen trifft das ganz zu. Er gibt sich ein Dasein und stellt sich damit sich selbst gegenüber. In diesem Dasein ist er genau das, was sein Kern ist. Er schaut sich selbst an und findet dort nur sich.

    Zusammenfassung: Der freie Wille hängt von nichts Fremdem ab, er ist ganz bei sich. Und er ist wahr, weil er in seinem Dasein ist, was sein Kern verlangt.

  2. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Bei sich sein als Wegfall jedes Verhältnisses der Abhängigkeit; Wahrheit als Übereinstimmung des Daseins mit dem eigenen Begriffe.

    Zwei geläufige Wörter bekommen hier ihren strengen Sinn. „Bei sich“ heißt nicht Zufriedenheit, sondern dass der Wille sich auf nichts bezieht, was nicht er selbst wäre; damit fällt jedes Verhältnis der Abhängigkeit weg, denn abhängig ist man nur von einem Anderen. „Wahrheit“ heißt nicht die Richtigkeit einer Aussage, sondern dass etwas in seinem Dasein das ist, was sein Begriff ist — der Wille steht sich selbst gegenüber und findet dort nichts als sich. Beide Bestimmungen zusammen ergeben den Maßstab, mit dem das ganze Buch arbeitet: eine Rechtsgestalt ist wahr, soweit in ihr der freie Wille sich selbst gegenübersteht und wiedererkennt.

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