88

Im Vertrage erwerbe ich ein Eigentum um der besonderen Beschaffenheit der Sache willen, und zugleich nach ihrer inneren Allgemeinheit teils nach dem Werte, teils als aus dem Eigentum des anderen. Durch die Willkür des anderen kann mir ein falscher Schein hierüber |91| vorgebracht werden, so dass es mit dem Vertrage als beiderseitiger freier Einwilligung des Tausches über diese Sache, nach ihrer unmittelbaren Einzelnheit, seine Richtigkeit hat, aber die Seite des an sich seienden Allgemeinen darin fehlt. (Das unendliche Urteil nach seinem positiven Ausdrucke oder identischen Bedeutung. S. Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften, § 121.)1

  1. Enzyklopädie, 3. Aufl. § 173 ↩︎

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Kommentare

2 Kommentare zu „88“

  1. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Der Betrug als unendliches Urteil nach seinem positiven Ausdrucke oder identischen Bedeutung — der Vertrag stimmt hinsichtlich der Sache in ihrer unmittelbaren Einzelnheit, während die Seite des an sich seienden Allgemeinen fehlt.

    Erworben wird im Vertrag immer beides, diese bestimmte Sache und ihre allgemeine Seite, nämlich der Wert und die Herkunft aus dem Eigentum des anderen. Der Betrug lässt die erste Seite unangetastet und täuscht über die zweite. Der Verweis auf das unendliche Urteil trifft genau das, wobei hier die positive Seite derselben Urteilsform gemeint ist, die § 53 nach ihrer negativen Seite gebraucht hatte: In seiner positiven Form sagt ein solches Urteil nur die leere Identität aus, dass diese Sache diese Sache sei, und ist damit formal richtig, ohne etwas zu sagen, weil ihm jede allgemeine Bestimmung fehlt. Ebenso ist der betrügerische Vertrag als Tausch über dieses Ding vollkommen in Ordnung und dennoch kein Vertrag.

  2. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 88: Wie Betrug funktioniert

    Wenn ich etwas kaufe, will ich zweierlei. Ich will diese bestimmte Sache. Und ich will sie zu ihrem Wert. Außerdem soll sie wirklich dem gehören, der sie mir verkauft.

    Genau hier setzt der Betrug an.

    Ein Beispiel: Jemand verkauft ein altes Pferd. Vorher hat er ihm die Zähne abgefeilt, damit es jünger wirkt. Der Käufer sieht sich das Pferd an. Er reitet Probe. Er ist einverstanden und zahlt.

    Was ist daran richtig?

    Beide haben frei zugestimmt. Es ging um genau dieses Pferd. So weit ist alles in Ordnung.

    Was fehlt?

    Der Wert stimmt nicht. Das Pferd ist viel weniger wert, als der Käufer glaubt. Der Verkäufer hat ihm einen falschen Schein vorgespielt. Übrig bleibt nur: Dieses Pferd ist dieses Pferd. Das Allgemeine, der wahre Wert, ist aus dem Handel verschwunden.

    Zusammenfassung: Beim Betrug stimmt der Handel äußerlich. Beide haben zugestimmt. Aber der Wert fehlt, weil einer den anderen getäuscht hat.

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