184

Die Idee in dieser ihrer Entzweiung erteilt den Momenten eigentümliches Dasein, – der Besonderheit das Recht, sich nach allen Seiten zu entwickeln und zu ergehen, und der Allgemeinheit das Recht, sich als Grund und notwendige Form der Besonderheit sowie als die Macht über sie und ihren letzten Zweck zu erweisen. – Es ist das System der in ihre Extreme verlorenen Sittlichkeit, was das abstrakte Moment der Realität der Idee ausmacht, welche hier nur als die relative Totalität und innere Notwendigkeit an dieser äußeren Erscheinung ist.

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Kommentare

3 Kommentare zu „184“

  1. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Das Sittliche ist hier in seine Extreme verloren, und die unmittelbare Einheit der Familie ist in eine Vielheit zerfallen. Die Realität ist hier Äußerlichkeit, Auflösung des Begriffs, Selbständigkeit der freigewordenen daseienden Momente. Indem in der bürgerlichen Gesellschaft Besonderheit und Allgemeinheit auseinandergefallen sind, sind sie dennoch beide wechselseitig gebunden und bedingt. Indem das eine gerade das dem andern Entgegengesetzte zu tun scheint und nur sein zu können vermeint, indem es sich das andere vom Leibe hält, hat jedes das andere doch zu seiner Bedingung. So sehen die meisten z. B. die Bezahlung von Abgaben für ein Verletzen ihrer Besonderheit an, für ein ihnen Feindseliges, das ihren Zweck verkümmert, aber so wahr dies scheint, so kann doch die Besonderheit des Zwecks nicht befriedigt werden ohne das Allgemeine, und ein Land, worin keine Abgaben bezahlt werden, dürfte sich auch nicht durch die Erkräftigung der Besonderheit auszeichnen. Ebenso könnte es scheinen, die Allgemeinheit verhielte sich besser, wenn sie die Kräfte der Besonderheit an sich zieht, wie dies zum Beispiel im Platonischen Staate ausgeführt ist; aber auch dieses ist wiederum nur ein Schein, indem beide nur durch- und füreinander sind und ineinander umschlagen. Meinen Zweck befördernd, befördere ich das Allgemeine, und dieses befördert wiederum meinen Zweck.

  2. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Die Idee erteilt in ihrer Entzweiung den Momenten eigentümliches DaseinBesonderheit und Allgemeinheit erhalten je ihr eigenes Recht; das Ganze ist nur relative Totalität und innere Notwendigkeit an einer äußeren Erscheinung.

    Hier wird die Entzweiung nicht beklagt, sondern als notwendiger Schritt gerechtfertigt. Ein Moment ist bei Hegel ein Bestandteil, der für sich genommen unwahr ist und nur im Ganzen seinen Sinn hat; in der Familie waren Besonderheit und Allgemeinheit solche Momente, die nicht auseinandertraten. Jetzt gibt die Idee ihnen eigenes Dasein: die Besonderheit darf sich nach allen Seiten austoben, und die Allgemeinheit erweist sich eben daran als deren Grund und Macht. Dass das Ganze nur relative Totalität heißt, bedeutet: es ist vollständig gegliedert, aber sein Zusammenhalt liegt nicht in ihm selbst offen, sondern wirkt nur als innere Notwendigkeit hinter einer Oberfläche von lauter Einzelinteressen.

  3. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 184: Beide Seiten haben ihr Recht

    Die Idee ist hier entzweit. Darum gibt sie jedem ihrer Momente ein eigenes Dasein.

    Die Besonderheit bekommt das Recht, sich nach allen Seiten zu entwickeln und auszuleben.

    Die Allgemeinheit bekommt das Recht, sich als Grund und notwendige Form der Besonderheit zu erweisen. Sie ist zugleich die Macht über die Besonderheit und ihr letzter Zweck.

    Das ist das System der Sittlichkeit, die in ihre Extreme verloren ist. Es macht das abstrakte Moment der Realität der Idee aus. Die Idee ist hier nur als relatives, also unvollständiges Ganzes und als innere Notwendigkeit vorhanden, in dieser äußeren Erscheinung.

    Aus der Vorlesung: Das Sittliche ist hier in seine Extreme verloren. Die unmittelbare Einheit der Familie ist in eine Vielheit zerfallen. Die Realität ist hier Äußerlichkeit. Der Begriff ist aufgelöst. Die Momente sind frei geworden und stehen für sich.

    Besonderheit und Allgemeinheit sind auseinandergefallen. Dennoch sind beide wechselseitig gebunden und bedingt. Jedes scheint das Gegenteil des anderen zu tun. Jedes meint, es könne ohne das andere sein. Und doch hat jedes das andere zu seiner Bedingung.

    Ein Beispiel: Die meisten Menschen sehen das Bezahlen von Abgaben als eine Verletzung ihrer Besonderheit an. Es erscheint ihnen feindselig, weil es ihren Zweck verkürzt. So wahr das scheint: Der besondere Zweck kann ohne das Allgemeine nicht befriedigt werden. Ein Land, in dem keine Abgaben bezahlt werden, dürfte sich auch nicht durch starke Besonderheit auszeichnen.

    Ebenso könnte es scheinen, die Allgemeinheit sei besser dran, wenn sie die Kräfte der Besonderheit ganz an sich zieht. So ist es im Staat Platons ausgeführt. Auch das ist nur ein Schein. Denn beide sind nur durcheinander und füreinander, und sie schlagen ineinander um.

    Wenn ich meinen Zweck befördere, befördere ich das Allgemeine. Und dieses befördert wieder meinen Zweck.

    Zusammenfassung: Das Besondere und das Allgemeine scheinen sich zu widerstreiten. In Wahrheit braucht jedes das andere.

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