12

Das System dieses Inhalts, wie es sich im Willen unmittelbar vorfindet, ist nur als eine Menge und Mannigfaltigkeit von Trieben, deren jeder der meinige überhaupt neben andern, und zugleich ein Allgemeines und Unbestimmtes ist, das vielerlei Gegenstände und Weisen der Befriedigung hat. [Dadurch], dass der Wille sich in dieser gedoppelten Unbestimmtheit die Form der Einzelnheit gibt (§ 7), ist er beschließend und nur als beschließender Wille überhaupt ist er wirklicher Wille.

Statt etwas beschließen, d. h. die Unbestimmtheit, in welcher der eine sowohl als der andere Inhalt zunächst nur ein möglicher ist, aufheben, hat unsere Sprache auch den Ausdruck: vgl. “Die absolute Freiheit der Idee aber ist, dass sie nicht bloß ins Leben übergeht, noch als endliches Erkennen dasselbe in sich scheinen lässt, sondern in der absoluten Wahrheit ihrer selbst sich entschließt, das Moment ihrer Besonderheit oder des ersten Bestimmens und Andersseins, die unmittelbare Idee als ihren Widerschein, sich als Natur frei aus sich zu entlassen.“ (§ 244 Enz. 1830), indem die Unbestimmtheit des Willens selbst, als das Neutrale aber unendlich befruchtete, der Urkeim alles Daseins, in sich die Bestimmungen und Zwecke enthält und sie nur aus sich hervorbringt.

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Kommentare

3 Kommentare zu „12“

  1. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    [zu § 12/13]
    Wille ist formell – sein Inhalt nicht die Freiheit – s. § 13. Mannigfaltigkeit des Besonderen.
    Hier wiederholt – von oben – schon gehabt – Beschließen – weil hier erst näherer bestimmter Inhalt – Trieb, Neigung ist Zweck durch meinen Willen; das Entschließen, Beschließen gehört dazu.
    Einzelheit – unmittelbare Subjektivität ausschließend.
    § 13. unmittelbarer Wille – Rückkehr in sich, Subjektivität ist unmittelbare Einzelheit dieses Individuums, – abstr[akte] Negativität – ausschließend – nicht ideell, in mir selbst –

  2. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 12: Sich entschließen

    Die Triebe sind nun da. Aber sie sind ein Durcheinander, einer neben dem anderen.

    Und jeder einzelne Trieb ist dazu noch unbestimmt. Nehmen wir den Hunger. Ich kann ihn mit Brot stillen, mit einem Apfel oder mit Suppe. Der Trieb sagt nicht, womit.

    Der Wille steht also vor einer doppelten Unbestimmtheit:

    Welchem Trieb folge ich?

    Und wie befriedige ich ihn?

    Was tut der Wille? Er beschließt. Er macht aus vielen Möglichkeiten eine Wirklichkeit. Erst dadurch ist er wirklicher Wille.

    Unsere Sprache hat dafür noch ein zweites Wort: sich entschließen. Hören Sie genau hin. Beim Beschließen klingt es, als schlösse man etwas ab. Beim Ent-schließen schließt man etwas auf. Der Wille öffnet sich. Er lässt etwas hinaus, das in ihm lag.

    Denn die Unbestimmtheit des Willens ist nicht leer. Sie ist wie ein Keim, fruchtbar ohne Ende. Alles Bestimmte ist in ihr enthalten. Der Wille holt seine Zwecke nicht von außen. Er bringt sie aus sich hervor.

    Zusammenfassung: Der Wille wird erst wirklich, wenn er beschließt. Im Entschließen öffnet er sich und bringt hervor, was in ihm angelegt war.

  3. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Anwendung der Einzelnheit (§ 7) auf den vorgefundenen Inhalt — Beschließen als Aufheben der gedoppelten Unbestimmtheit; nur der beschließende Wille ist wirklicher Wille.

    Der vorgefundene Inhalt ist in zweifacher Hinsicht unbestimmt: es sind viele Triebe nebeneinander, und jeder einzelne lässt offen, woran und wie er befriedigt wird. Solange das so bleibt, ist der Wille bloß möglich, nicht wirklich. Beschließen heißt, dieser Unbestimmtheit ein Ende zu setzen, indem der Wille sich die Form der Einzelnheit gibt — er macht aus dem Vielen und Vagen ein Dieses, das er will. Hegel nutzt dafür das deutsche Wort „sich entschließen“: es wird nicht nur eine Möglichkeit abgeschnitten, es wird zugleich etwas aufgeschlossen, weil die Bestimmungen aus dem Willen selbst hervorgehen.

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