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Der nur erst an sich freie Wille ist der unmittelbare oder natürliche Wille. Die Bestimmungen des Unterschieds, welchen der sich selbst bestimmende Begriff im Willen setzt, erscheinen im unmittelbaren Willen als ein unmittelbar vorhandener Inhalt, – es sind die Triebe, Begierden, Neigungen, durch die sich der Wille von Natur bestimmt findet. Dieser Inhalt nebst dessen entwickelten Bestimmungen kommt zwar von der Vernünftigkeit des Willens her und ist so an sich vernünftig, aber in solche Form der Unmittelbarkeit ausgelassen, ist er noch nicht in Form der Vernünftigkeit. Dieser Inhalt ist zwar für mich der meinige überhaupt; diese Form und jener Inhalt sind aber noch verschieden, – der Wille ist so in sich endlicher Wille.

Die empirische Psychologie erzählt und beschreibt diese Triebe und Neigungen und die sich darauf gründenden Bedürfnisse, wie sie dieselben in der Erfahrung vorfindet oder vorzufinden vermeint und sucht auf die gewöhnliche Weise diesen gegebenen Stoff zu |23| klassifizieren . Was das Objektive dieser Triebe und wie dasselbe in seiner Wahrheit ohne die Form der Unvernünftigkeit, in der es Trieb ist, und wie es zugleich in seiner Existenz gestaltet ist, davon unten.

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Kommentare

7 Kommentare zu „11“

  1. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1817)
    Hegel (Enzyklopädie 1817)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1817), §§ 389–392:

    § 389. Diese Existenz der Selbstbestimmung des Geistes ist zunächst die unmittelbare, daß der Geist sich findet, als innerlich in sich selbst oder durch die Natur sich bestimmende Einzelnheit. Er ist somit 1) praktisches Gefühl.

    § 390. Der freye Wille ist die Einzelnheit oder reine Negativität des sich selbst bestimmenden Fürsichseyns, als die mit der Vernunft einfach identische und dadurch selbst allgemeine Subjectivität, der Wille als Intelligenz. Die unmittelbare Einzelnheit des Willens im praktischen Gefühle hat daher wohl jenen Inhalt, aber als unmittelbar einzelnen, somit zufälligen und subjectiven. Wenn an das Gefühl von Recht und Moralität, das der Mensch in sich habe, an seine wohlwollenden Neigungen u.s.f. an sein Herz überhaupt, d. i. das Subject, insofern in ihm alle die verschiedenen praktischen Gefühle vereinigt sind, appellirt wird, so hat dieß 1) den richtigen Sinn, daß diese Bestimmungen seine eignen immanenten sind, 2) und dann, insofern das Gefühl dem Verstande entgegengesetzt wird, daß es gegen dessen einseitige Abstraction die Totalität seyn kann. Aber eben so kann das Gefühl einseitig, unwesentlich, schlecht seyn; durch die Form der Unmittelbarkeit ist es wesentlich das Zufällige, und Subjective. Das Vernünftige in der Gestalt der Vernünftigkeit, das als Gedachtes dagegen ist, ist derselbe Inhalt, den das praktische Gefühl hat, aber in seiner Allgemeinheit und Nothwendigkeit, in seiner Objectivität und Wahrheit. Deswegen ist es einerseits thöricht, zu meinen, als ob im Uebergange vom Gefühle z. B. zum Recht und der Pflicht an Inhalt und Vortrefflichkeit verlohren werde; – dieser Uebergang bringt erst das Gefühl zu seiner Wahrheit; – ingleichen die Intelligenz dem Gefühle, Herzen und Willen für überflüssig ja schädlich zu halten; die Wahrheit und was dasselbe ist, die Vernünftigkeit des Herzens und Willens kann allein in der Allgemeinheit der Intelligenz, nicht in der Einzelnheit des Gefühles Statt finden. – Andererseits ist es aber verdächtig, und sehr wohl mehr als dieß, am Gefühle und Herzen gegen die gedachte Vernünftigkeit festzuhalten, weil das, was Mehr in jenen als in dieser ist, nur die besondere Subjectivität, das Eitle und die Willkühr ist. – Aus demselben Grunde ist es ungeschickt, sich bey der Betrachtung der Gefühle auf mehr, als auf ihre Form einzulassen, und ihren Inhalt zu betrachten, da dieser als gedacht, vielmehr die Selbstbestimmungen des Geistes in ihrer Allgemeinheit und Nothwendigkeit, Rechte und Pflichten sind.

    § 391. Das praktische Gefühl, als Selbstbestimmung des denkenden Subjects überhaupt, enthält das Sollen, die concrete freye Allgemeinheit als an sich seyend aber als bezogen auf eine seyende Einzelnheit, die als an sich nichtig, und nur in der Identität mit der Allgemeinheit als für sich seyendes Wahres bestimmt ist. Das praktische Gefühl in seiner unmittelbaren Einzelnheit mit seinem Sollen auf die Bestimmtheit, welche nur ist, bezogen, giebt, da sie in dieser Unmittelbarkeit noch keine nothwendige Identität haben, das Gefühl des Angenehmen oder Unangenehmen. 1) Vergnügen, Freude, Schmerz u.s.f. Schaam, Reue, Zufriedenheit u.s.w. sind theils nur Modificationen des formellen praktischen Gefühls überhaupt, theils aber durch ihren Inhalt, der die Bestimmtheit des Sollens ausmacht, verschieden. 2) Die berühmte Frage nach dem Ursprünge des Uebels in der Welt, erhält in ihrer Allgemeinheit, näher aber insofern unter dem Uebel zunächst nur das Unangenehme und der Schmerz verstanden wird, hier ihre Beantwortung. Das Uebel ist nichts anders als die Unangemessenheit des Seyns zu dem Sollen. Dieses Sollen aber hat viele Bedeutungen, und da die zufälligen Zwecke gleichfalls die Form des Sollens haben, unendlich viele. In Ansehung ihrer ist das Uebel nur das Recht, das an der Eitelkeit und Nichtigkeit ihrer Einbildung ausgeübt wird. Sie selbst sind schon das Uebel; und daß es solche und alle andere der Idee unangemessene Einzelnheiten giebt, liegt in der nothwendigen Gleichgültigkeit des Begriffs gegen das unmittelbare Seyn überhaupt, welches ihm, insofern er eine freye Wirklichkeit ist, gegenüber, und durch ihn gleichfalls zur freyen Wirklichkeit entlassen ist, aber eben so auf ihn bezogen und als das an sich Nichtige bestimmt ist; – ein Widerspruch, der das Uebel heißt. Im Todten ist kein Uebel noch Schmerz, weil der Begriff nicht in ihm existirt, oder weil er in der unorganischen Natur seinem Daseyn nicht gegenüber tritt. Im Leben schon und noch mehr im Geiste ist diese Unterscheidung vorhanden; und diese Negativität, Thätigkeit, Ich, die Freyheit, sind die Principien des Uebels und des Schmerzens. – Jacob Böhm hat die Ichheit als die Pein und Qual und als die Quelle der Natur und des Geistes gefaßt.

    § 392. Das praktische Sollen ist 2) reelles Urtheil. Die Unmittelbarkeit des Gefühls ist für die Selbstbestimmung des Willens, eine Negation; sie macht daher die Subjectivität desselben aus, welche aufgehoben werden soll, damit der Wille für sich identisch sey. Da diese Thätigkeit von der Form noch nicht befreyt, und daher formell ist, ist der Wille noch natürlicher Wille, Trieb und Neigung, und mit der nähern Bestimmtheit, daß die Totalität des praktischen Geistes sich in eine einzelne der beschränkten Bestimmungen legt, Leidenschaft.

  2. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    [zu § 11 ]
    Ich finde mich so und so bestimmt; – habe diese Triebe – auch physische Bedürfnisse, Essen und Trinken – Muß, Notwendigkeit wie das Tier –
    Ob sinnliche Triebe, nur auf Empfinden – oder geistiger Natur – Mitleid, – Ehre, Ruhm –
    Inhalt der Triebe und Neigungen kommt nachher als Pflichten und Rechte vor – Pflichten für das Subjekt, Rechte an und für sich – Ihr Inhalt macht sich geltend.
    Triebe freilich die wesentlich auf Form des individuellen Bewußtseins.
    Ich verschieden von der Bestimmtheit dieser Triebe – sie natürlich – bestimmt, erscheinen jeder als selbständig – auch.

  3. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1827)
    Hegel (Enzyklopädie 1827)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1827), §§ 471–474:

    § 471. Die Selbstbestimmung des Geistes als zuerst auf unmittelbare Weise, ist damit nur formell, so daß der Geist sich findet, als nach seiner innerlichen Natur sich bestimmende Einzelnheit. Er ist so praktisches Gefühl.

    § 472. Der Wille ist diese Natur des Geistes als an sich mit der Vernunft einfach identische und dadurch selbst allgemeine Subjectivität; er hat daher in der unmittelbaren Einzelnheit des praktischen Gefühls wohl den Inhalt der Vernunft aber als unmittelbar einzelnen, hiemit als natürlichen, und zugleich zufälligen und subjectiven, und eben sowohl Einen aus der Particularität des Bedürfnisses, des Meynens u.s.f., und aus der gegen das Allgemeine sich für sich setzenden Subjectivität sich bestimmenden Inhalt. Wenn an das Gefühl von Recht und Moralität, wie von Religion, das der Mensch in sich habe, an seine wohlwollenden Neigungen u.s.f. an sein Herz überhaupt, d. i. das Subject, in sofern in ihm alle die verschiedenen praktischen Gefühle vereinigt sind, appellirt wird, so hat dies 1) den richtigen Sinn, daß diese Bestimmungen seine eigenen immanenten sind, 2) und dann, in sofern das Gefühl dem Verstande entgegengesetzt wird, daß es gegen dessen einseitige Abstraction die Totalität seyn kann. Aber ebenso kann das Gefühl einseitig, unwesentlich, schlecht seyn. Das Vernünftige in der Gestalt der Vernünftigkeit, das als Gedachtes dagegen ist, ist derselbe Inhalt, den das gute praktische Gefühl hat, aber in seiner Allgemeinheit und Nothwendigkeit, in seiner Objectivität und Wahrheit. Deswegen ist es einerseits thöricht, zu meynen, als ob im Uebergange vom Gefühle zum Recht und der Pflicht an Inhalt und Vortrefflichkeit verloren werde; dieser Uebergang bringt erst das Gefühl zu seiner Wahrheit. Eben so thöricht ist es, die Intelligenz dem Gefühle, Herzen und Willen für überflüssig, ja schädlich zu halten; die Wahrheit und was dasselbe ist, die Vernünftigkeit des Herzens und Willens kann allein in der Allgemeinheit der Intelligenz, nicht in der Einzelnheit des Gefühles als solchen Statt finden. Wenn die Gefühle wahrhafter Art sind, sind sie es durch ihre Bestimmtheit, d. i. ihren Inhalt, und dieser ist wahrhaft nur, in sofern er in sich allgemein ist, d. h. den denkenden Geist zu seiner Quelle hat. Die Schwierigkeit besteht für den Verstand darin, sich von der Trennung, die er sich einmal zwischen den Seelenvermögen, dem Gefühle, dem denkenden Geiste willkührlich gemacht hat, loszumachen und zu der Vorstellung zu kommen, daß im Menschen nur Eine Vernunft, im Gefühl, Wollen und Denken ist. Die damit zusammenhängende Schwierigkeit ist, daß die Ideen, die allein dem denkenden Geiste angehören, Gott, Recht, Sittlichkeit auch gefühlt werden können. Das Gefühl ist aber nichts anderes, als die Form der unmittelbaren eigentümlichen Einzelnheit des Subjects. Andererseits ist es verdächtig, und sehr wohl mehr als dies, am Gefühle und Herzen gegen die denkende Vernünftigkeit festzuhalten, weil das, was Mehr in jenen als in dieser ist, nur die besondere Subjectivität, das Eitle und die Willkühr, ist. – Aus demselben Grunde ist es ungeschickt, sich bei der wissenschaftlichen Betrachtung der Gefühle auf mehr, als auf ihre Form einzulassen, und ihren Inhalt zu betrachten, da dieser als gedacht, vielmehr die Selbstbestimmungen des Geistes in ihrer Allgemeinheit und Notwendigkeit, die Rechte und Pflichten, ausmacht.

    § 473. Das praktische Gefühl enthält das Sollen, seine Selbstbestimmung als an sich seyend, bezogen auf eine seyende Einzelnheit, die als an sich nichtig, und nur in der Identität mit jener als gültig, bestimmt ist. Da beide in dieser Unmittelbarkeit noch keine notwendige Identität haben, ist diese Beziehung des Bedürfnisses auf das Daseyn das Gefühl des Angenehmen oder Unangenehmen. Vergnügen, Freude, Schmerz u.s.f., Schaam, Reue, Zufriedenheit u.s.w. sind teils nur Modificationen des formellen praktischen Gefühls überhaupt, teils aber durch ihren Inhalt, der die Bestimmtheit des Sollens ausmacht, verschieden. Die berühmte Frage nach dem Ursprünge des Uebels in der Welt, tritt, wenigstens in sofern unter dem Uebel zunächst nur das Unangenehme und der Schmerz verstanden wird, auf diesem Standpunkte des formellen Praktischen ein. Das Uebel ist nichts anders als die Unangemessenheit des Seyns zu dem Sollen. Dieses Sollen hat viele Bedeutungen, und da die zufälligen Zwecke gleichfalls die Form des Sollens haben, unendlich viele. In Ansehung ihrer ist das Uebel nur das Recht, das an der Eitelkeit und Nichtigkeit ihrer Einbildung ausgeübt wird. Sie selbst sind schon das Uebel. Daß es solche und alle andere der Idee unangemessene Einzelnheiten gibt, liegt in dem Urtheil des Begriffs in sich (lebendige Seele, Geist, Vernunft u.s.f.) und in das Seyn, und in seiner Gleichgültigkeit gegen das unmittelbare Seyn überhaupt, welches durch ihn selbst zur freien Wirklichkeit entlassen, ebenso auf ihn bezogen bleibt, und als für sich seyend ihm nicht angemessen, gegen ihn und hiemit an sich das Nichtige ist; – ein Widerspruch, der das Uebel heißt. Im Todten ist kein Uebel noch Schmerz, weil der Begriff in der unorganischen Natur seinem Daseyn nicht gegenüber tritt. Im Leben schon und noch mehr im Geiste ist diese Unterscheidung vorhanden, und tritt hiemit ein Sollen ein; und diese Negativität, Thätigkeit, Ich, die Freiheit, sind die Principien des Uebels und des Schmerzens. – Jacob Böhm hat die Ichheit als die Pein und Qual und als die Quelle der Natur und des Geistes gefaßt.

    § 474. Das praktische Sollen ist reelles Urtheil. Die unmittelbare selbst nur Vorgefundene Angemessenheit der seyenden Bestimmtheit zum Bedürfniß ist für die Selbstbestimmung des Willens, eine Negation, und ihr unangemessen. Daß der Wille, d. i. die Einheit der Allgemeinheit und der Bestimmtheit, sich befriedige und für sich sey, soll die Angemessenheit seiner innern Bestimmung und das Daseyn durch ihn gesetzt seyn. Der Wille ist der Form des Inhalts nach noch natürlicher Wille, wie im Bedürfnisse überhaupt, das aber als durch ihn zu befriedigend nun Trieb und Neigung ist, und mit der nähern Bestimmtheit, daß die Totalität des praktischen Geistes sich in eine einzelne der beschränkten Bestimmungen legt, Leidenschaft.

  4. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1830)
    Hegel (Enzyklopädie 1830)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830), §§ 471–473:

    § 471. Der praktische Geist hat seine Selbstbestimmung in ihm zuerst auf unmittelbare Weise, damit formell, so daß er sich findet als in seiner innerlichen Natur bestimmte Einzelheit. Er ist so praktisches Gefühl. Darin hat er, da er an sich mit der Vernunft einfach identische Subjektivität ist, wohl den Inhalt der Vernunft, aber als unmittelbar einzelnen, hiermit auch als natürlichen, zufälligen und subjektiven Inhalt, der ebensowohl aus der Partikularität des Bedürfnisses, des Meinens usf. und aus der gegen das Allgemeine sich für sich setzenden Subjektivität sich bestimmt, als er an sich der Vernunft angemessen sein kann. Wenn an das Gefühl von Recht und Moralität wie von Religion, das der Mensch in sich habe, an seine wohlwollenden Neigungen usf., an sein Herz überhaupt, d. i. an das Subjekt, insofern in ihm alle die verschiedenen praktischen Gefühle vereinigt sind, appelliert wird, so hat dies 1. den richtigen Sinn, daß diese Bestimmungen seine eigenen immanenten sind, 2. und dann, insofern das Gefühl dem Verstande entgegengesetzt wird, daß es gegen dessen einseitige Abstraktionen die Totalität sein kann. Aber ebenso kann das Gefühl einseitig, unwesentlich, schlecht sein. Das Vernünftige, das in der Gestalt der Vernünftigkeit als Gedachtes ist, ist derselbe Inhalt, den das gute praktische Gefühl hat, aber in seiner Allgemeinheit und Notwendigkeit, in seiner Objektivität und Wahrheit. Deswegen ist es einerseits töricht zu meinen, als ob im Übergange vom Gefühl zum Recht und der Pflicht an Inhalt und Vortrefflichkeit verloren werde; dieser Übergang bringt erst das Gefühl zu seiner Wahrheit. Ebenso töricht ist es, die Intelligenz dem Gefühle, Herzen und Willen für überflüssig, ja schädlich zu halten; die Wahrheit und, was dasselbe ist, die wirkliche Vernünftigkeit des Herzens und Willens kann allein in der Allgemeinheit der Intelligenz, nicht in der Einzelheit des Gefühles als solchen stattfinden. Wenn die Gefühle wahrhafter Art sind, sind sie es durch ihre Bestimmtheit, d. i. ihren Inhalt, und dieser ist wahrhaft nur, insofern er in sich allgemein ist, d. i. den denkenden Geist zu seiner Quelle hat. Die Schwierigkeit besteht für den Verstand darin, sich von der Trennung, die er sich einmal zwischen den Seelenvermögen, dem Gefühl, dem denkenden Geiste willkürlich gemacht hat, loszumachen und zu der Vorstellung zu kommen, daß im Menschen nur eine Vernunft im Gefühl, Wollen und Denken ist. Damit zusammenhängend wird eine Schwierigkeit darin gefunden, daß die Ideen, die allein dem denkenden Geiste angehören, Gott, Recht, Sittlichkeit, auch gefühlt werden können. Das Gefühl ist aber nichts anderes als die Form der unmittelbaren eigentümlichen Einzelheit des Subjekts, in die jener Inhalt, wie jeder andere objektive Inhalt, dem das Bewußtsein auch Gegenständlichkeit zuschreibt, gesetzt werden kann. Andererseits ist es verdächtig und sehr wohl mehr als dies, am Gefühle und Herzen gegen die gedachte Vernünftigkeit, Recht, Pflicht, Gesetz, festzuhalten, weil das, was mehr in jenen als in dieser ist, nur die besondere Subjektivität, das Eitle und die Willkür, ist. – Aus demselben Grunde ist es ungeschickt, sich bei der wissenschaftlichen Betrachtung der Gefühle auf mehr als auf ihre Form einzulassen und ihren Inhalt zu betrachten, da dieser als gedacht vielmehr die Selbstbestimmungen des Geistes in ihrer Allgemeinheit und Notwendigkeit, die Rechte und Pflichten, ausmacht. Für die eigentümliche Betrachtung der praktischen Gefühle wie der Neigungen blieben nur die selbstsüchtigen, schlechten und bösen; denn nur sie gehören der sich gegen das Allgemeine festhaltenden Einzelheit; ihr Inhalt ist das Gegenteil von dem der Rechte und Pflichten, eben damit erhalten sie aber nur im Gegensatze gegen diese ihre nähere Bestimmtheit.

    § 472. Das praktische Gefühl enthält das Sollen, seine Selbstbestimmung als an sich seiend, bezogen auf eine seiende Einzelheit, die nur in der Angemessenheit zu jener als gültig sei. Da beiden in dieser Unmittelbarkeit noch objektive Bestimmung fehlt, so ist diese Beziehung des Bedürfnisses auf das Dasein das ganz subjektive und oberflächliche Gefühl des Angenehmen oder Unangenehmen. Vergnügen, Freude, Schmerz usf., Scham, Reue, Zufriedenheit usw. sind teils nur Modifikationen des formellen praktischen Gefühls überhaupt, teils aber durch ihren Inhalt, der die Bestimmtheit des Sollens ausmacht, verschieden. Die berühmte Frage nach dem Ursprunge des Übels in der Welt tritt, wenigstens insofern unter dem Übel zunächst nur das Unangenehme und der Schmerz verstanden wird, auf diesem Standpunkte des formellen Praktischen ein. Das Übel ist nichts anderes als die Unangemessenheit des Seins zu dem Sollen. Dieses Sollen hat viele Bedeutungen und, da die zufälligen Zwecke gleichfalls die Form des Sollens haben, unendlich viele. In Ansehung ihrer ist das Übel nur das Recht, das an der Eitelkeit und Nichtigkeit ihrer Einbildung ausgeübt wird. Sie selbst sind schon das Übel. – Die Endlichkeit des Lebens und des Geistes fällt in ihr Urteil, in welchem sie das von ihnen abgesonderte Andere zugleich als ihr Negatives in ihnen haben, so als der Widerspruch sind, der das Übel heißt. Im Toten ist kein Übel noch Schmerz, weil der Begriff in der unorganischen Natur seinem Dasein nicht gegenübertritt und nicht in dem Unterschiede zugleich dessen Subjekt bleibt. Im Leben schon und noch mehr im Geiste ist diese immanente Unterscheidung vorhanden und tritt hiermit ein Sollen ein; und diese Negativität, Subjektivität, Ich, die Freiheit sind die Prinzipien des Übels und des Schmerzes. – Jakob Böhme hat die Ichheit als die Pein und Qual und als die Quelle der Natur und des Geistes gefaßt.

    § 473. Das praktische Sollen ist reelles Urteil. Die unmittelbare, nur vorgefundene Angemessenheit der seienden Bestimmtheit zum Bedürfnis ist für die Selbstbestimmung des Willens eine Negation und ihr unangemessen. Daß der Wille, d. i. die an sich seiende Einheit der Allgemeinheit und der Bestimmtheit, sich befriedige, d. i. für sich sei, soll die Angemessenheit seiner inneren Bestimmung und des Daseins durch ihn gesetzt sein. Der Wille ist der Form des Inhalts nach zunächst noch natürlicher Wille, unmittelbar identisch mit seiner Bestimmtheit, Trieb und Neigung; insofern die Totalität des praktischen Geistes sich in eine einzelne der mit dem Gegensatze überhaupt gesetzten vielen beschränkten Bestimmungen legt, [ist er] Leidenschaft.

  5. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Triebe, Begierden, Neigungen hat auch das Tier, aber das Tier hat keinen Willen und muß dem Triebe gehorchen, wenn nichts Äußeres es abhält. Der Mensch steht aber als das ganz Unbestimmte über den Trieben und kann sie als die seinigen bestimmen und setzen. Der Trieb ist in der Natur, aber daß ich ihn in dieses Ich setze, hängt von meinem Willen ab, der sich also darauf, daß er in der Natur liegt, nicht berufen kann.

  6. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 11: Der natürliche Wille (Triebe und Neigungen)

    Wie sieht dieser Wille aus, der nur der Anlage nach frei ist? Wir nennen ihn den natürlichen Willen.

    Sein Inhalt sind Triebe, Begierden und Neigungen. Hunger und Durst, Liebe, Ehrgeiz, die Lust auf Ruhe. Wir finden sie einfach in uns vor. Wir haben sie uns nicht ausgesucht.

    Sind diese Triebe unvernünftig? Nein. Sie kommen aus der Vernunft des Willens. Darum ist ihr Inhalt an sich vernünftig. Aber sie treten auf wie Naturereignisse: plötzlich, ungeordnet, einfach da. Ihre Form ist noch nicht die Form der Vernunft.

    Ein Trieb ist zwar meiner. Aber er ist mir zugestoßen. Inhalt und Form passen noch nicht zusammen. Darum ist dieser Wille endlich.

    Was unterscheidet uns hier vom Tier? Auch das Tier hat Triebe. Aber es hat keinen Willen. Es muss seinem Trieb folgen, wenn nichts von außen es hindert. Der Mensch dagegen steht über seinen Trieben. Er kann sagen: Diesen Trieb mache ich zu meinem. Oder eben nicht.

    Daraus folgt etwas Wichtiges. Der Trieb liegt in der Natur. Aber dass ich ihm folge, entscheidet mein Wille. Darum kann ich mich nicht darauf berufen, dass er natürlich ist. „Ich hatte eben Lust dazu“ ist keine Entschuldigung.

    Die Psychologie beschreibt die Triebe und ordnet sie in Fächer. Dabei bleibt sie beim Aufzählen. Was die Triebe in Wahrheit sind, zeigt sich erst später. Dort bekommen sie ihre vernünftige Gestalt.

    Zusammenfassung: Der natürliche Wille findet Triebe in sich vor. Sie sind der Sache nach vernünftig, aber noch nicht in vernünftiger Form. Und weil der Mensch über ihnen steht, muss er für sie einstehen.

  7. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Der nur an sich freie Wille als unmittelbarer oder natürlicher Wille — sein Inhalt (Triebe, Begierden, Neigungen) ist vorgefunden; Form und Inhalt fallen auseinander: der in sich endliche Wille.

    Der erste Schritt nach der Unterscheidung von § 10 setzt den Willen in seiner ärmsten Gestalt an: er hat einen Inhalt, aber er findet ihn vor, statt ihn aus sich hervorzubringen. Hegel bestreitet dabei nicht, dass dieser Inhalt vernünftig ist — die Triebe stammen der Sache nach aus der Vernünftigkeit des Willens —, sondern nur, dass er in der Form der Vernünftigkeit auftritt. Genau dieses Auseinanderfallen von Form und Inhalt heißt hier Endlichkeit. Es ist kein Mangel, den man beheben könnte, indem man bessere Triebe wählt, sondern der Bruch, der die folgenden Paragraphen weitertreibt.

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