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Dieser Inhalt oder die unterschiedene Willensbestimmung ist zunächst unmittelbar. So ist der Wille nur an sich frei, oder für uns, oder es ist überhaupt der Wille in seinem Begriffe. Erst indem der Wille sich selbst zum Gegenstande1  hat, ist er für sich was er an sich ist.

Die Endlichkeit besteht nach dieser Bestimmung darin, dass, was etwas ansich oder seinem Begriffe nach ist, eine von dem verschiedene Existenz oder Erscheinung ist, was es fürsich ist; so ist z. B. das abstrakte Außereinander der Natur ansich der Raum, fürsich aber die Zeit. Es ist hierüber das Gedoppelte zu bemerken, erstens, dass, weil das Wahre nur die Idee ist, wenn man einen Gegenstand oder Bestimmung, nur wie er ansich oder im Begriffe ist, erfasst, man ihn noch nicht in seiner Wahrheit hat; alsdann, dass etwas, wie es als Begriff oder ansich ist, gleichfalls existiert und diese Existenz eine eigene Gestalt des Gegenstandes ist, (wie vorhin der Raum) die Trennung des Ansich- und Fürsichseins, die im Endlichen vorhanden ist, macht zugleich sein bloßes Dasein oder Erscheinung aus – (wie |22| unmittelbar ein Beispiel am natürlichen Willen und dann [am] formellen Rechte usf. vorkommen wird). Der Verstand bleibt bei dem bloßen Ansichsein stehen und nennt so die Freiheit nach diesem Ansichsein ein Vermögen, wie sie denn so in der Tat nur die Möglichkeit ist. Aber er sieht diese Bestimmung als absolute und perennierende an und nimmt ihre Beziehung auf das, was sie will, überhaupt auf ihre Realität, nur für eine Anwendung auf einen gegebenen Stoff an, die nicht zum Wesen der Freiheit selbst gehöre; er hat es auf diese Weise nur mit dem Abstraktum, nicht mit ihrer Idee und Wahrheit zu tun.

  1. Hegels Handexemplar. d. i. zum Inhalt und Zwecke hat ↩︎

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Kommentare

7 Kommentare zu „10“

  1. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1817)
    Hegel (Enzyklopädie 1817)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1817), § 388:

    § 388. Der Geist als Intelligenz ist zunächst aber abstract für sich; als freyer Willen ist er erfüllt, weil er als Begriff, als sich bestimmend, ist. Dieß erfüllte Fürsichseyn oder Einzelnheit macht die Seite der Existenz oder Realität, der Idee des Geistes aus, dessen Begriff die Vernunft ist.

  2. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    [zu § 10]
    Unmittelbarer Wille – Wille an sich – in seinem Begriff nur ist unmittelbar. Dies eine höchst wichtige spekulative Bemerkung – das Wahre nur durch die Bewegung – seines Andersseins – und in sich Zurückgekehrtseins – und dieser unmittelbare Wille ist selbst das Anderssein des Willens.
    Ist Subjektivität des Begriffs – (diese Reflexion macht ihn zum Unmittelbaren) ist Erster Wille, darum unmittelbar – noch nicht weitergegangen. Aber es ist eben selbst im Begriffe, daß der Wille sei – das Reflektierende, über sich Hinausgehende und dies sein Anderssein Aufhebende. – zum Gegenstande, d. i. zum Inhalt und Zweck hat –
    Wie früher: das Unbeschränkte ist das Abstrakte, eben es selbst ist beschränkt, die Eins der Beschr[änkung] – denn zum Bes[chränken] gehören zwei, –
    Unmittelbar
    α) dem bloß Vermittelten überhaupt gegenüber, d. i. dem Relativen – Bezüglichen – Kontrakt – Eigentum –
    β) dem Ideellen – das Vermittelnde als Aufgehobenes gesetzt –
    § 10. Was ist wahrhafter Wille; freier Wille, der sich zum Gegenstande hat – seine Freiheit – nur sie will – sie als sein Dasein – z. B. eben im Recht –

  3. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1827)
    Hegel (Enzyklopädie 1827)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1827), § 469:

    § 469. Der Geist als Wille weiß sich als sich selbst bestimmend, somit sich aus sich erfüllend. Dies erfüllte Fürsichseyn oder Einzelnheit macht die Seite der Existenz oder Realität von der Idee des Geistes aus, dessen Begriff die Vernunft ist. – Die Endlichkeit des Willens besteht in dessen Formalismus, nach welchem er als sich selbst bestimmend, bei sich, hiemit frei, aber dies durch sich Erfülltseyn zunächst nur die abstracte Bestimmtheit, die seinige überhaupt ist und noch mit der entwickelten Vernunft sich nicht identificirt hat. Die Bestimmung des an sich seyenden Willens ist, die Freiheit in dem formellen zur Existenz zu bringen, und damit die des letztern, sich mit diesem seinem Begriffe zu erfüllen, d. i. die Freiheit zu seiner Bestimmtheit, zu seinem Inhalte und Zwecke wie zu seinem Daseyn zu machen. Dieser Begriff, die Freiheit, ist wesentlich nur als Denken; der Weg des Willens, sich zum objectiven Geiste zu machen, ist sich zum denkenden Willen zu erheben, – sich den Inhalt zu geben, den er nur als sich denkendes haben kann. Die wahre Freiheit, die Sittlichkeit, ist dies, daß der Wille nicht subjective, d. i. eigensüchtige, sondern allgemeinen Inhalt zu seinen Zwecken hat; solcher Inhalt ist aber nur im Denken und durchs Denken; es ist nichts geringeres, als absurd, aus der Sittlichkeit, Religiosität, Rechtlichkeit u.s.f. das Denken ausschließen zu wollen.

  4. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1830)
    Hegel (Enzyklopädie 1830)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830), § 469:

    § 469. Der Geist als Wille weiß sich als sich in sich beschließend und sich aus sich erfüllend. Dies erfüllte Fürsichsein oder Einzelheit macht die Seite der Existenz oder Realität von der Idee des Geistes aus; als Wille tritt der Geist in Wirklichkeit, als Wissen ist er in dem Boden der Allgemeinheit des Begriffs. – Als sich selbst den Inhalt gebend, ist der Wille bei sich, frei überhaupt; dies ist sein bestimmter Begriff. – Seine Endlichkeit besteht in dessen Formalismus, daß sein durch sich Erfülltsein die abstrakte Bestimmtheit, die seinige überhaupt, mit der entwickelten Vernunft nicht identifiziert ist. Die Bestimmung des an sich seienden Willens ist, die Freiheit in dem formellen Willen zur Existenz zu bringen, und damit der Zweck des letzteren, sich mit seinem Begriffe zu erfüllen, d. i. die Freiheit zu seiner Bestimmtheit, zu seinem Inhalte und Zwecke wie zu seinem Dasein zu machen. Dieser Begriff, die Freiheit, ist wesentlich nur als Denken; der Weg des Willens, sich zum objektiven Geiste zu machen, ist, sich zum denkenden Willen zu erheben, – sich den Inhalt zu geben, den er nur als sich denkender haben kann. Die wahre Freiheit ist als Sittlichkeit dies, daß der Wille nicht subjektive[n], d. i. eigensüchtige[n], sondern allgemeinen Inhalt zu seinen Zwecken hat; solcher Inhalt ist aber nur im Denken und durchs Denken; es ist nichts geringeres als absurd, aus der Sittlichkeit, Religiosität, Rechtlichkeit usf. das Denken ausschließen zu wollen.

  5. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Der Wille, der bloß dem Begriffe nach Wille ist, ist an sich frei, aber auch zugleich unfrei, denn wahrhaft frei wäre er erst als wahrhaft bestimmter Inhalt; dann ist er für sich frei, hat die Freiheit zum Gegenstande, ist die Freiheit. Was nur erst nach seinem Begriffe ist, was an sich bloß ist, ist nur unmittelbar, nur natürlich. Dies ist uns auch in der Vorstellung bekannt. Das Kind ist an sich Mensch, hat erst an sich Vernunft, ist erst Möglichkeit der Vernunft und der Freiheit und ist nur so dem Begriff nach frei. Was nun so erst an sich ist, ist nicht in seiner Wirklichkeit. Der Mensch, der an sich vernünftig ist, muß sich durch die Produktion seiner selbst durcharbeiten durch das Hinausgehen aus sich, aber ebenso durch das Hineinbilden in sich, daß er es auch für sich werde.

  6. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 10: Frei in der Anlage, noch nicht frei in Wirklichkeit

    Am Anfang ist der Inhalt des Willens einfach da. Der Wille hat ihn nicht selbst hervorgebracht. Er findet ihn vor.

    Was folgt daraus? Der Wille ist zwar frei. Aber er ist es erst an sich. Das heißt: der Anlage nach. Wir, die wir ihn betrachten, sehen seine Freiheit. Er selbst hat sie noch nicht vor Augen. Er ist frei und zugleich unfrei.

    Ein Vergleich: Ein Kind ist schon ein Mensch. Es hat Vernunft, aber erst als Anlage, als Möglichkeit. Zu einem vernünftigen, freien Menschen muss es sich erst herausarbeiten. Es muss aus sich hinausgehen, lernen, sich bilden. So wird es für sich, was es an sich schon ist.

    Genauso der Wille. Für sich frei ist er erst, wenn er sich selbst zum Gegenstand hat. Wenn er also die Freiheit selbst will.

    Hier sehen wir auch, was „endlich“ heißt. Etwas ist der Anlage nach das eine, zeigt sich aber noch als etwas anderes. Anlage und Erscheinung fallen auseinander.

    Zwei Dinge sollten wir uns merken. Wer eine Sache nur in ihrer Anlage kennt, kennt sie noch nicht in ihrer Wahrheit. Und auch die bloße Anlage ist schon da, in einer eigenen Gestalt. Das Kind ist ja wirklich da, als Kind.

    Die Gefahr: Der Verstand bleibt gern bei der Anlage stehen. Dann nennt er die Freiheit ein Vermögen. Er meint: Frei bin ich, weil ich könnte, wenn ich wollte. So bleibt Freiheit eine bloße Möglichkeit. Was ich dann wirklich will, gilt ihm nur als Anwendung auf irgendeinen Stoff. Es gehöre nicht zur Freiheit selbst. So hält er eine leere Hülle der Freiheit in der Hand, nicht ihre Wahrheit.

    Zusammenfassung: Der Wille ist zuerst frei in der Anlage, aber noch nicht in Wirklichkeit. Wirklich frei wird er erst, wenn er die Freiheit selbst will.

  7. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Einführung des Gegensatzes an sich / für sich — als unmittelbarer Inhalt macht die Willensbestimmung den Willen nur an sich frei; erst indem er sich selbst zum Gegenstande hat, ist er für sich, was er an sich ist.

    Hier wird der Motor des ganzen Buches sichtbar gemacht. „An sich“ heißt: dem Begriff nach schon vorhanden, aber noch nicht gewusst und gewollt; „für sich“ heißt: sich selbst zum Inhalt und Zweck geworden. Dass beides auseinanderfällt, ist genau das, was Hegel Endlichkeit nennt, und der Weg von hier bis zum Staat ist der Weg, auf dem diese Trennung sich schließt. Die Anmerkung warnt vor dem Kurzschluss des Verstandes, der beim bloßen Ansichsein stehenbleibt und die Freiheit deshalb ein Vermögen nennt — dann ist sie nur Möglichkeit, und ihre Verwirklichung erscheint als bloße Anwendung auf einen fremden Stoff, die sie im Grunde nichts anginge.

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