13

Durch das Beschließen setzt der Wille sich als Willen eines bestimmten Individuums und als sich hinaus gegen Anderes unterscheidenden. Außer dieser Endlichkeit als Bewußtsein (§ 8) ist der unmittelbare Wille aber um des Unterschieds seiner Form und seines Inhalts (§ 11) willen formell, es kommt ihm nur das abstrakte Beschließen als solches zu, und der Inhalt ist noch nicht der Inhalt und das Werk seiner Freiheit.

Der Intelligenz als denkend bleibt der Gegenstand und Inhalt Allgemeines, sie selbst verhält sich als allgemeine Tätigkeit. Im Willen hat das Allgemeine zugleich wesentlich die Bedeutung des Meinigen, als Einzelheit, und im unmittelbaren, d. i. formellen Willen als der abstrakten, noch nicht mit seiner freien Allgemeinheit erfüllten Einzelheit. Im Willen beginnt daher die eigene Endlichkeit der Intelligenz, und nur dadurch, daß der Wille sich zum Denken wieder erhebt und seinen Zwecken die immanente Allgemeinheit gibt, hebt er den Unterschied der Form und des Inhalts auf und macht sich zum objektiven, unendlichen Willen. Diejenigen verstehen daher wenig von der Natur des Denkens und Wollens, welche meinen, im Willen überhaupt sei der Mensch unendlich, im Denken aber sei er oder gar die Vernunft beschränkt. Insofern Denken und Wollen noch unterschieden sind, ist vielmehr das Umgekehrte das Wahre, und die denkende Vernunft ist als Wille dies, sich zur Endlichkeit zu entschließen.

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Kommentare

2 Kommentare zu „13“

  1. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Ein Wille, der nichts beschließt, ist kein wirklicher Wille; der Charakterlose kommt nie zum Beschließen. Der Grund des Zauderns kann auch in einer Zärtlichkeit des Gemüts liegen, welches weiß, daß im Bestimmen es sich mit der Endlichkeit einläßt, sich eine Schranke setzt und die Unendlichkeit aufgibt: es will aber nicht der Totalität entsagen, die es beabsichtigt. Ein solches Gemüt ist ein totes, wenn es auch ein schönes sein will. Wer Großes will, sagt Goethe, muß sich beschränken können. Durch das Beschließen allein tritt der Mensch in die Wirklichkeit, wie sauer es ihm auch wird, denn die Trägheit will aus dem Brüten in sich nicht herausgehen, in der sie sich eine allgemeine Möglichkeit beibehält. Aber Möglichkeit ist noch nicht Wirklichkeit. Der Wille, der seiner sicher ist, verliert sich darum im Bestimmten noch nicht.

  2. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    Wer etwas Wirkliches tun will, muss sich beschränken. Aber wenn der Entschluss nur einen Naturtrieb bedient, bleibt der Wille an fremde Vorgaben gebunden.

    Erklärung: Wer Großes will, muss sich beschränken können. Man kann nicht alles auf einmal sein. Auf dieser ersten Stufe entscheidet sich der Mensch meist nur für einen Trieb, den er vorfindet (z. B. „Ich esse jetzt einen Apfel“). Das ist zwar ein eigener Entschluss, aber der Inhalt – der Hunger nach dem Apfel – kommt aus der Natur. Die Form ist mein Beschluss, aber der Stoff ist nicht das Werk meiner Freiheit.

    Auf den Punkt gebracht: Jeder Entschluss macht uns endlich; wahre Freiheit erreichen wir erst, wenn der Inhalt unseres Entschlusses selbst vernünftig ist.

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