17

Der Widerspruch, welcher die Willkür ist (§ 15), hat als Dialektik der Triebe und Neigungen die Erscheinung |27|, dass sie sich gegenseitig stören, die Befriedigung des einen die Unterordnung oder Aufopferung der Befriedigung des anderen fordert usf. und indem der Trieb nur einfache Richtung seiner Bestimmtheit ist, das Maß somit nicht in sich selbst hat, so ist dies unterordnende oder aufopfernde Bestimmen das zufällige Entscheiden der Willkür, sie verfahre nun dabei mit berechnendem Verstande, bei welchem Triebe mehr Befriedigung zu gewinnen sei, oder nach welcher anderen beliebigen Rücksicht.

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Kommentare

7 Kommentare zu „17“

  1. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1817)
    Hegel (Enzyklopädie 1817)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1817), § 398:

    § 398. Der Wille ist auf diese Weise für sich frey, indem er als die Negativität seines unmittelbaren Bestimmtseyns in sich reflectirt ist; jedoch insofern der Inhalt, in welchem er sich zu dieser Einzelnheit und Wirklichkeit beschließt, noch eine Besonderheit ist, ist er nur als subjectiver und zufälliger Wille wirklich. Als der Widerspruch, sich in einer Besonderheit zu verwirklichen, welche zugleich für ihn eine Nichtigkeit ist, und eine Befriedigung in ihr zu haben, aus der er zugleich heraus ist, ist er zunächst der Proceß der Zerstreuung und des Aufhebens einer Neigung durch die Andere, der Befriedigung, die dieß eben so sehr nicht ist, durch eine andere ins Unendliche.

  2. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    [zu § 17]
    Trieb ist zufällig, es muß auch sein Negiertsein gesetzt werden.
    Einem Triebe sich zu überlassen – ist zerstörend – dies ist seine Dialektik – ihn als rein Positives zu betrachten – nichts Negatives, zu Beschränkendes, ist seine Einseitigkeit. Beschränken – es nicht bei seinem Sein belassen –

  3. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1827)
    Hegel (Enzyklopädie 1827)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1827), § 480:

    § 480. Der Wille ist auf diese Weise für sich frei, indem er als die Negativität seines unmittelbaren Bestimmens in sich reflectirt ist; jedoch in sofern der Inhalt, in welchem sich diese seine formelle Allgemeinheit zur Wirklichkeit beschließt, noch keine andere als eine unmittelbare Besonderheit ist, ist er nur als subjectiver und zufälliger Wille wirklich. Als der Widerspruch, sich in einer Besonderheit zu verwirklichen, welche zugleich für ihn eine Nichtigkeit ist, und eine Befriedigung in ihr zu haben, aus der er zugleich heraus ist, ist er zunächst der Proceß der Zerstreuung und des Aufhebens einer Neigung oder Genusses durch eine Andere und der Befriedigung, die dies eben so sehr nicht ist, durch eine andere ins Unendliche.

  4. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1830)
    Hegel (Enzyklopädie 1830)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830), § 478:

    § 478. Der Wille ist als Willkür für sich frei, indem er als die Negativität seines nur unmittelbaren Selbstbestimmens in sich reflektiert ist. Jedoch insofern der Inhalt, in welchem sich diese seine formelle Allgemeinheit zur Wirklichkeit beschließt, noch kein anderer als der der Triebe und Neigungen ist, ist er nur als subjektiver und zufälliger Wille wirklich. Als der Widerspruch, sich in einer Besonderheit zu verwirklichen, welche zugleich für ihn eine Nichtigkeit ist, und eine Befriedigung in ihr zu haben, aus der er zugleich heraus ist, ist er zunächst der Prozeß der Zerstreuung und des Aufhebens einer Neigung oder Genusses durch eine andere und der Befriedigung, die dies ebensosehr nicht ist, durch eine andere ins Unendliche. Aber die Wahrheit der besonderen Befriedigungen ist die allgemeine, die der denkende Wille als Glückseligkeit sich zum Zwecke macht.

  5. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Die Triebe und Neigungen sind zunächst Inhalt des Willens, und nur die Reflexion steht über denselben, aber diese Triebe werden selbst treibend, drängen einander, stören sich und wollen alle befriedigt werden. Wenn ich nun mit Hintansetzung aller anderen mich bloß in einen derselben hineinlege, so befinde ich mich in einer zerstörenden Beschränktheit, denn ich habe meine Allgemeinheit eben dadurch aufgegeben, welche ein System aller Triebe ist. Ebensowenig ist aber mit einem bloßen Unterordnen der Triebe geholfen, worauf der Verstand gewöhnlich kommt, weil hier kein Maß dieser Anordnung zu geben ist und die Forderung daher gewöhnlich in die Langweiligkeit allgemeiner Redensarten ausläuft.

  6. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 17: Wenn die Triebe sich streiten

    Die Willkür zeigt sich noch an einer anderen Stelle: im Streit der Triebe.

    Die Triebe vertragen sich nicht. Sie drängen alle zugleich. Am Abend will ich schlafen, aber auch noch lesen, und Freunde haben angerufen. Folge ich dem einen, muss ich den anderen zurückstellen oder opfern.

    Welchen soll ich vorziehen? Der Trieb selbst sagt es mir nicht. Ein Trieb kennt nur eine Richtung: hin zu seinem Ziel. Ein Maß hat er nicht in sich.

    Also entscheidet wieder die Willkür. Vielleicht rechnet der Verstand: Welcher Trieb bringt mir am meisten Befriedigung? Vielleicht entscheidet irgendeine andere Rücksicht. Zufällig bleibt es in jedem Fall.

    Zwei Auswege liegen nahe, und beide taugen nichts.

    Ich könnte mich ganz einem Trieb hingeben und alle anderen vergessen. Dann werde ich eng, und diese Enge zerstört mich. Denn ich bin nicht bloß ein Trieb. Ich bin das Ganze aller meiner Triebe.

    Oder ich ordne die Triebe irgendwie unter. „Alles in Maßen“, rät der Verstand. Aber welches Maß? Das kann er nicht sagen. So endet der gute Rat in langweiligen allgemeinen Sprüchen.

    Zusammenfassung: Die Triebe streiten miteinander, und keiner trägt sein Maß in sich. Die Willkür entscheidet nur zufällig. Wir brauchen also einen anderen Maßstab. Nach ihm suchen die nächsten Schritte.

  7. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Der Widerspruch der Willkür (§ 15) hat als Dialektik der Triebe die Erscheinung, dass sie einander stören; da der Trieb sein Maß nicht in sich hat, ist das Entscheiden zufällig.

    Was § 15 als logische Bestimmung ausgesprochen hatte, wird hier in seiner sichtbaren Gestalt gezeigt: der Widerspruch tritt als Konflikt der Triebe auf. „Dialektik“ heißt dabei nicht Streitkunst, sondern dass eine Bestimmung an ihrer eigenen Einseitigkeit zerbricht — jeder Trieb geht geradeaus auf sein Ziel und enthält nichts, woran sich bemessen ließe, wieviel ihm zusteht. Weil das Maß im Trieb selbst fehlt, muss es von außen kommen, und das heißt hier: von der Willkür, die nach beliebigen Rücksichten entscheidet. Auch der rechnende Verstand, der abwägt, bei welchem Trieb mehr Befriedigung herauskommt, führt kein Maß ein, sondern nur eine Rechnung.

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