18

In Ansehung der Beurteilung der Triebe hat die Dialektik die Erscheinung, dass als immanent, somit positiv, die Bestimmungen des unmittelbaren Willens gut sind; der Mensch heißt so von Natur gut. Insofern sie aber Naturbestimmungen, also der Freiheit und dem Begriffe des Geistes überhaupt entgegen und das Negative sind, sind sie auszurotten; der Mensch heißt so von Natur böse. Das Entscheidende für die eine oder die andere Behauptung ist auf diesem Standpunkte gleichfalls die subjektive Willkür.

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Kommentare

4 Kommentare zu „18“

  1. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    [zu § 18]
    Beurteilung – unter allgemeine feste Bestimmungen subsumieren
    Gut –
    α) gut, was mit einem Zweck, z. B. meiner Empfindung – Urbild – übereinstimmt –
    β) das Gute – Übereinstimmung des Willens mit sich selbst – Posit[iv]
    Bös –
    Naturbestimmungen – gegen Freiheit des Willens.

  2. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Die christliche Lehre, daß der Mensch von Natur böse sei, steht höher wie die andere, die ihn für gut hält; ihrer philosophischen Auslegung zufolge ist sie also zu fassen. Als Geist ist der Mensch ein freies Wesen, das die Stellung hat, sich nicht durch Naturimpulse bestimmen zu lassen. Der Mensch, als im unmittelbaren und ungebildeten Zustande, ist daher in einer Lage, in der er nicht sein soll und von der er sich befreien muß. Die Lehre von der Erbsünde, ohne welche das Christentum nicht die Religion der Freiheit wäre, hat diese Bedeutung.

  3. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 18: Von Natur gut oder von Natur böse?

    Über die Triebe streitet man seit langer Zeit. Die einen sagen: Der Mensch ist von Natur gut. Die anderen sagen: Er ist von Natur böse. Solange wir nur auf die Triebe schauen, hat jede Seite ein Argument.

    Die erste Seite sagt: Die Triebe gehören zu mir. Niemand hat sie mir von außen eingepflanzt. Sie wollen, dass ich lebe und mich entfalte. Also sind sie gut.

    Die zweite Seite sagt: Die Triebe sind Natur. Sie drängen, ohne mich zu fragen. Der Mensch ist aber Geist, und der Geist ist frei. Was ihn bloß treibt, steht seiner Freiheit entgegen. Also sind die Triebe böse, und man muss sie ausrotten.

    Wer hat recht? Von hier aus lässt sich das nicht entscheiden. Man nimmt die eine Antwort oder die andere, je nachdem, was einem besser gefällt. Wieder entscheidet die Willkür.

    Trotzdem wiegen die beiden Antworten nicht gleich. Die christliche Lehre sagt: Der Mensch ist von Natur böse. Das klingt hart. Aber es steckt mehr Wahrheit darin als in der freundlichen Gegenlehre. Gemeint ist nämlich: So, wie der Mensch von Natur ist, soll er nicht bleiben. Wer nur seinen Trieben folgt, ist noch nicht, was er sein kann. Er muss sich erst selbst befreien.

    Das ist der Sinn der Lehre von der Erbsünde. Ohne sie wäre das Christentum nicht die Religion der Freiheit.

    Zusammenfassung: Solange wir nur die Triebe betrachten, lässt sich beides behaupten: Sie sind gut, und sie sind böse. Die Wahl zwischen beiden bleibt Willkür. Tiefer ist der Gedanke, dass der Mensch über seine bloße Natur hinaus muss, um frei zu werden.

  4. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Dieselbe Dialektik in der Beurteilung — als immanent und damit positiv sind die Naturbestimmungen gut, als dem Begriffe des Geistes entgegengesetzt und damit negativ sind sie auszurotten; das Entscheidende bleibt auch hier die Willkür.

    Der Paragraph erklärt, warum sich über die Frage, ob der Mensch von Natur gut oder böse sei, endlos streiten lässt. Beide Sätze folgen aus demselben Ausgangspunkt, nur unter verschiedener Rücksicht: nimmt man die Triebe als das, was dem Menschen selbst innewohnt, so sind sie sein Eigenes und darum gut; hält man sie gegen die Freiheit, die sich selbst bestimmt, so sind sie das bloß Vorgefundene und darum das zu Überwindende. Der Zug besteht nicht darin, eine der beiden Seiten zu wählen, sondern darin, zu zeigen, dass der Standpunkt selbst — der natürliche Wille — die Entscheidung nicht enthält und sie deshalb der Willkür überlassen muss.

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