Welche Ausgabe soll ich benutzen?

Für die Grundlinien gibt es keine kritische Ausgabe im Handel, die man einfach kaufen könnte und die alles enthielte. Man muss wählen, und die Wahl hat Folgen.

Deutsch

Suhrkamp, Werke in zwanzig Bänden (TWA), Band 7. Der übliche Lesetext, überall zitierfähig, preiswert, mit den Zusätzen von Gans. Nachteil: Die Textschichten stehen ohne Warnung untereinander, und die Ausgabe geht auf die Freundesvereinsausgabe von 1832–45 zurück, nicht auf den Erstdruck.

Meiner, Philosophische Bibliothek (nach der Ausgabe von Johannes Hoffmeister, heute in der Bearbeitung von Bernhard Ladwig bzw. Klaus Grotsch). Textkritisch sorgfältiger, mit Hegels eigenen Randnotizen.

Gesammelte Werke (Meiner, im Auftrag der Nordrhein-Westfälischen Akademie). Die maßgebliche historisch-kritische Ausgabe. Band 14 enthält die Grundlinien, die Bände 26,1 bis 26,3 die Vorlesungsnachschriften. Wer wissenschaftlich arbeitet, zitiert hiernach. Teuer und nicht auf Bequemlichkeit angelegt.

Diese Ausgabe. Sie stellt die Schichten getrennt nebeneinander — Haupttext, Anmerkung, Hegels Notizen, mehrere Nachschriften, den Zusatz von Gans — und verlinkt jeden Paragraphen mit den anderen. Sie ersetzt die gedruckte Ausgabe nicht, sondern zeigt, was die gedruckten Ausgaben ineinanderschieben.

Englisch

Für die Rechtsphilosophie ist H. B. Nisbet (Cambridge, hg. Allen W. Wood, 1991) die heutige Referenz; die ältere Übersetzung von T. M. Knox (Oxford 1942) ist immer noch brauchbar und in der Sekundärliteratur häufig zitiert.

Für die Phänomenologie ist die Lage schwieriger. A. V. Miller (1977) ist verbreitet, übersetzt aber Aufheben wechselnd als „supersede“, „annul“, „overcome“ — was den Leser um genau die Doppeldeutigkeit bringt, auf die es ankommt. Terry Pinkard (Cambridge 2018) und Michael Inwood (Oxford 2018) setzen konsistent „sublate“; Inwood hat rund 170 Seiten Kommentar und ist für Anfänger die bessere Wahl. Von Baillie (1910) ist abzuraten, weil dort Geist bald „mind“, bald „spirit“ heißt.

Ein praktischer Hinweis

Die Paragraphenzählung der Grundlinien ist in allen Ausgaben dieselbe — das ist der Grund, warum man Hegel nach Paragraphen und nicht nach Seiten zitiert. Bei der Phänomenologie gilt das nicht; dort weichen die Absatzzählungen der Übersetzungen voneinander ab. Wer in einer Lesegruppe arbeitet, sollte sich vorher auf eine Ausgabe einigen.

Ausgabenübersicht auch bei hegel.net · Auf dieser Website: Literatur und BibliographieLiteratur. Zu den Ausgaben: Gesammelte Werke, Bd. 14 (Meiner, Hamburg 2009 ff.), gegenüber der Theorie-Werkausgabe (Suhrkamp 1969–71); englisch T. M. Knox (Oxford 1942) und Allen W. Wood / H. B. Nisbet (Cambridge 1991).

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