Die sittliche Substanz, als das für sich seiende Selbstbewusstsein mit seinem Begriffe geeint enthaltend, ist der wirkliche Geist einer Familie und eines Volks.
Die sittliche Substanz, als das für sich seiende Selbstbewusstsein mit seinem Begriffe geeint enthaltend, ist der wirkliche Geist einer Familie und eines Volks.
Das Sittliche ist nicht abstrakt wie das Gute, sondern in intensivem Sinne wirklich. Der Geist hat Wirklichkeit, und die Akzidenzen derselben sind die Individuen. Beim Sittlichen sind daher immer nur die zwei Gesichtspunkte möglich, daß man entweder von der Substantialität ausgeht oder atomistisch verfährt und von der Einzelnheit als Grundlage hinaufsteigt: dieser letztere Gesichtspunkt ist geistlos, weil er nur zu einer Zusammensetzung führt, der Geist aber nichts Einzelnes ist, sondern Einheit des Einzelnen und Allgemeinen.
Die sittliche Substanz, die das für sich seiende Selbstbewusstsein mit seinem Begriffe geeint enthält, ist der wirkliche Geist einer Familie und eines Volks.
Der Satz fasst das Ergebnis der vorangehenden Paragraphen in einer Bestimmung zusammen und gibt ihm seinen Namen. „Wirklich“ ist bei Hegel nicht dasselbe wie vorhanden, sondern bezeichnet die Einheit von Begriff und Existenz: wirklich ist, was seinem eigenen Begriff entspricht. Der Zug besteht deshalb im Übergang der Rede von Substanz zur Rede von Geist — Substanz nennt das Tragende, das die Einzelnen trägt; Geist nennt dasselbe, sofern es sich selbst weiß, und es weiß sich nur in dem für sich seienden Selbstbewusstsein der Einzelnen. Dass Hegel neben dem Volk ausdrücklich die Familie nennt, ist dabei kein Beiwerk: § 157 entwickelt sie unmittelbar darauf als die erste Gestalt eben dieses Geistes.
§ 156: Der Geist einer Familie und eines Volkes
Wo lebt die Sittlichkeit wirklich? Im Geist einer Familie und im Geist eines Volkes.
Was heißt Geist hier?
Man spürt es, wenn man in eine fremde Familie kommt. Es gibt dort eine eigene Art, miteinander umzugehen. Man spürt es auch in einem fremden Land. Die Menschen haben dort ihre eigenen Sitten. Dieser gemeinsame Geist ist mehr als die Summe der Einzelnen.
Zwei Blickrichtungen:
Man kann vom Ganzen ausgehen oder von den Einzelnen. Wer nur von den Einzelnen ausgeht, setzt das Ganze wie aus Bausteinen zusammen. Das verfehlt den Geist. Denn der Geist ist gerade die Einheit von Einzelnem und Ganzem.
Zusammenfassung: Die Sittlichkeit ist wirklich als Geist einer Familie und eines Volkes. Dieser Geist ist mehr als die Summe der Einzelnen. Man muss ihn vom Ganzen her verstehen.
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