63

Die Sache im Gebrauch ist eine einzelne nach Qualität und Quantität bestimmte und in Beziehung auf ein spezifisches Bedürfnis. Aber ihre spezifische Brauchbarkeit ist zugleich als quantitativ bestimmt vergleichbar mit anderen Sachen von derselben Brauchbarkeit, so wie das spezifische Bedürfnis, dem sie dient, zugleich Bedürfnis überhaupt und darin nach seiner Besonderheit ebenso mit anderen Bedürfnissen vergleichbar ist, und danach auch die Sache mit solchen, die für andere Bedürfnisse brauchbar sind. Diese ihre Allgemeinheit, deren einfache Bestimmtheit aus der Partikularität der Sache hervorgeht, so dass von dieser spezifischen Qualität zugleich abstrahiert wird, ist der Wert der Sache, worin ihre wahrhafte Substantialität bestimmt und Gegenstand des Bewusstseins ist. Als voller Eigentümer der Sache bin ich es ebenso von ihrem Werte, als von dem Gebrauche derselben.

Der Lehnsträger hat den Unterschied in seinem Eigentum, dass er nur Eigentümer des Gebrauchs, nicht des Werts der Sache sein soll.

EN ES


Kommentare

4 Kommentare zu „63“

  1. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    [zu § 63]
    Fortgang des Gedankens – Heraushebens des Allgemeinen –
    unmittelbare Besitznahmen – im Zeichen Unterscheidung der unmittelbaren Einzelheit und der Substanz.
    Was für mich ist, – im Gebrauch, ist die spezifische unmittelbare Qualität der Sache – das Allgemeine – Möglichkeit des Gebrauchs –
    α) Gebrauch unterscheidet vorübergehende Einzelheit und Substanz, das Allgemeine der Sache.
    β) Andere Unterscheidung. Gebrauch ist Beziehung auf bestimmtes, spezifisches Bedürfnis – diese Beziehung selbst auf allgemeine Weise vorgestellt – als Brauchbarkeit – und die spezifische qualitative Bestimmtheit in quantitative verwandelt- (Kreis, Ellipse, Parabel – algebraischer Ausdruck so, daß der spezifische Unterschied in den bloß quantitativen Unterschied eines Koeffizienten fällt). – Die spezifische Sache ist auch hier Zeichen, stellt den Wert vor – Reichtum in Geld oder Äckern.
    – bloßer Unterschied des Mehr und Weniger – Was Geld ist, kann nur verstanden werden, wenn man weiß, was Wert ist –
    Es wird vieles klar, – wenn man die feste Bestimmung dessen hat, was Wert ist.
    Wert, sich erhaltende Möglichkeit, ein Bedürfnis zu befriedigen.
    Wert – in Geld ausgedrückt – für sich dargestellt. Geld kann nicht unmittelbar für sich gebraucht, sondern muß verwandelt werden – in spezifische Dinge.
    Aus was der bestimmte Wert zusammengesetzt ist, – ist ein anderes.
    α) notwendiges Bedürfnis – aber dies am wohlfeilsten – weil häufig seine Mittel der Befriedigung – nur in Zeiten der Not.
    Menge, Seltenheit, – Zeit, Talent, die erforderlich ist, eine Sache hervorzubringen – d. i. die Menge, Quantum von Mitteln, die es vorstellt –
    Pretium affectionis – ein besonderes Bedürfnis, Anschauung, die ich darin habe – nicht das abstrakte der Bedürfnisse überhaupt
    § 63. Anm. Besitz der Familie auf ewig, aber nicht verkaufen – nicht Kredit darauf – zu Allodien heutigentags diese Lehen gemacht, schon Friedrich Wilhelm I. – Beschränkung des Eigentums, daß nicht der freie Begriff reell war, nicht der Vernunft gemäß, d. i. nicht frei – Beschränkung nicht vernünftig, noch unvernünftig.

  2. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Das Qualitative verschwindet hier in der Form des Quantitativen. Indem ich nämlich vom Bedürfnis spreche, ist dieses der Titel, worunter die vielfachsten Dinge sich bringen lassen, und die Gemeinsamkeit derselben macht, daß ich sie alsdann messen kann. Der Fortgang des Gedankens ist hier somit von der spezifischen Qualität der Sache zur Gleichgültigkeit dieser Bestimmtheit, also zur Quantität. Ähnliches kommt in der Mathematik vor. Definiere ich z. B., was der Kreis, was die Ellipse und Parabel sind, so sehen wir, daß sie spezifisch verschieden gefunden werden. Trotzdem bestimmt sich der Unterschied dieser verschiedenen Kurven bloß quantitativ, so nämlich, daß es nur auf einen quantitativen Unterschied ankommt, der sich auf den Koeffizienten allein, auf die bloß empirische Größe bezieht. Im Eigentum ist die quantitative Bestimmtheit, die aus der qualitativen hervortritt, der Wert. Das Qualitative gibt hier das Quantum für die Quantität und ist als solches ebenso erhalten wie aufgehoben. Betrachtet man den Begriff des Werts, so wird die Sache selbst nur als ein Zeichen angesehen, und sie gilt nicht als sie selber, sondern als das, was sie wert ist. Ein Wechsel z. B. stellt nicht seine Papiernatur vor, sondern ist nur ein Zeichen eines anderen Allgemeinen, des Wertes. Der Wert einer Sache kann sehr verschiedenartig sein in Beziehung auf das Bedürfnis; wenn man aber nicht das Spezifische, sondern das Abstrakte des Wertes ausdrücken will, so ist dieses das Geld. Das Geld repräsentiert alle Dinge, aber indem es nicht das Bedürfnis selbst darstellt, sondern nur ein Zeichen für dasselbe ist, wird es selbst wieder von dem spezifischen Wert regiert, den es als Abstraktes nur ausdrückt. Man kann überhaupt Eigentümer einer Sache sein, ohne zugleich der ihres Werts zu werden. Eine Familie, die ihr Gut nicht verkaufen oder verpfänden kann, ist nicht Herrin des Wertes. Da diese Form des Eigentums aber dem Begriffe desselben unangemessen ist, so sind solche Beschränkungen (Lehen, Fideikommisse) meistens im Verschwinden

  3. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Abstraktion von der spezifischen Qualität durch quantitative Vergleichbarkeit — die aus der Partikularität der Sache selbst hervorgehende Allgemeinheit ist ihr Wert.

    Hier wird der Übergang von der Qualität zur Quantität und damit zur Allgemeinheit vollzogen. Die Sache im Gebrauch ist zunächst ganz einzeln: dieses Ding, für dieses Bedürfnis. Aber das Bedürfnis, dem sie dient, ist zugleich Bedürfnis überhaupt, und darum lässt sie sich vergleichen, zuerst mit gleichartigen, dann mit ganz andersartigen Sachen. In diesem Vergleichen wird von dem abgesehen, was sie besonders macht; übrig bleibt eine Bestimmtheit, die nur noch ein Mehr oder Weniger ist. Entscheidend ist, dass diese Allgemeinheit nicht von außen angelegt wird, sondern aus der Besonderheit der Sache hervorgeht: Der Wert ist keine zweite Sache neben der Sache, sondern sie selbst, sofern von ihrer Qualität abgesehen ist.

  4. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 63: Der Wert

    Jede Sache dient einem bestimmten Bedürfnis. Brot stillt den Hunger. Ein Mantel wärmt. Brot und Mantel sind ganz verschieden.

    Und doch kann man sie vergleichen. Denn Hunger und Kälte sind beides Bedürfnisse. Und jedes Ding ist in einem bestimmten Maß brauchbar. So kann man sagen: Ein Mantel ist so viel wert wie zwanzig Brote. Was die Dinge verschieden macht, tritt zurück. Übrig bleibt ein Mehr oder Weniger.

    Dieses Gemeinsame heißt Wert. Im Wert zeigt sich, was eine Sache im Kern ist: eine Möglichkeit, Bedürfnisse zu stillen.

    Ein Vergleich aus der Mathematik:

    Kreis, Ellipse und Parabel sehen ganz verschieden aus. In der Formel unterscheiden sie sich nur durch Zahlen. Ähnlich wird beim Wert aus der Art ein bloßes Maß.

    Und das Geld?

    Wer den Wert verstanden hat, versteht auch das Geld. Einen Geldschein kann man nicht essen und nicht anziehen. Er ist nur ein Zeichen für Wert. Wer Geld hat, kann es in beliebige Dinge umtauschen.

    Was heißt das für das Eigentum?

    Wer eine Sache ganz besitzt, dem gehört auch ihr Wert. Anders war es beim Lehen. Der Bauer durfte das Land nutzen. Verkaufen durfte er es nicht. Ihm gehörte der Gebrauch, aber nicht der Wert.

    Zusammenfassung: Im Wert werden verschiedene Dinge vergleichbar. Er ist das Allgemeine an einer Sache. Dem vollen Eigentümer gehört auch der Wert.

Schreibe einen Kommentar