145

Dass das Sittliche das System dieser Bestimmungen der Idee ist, macht die Vernünftigkeit desselben aus. Es ist auf diese Weise die Freiheit oder der an und für sich seiende Wille als das Objektive, Kreis der Notwendigkeit, dessen Momente die sittlichen Mächte sind, welche das Leben der Individuen regieren und in diesen als ihren Akzidenzen, ihre Vorstellung, erscheinende Gestalt und Wirklichkeit haben.

EN ES

Kommentare

3 Kommentare zu „145“

  1. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Weil die sittlichen Bestimmungen den Begriff der Freiheit ausmachen, sind sie die Substantialität oder das allgemeine Wesen der Individuen, welche sich dazu nur als ein Akzidentelles verhalten. Ob das Individuum sei, gilt der objektiven Sittlichkeit gleich, welche allein das Bleibende und die Macht ist, durch welche das Leben der Individuen regiert wird. Die Sittlichkeit ist daher den Völkern als die ewige Gerechtigkeit, als an und für sich seiende Götter vorgestellt worden, gegen die das eitle Treiben der Individuen nur ein anwogendes Spiel bleibt.

  2. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Die Vernünftigkeit des Sittlichen besteht darin, System der Bestimmungen der Idee zu sein — ein Kreis der Notwendigkeit, dessen Momente die sittlichen Mächte sind und an dessen Individuen als Akzidenzen diese Mächte ihre Wirklichkeit haben.

    Vernünftig heißt hier nicht: einleuchtend, sondern: als System zusammenhängend. Die einzelnen sittlichen Bestimmungen sind keine Sammlung von Regeln, sondern gehen auseinander hervor und schließen sich zu einem Kreis, in dem jede ihren Ort nur durch die anderen hat — das ist es, was Hegel Notwendigkeit nennt. Das Verhältnis zu den Einzelnen fasst er mit dem Begriffspaar Substanz und Akzidenz: die sittlichen Mächte sind das Bleibende, die Individuen das, woran sie erscheinen und wirklich werden. Das setzt die Einzelnen nicht herab, sondern gibt an, welche Seite die tragende ist — ohne die Individuen hätten diese Mächte überhaupt keine Wirklichkeit.

  3. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 145: Die sittlichen Mächte

    Die Gesetze und Einrichtungen der Sittlichkeit bilden ein Ganzes. Sie hängen vernünftig zusammen. Darin liegt ihre Vernunft.

    Was bedeutet das für den Einzelnen?

    Diese Ordnungen sind Mächte. Sie bestimmen das Leben der Menschen. Die Familie, in die wir hineinwachsen. Die Gesellschaft, in der wir arbeiten. Der Staat, in dem wir leben. Sie waren vor uns da. Sie werden nach uns da sein.

    Ein harter Gedanke:

    Von der Ordnung her gesehen ist der einzelne Mensch fast zufällig. Ob gerade dieser oder jener lebt, ändert an ihr wenig. Sie ist das Bleibende. Darum haben Völker das Sittliche oft als ewige Gerechtigkeit verehrt, wie Götter. Das Treiben der Einzelnen erschien dagegen wie Wellen auf dem Meer.

    Doch die Mächte sind nicht bloß fremd. Sie leben ja nur in den Menschen, in ihrem Denken und Tun.

    Zusammenfassung: Die sittlichen Ordnungen bilden ein vernünftiges Ganzes. Als Mächte bestimmen sie das Leben der Einzelnen. Sie bleiben, während die Einzelnen kommen und gehen.

Schreibe einen Kommentar