181

Übergang der Familie in die bürgerliche Gesellschaft

Die Familie tritt auf natürliche Weise, und wesentlich durch das Prinzip der Persönlichkeit in eine Vielheit von Familien auseinander, welche sich überhaupt als selbstständige konkrete Personen und daher äußerlich zueinander |186| verhalten . Oder die in der Einheit der Familie als der sittlichen Idee, als die noch in ihrem Begriffe ist, gebundenen Momente, müssen von ihm zur selbstständigen Realität entlassen werden; – die Stufe der Differenz. Zunächst abstrakt ausgedrückt, gibt dies die Bestimmung der Besonderheit, welche sich zwar auf die Allgemeinheit bezieht, so dass diese die, aber nur noch innerliche, Grundlage und deswegen auf formelle in das Besondere nur scheinende Weise ist. Dies Reflexionsverhältnis stellt daher zunächst den Verlust der Sittlichkeit dar, oder, da sie als das Wesen notwendig scheinend ist (Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften § 64 ff., § 81 ff.)1 macht es die Erscheinungswelt des Sittlichen, die bürgerliche Gesellschaft aus.

Die Erweiterung der Familie als Übergehen derselben in ein anderes Prinzip ist in der Existenz teils die ruhige Erweiterung derselben zu einem Volke, – einer Nation, die somit einen gemeinschaftlichen natürlichen Ursprung hat, teils die Versammlung zerstreuter Familiengemeinden, entweder durch herrische Gewalt, oder durch freiwillige von den verknüpfenden Bedürfnissen und der Wechselwirkung ihrer Befriedigung eingeleitete Vereinigung.

  1. Enzyklopädie, 3. Aufl. § 112 ff., § 131 ff. ↩︎

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Kommentare

3 Kommentare zu „181“

  1. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Die Allgemeinheit hat hier zum Ausgangspunkt die Selbstständigkeit der Besonderheit, und die Sittlichkeit scheint somit auf diesem Standpunkte verloren, denn für das Bewußtsein ist eigentlich die Identität der Familie das Erste, Göttliche und Pflichtgebietende. Jetzt aber tritt das Verhältnis ein, daß das Besondere das erste für mich Bestimmende sein soll, und somit ist die sittliche Bestimmung aufgehoben. Aber ich bin eigentlich darüber nur im Irrtum, denn indem ich das Besondere festzuhalten glaube, bleibt doch das Allgemeine und die Notwendigkeit des Zusammenhangs das Erste und Wesentliche: ich bin also überhaupt auf der Stufe des Scheins, und indem meine Besonderheit mir das Bestimmende bleibt, das heißt der Zweck, diene ich damit der Allgemeinheit, welche eigentlich die letzte Macht über mich behält.

  2. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Auseinandertreten der unmittelbaren sittlichen Einheit in eine Vielheit selbständiger Personen — die im Begriff der Familie noch gebundenen Momente werden zur selbständigen Realität entlassen: die Stufe der Differenz.

    Der Paragraph vollzieht den Übergang von der Familie zur bürgerlichen Gesellschaft, und zwar nicht als geschichtliche Erzählung, sondern als Auflösung einer Einheit, die bisher nur behauptet war. In der Familie waren die Einzelnen nicht für sich, sondern Glieder; jetzt fallen sie auseinander in Personen, die einander äußerlich sind und nur über Bedürfnisse aufeinander bezogen bleiben. Hegel nennt das ein Reflexionsverhältnis: das Allgemeine ist nicht verschwunden, aber es trägt die Besonderheit nicht mehr sichtbar, es liegt nur noch als innere Grundlage darunter und scheint im Besonderen bloß durch. Deshalb ist die bürgerliche Gesellschaft für ihn nicht der Verlust des Sittlichen schlechthin, sondern dessen Erscheinungswelt — die Gestalt, in der das Sittliche zwar wirkt, aber sich selbst nicht kenntlich ist.

  3. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 181: Von der Familie zur Gesellschaft

    Die Familie teilt sich. Aus einer Familie werden viele Familien. Jede ist selbstständig. Sie stehen sich als eigene Personen gegenüber, äußerlich, wie Nachbarn.

    Was geschieht mit der Einheit?

    In der Familie war alles eins. Jetzt fällt es auseinander. Jeder verfolgt seine eigenen Zwecke. Das sieht aus wie ein Verlust der Sittlichkeit.

    Doch das ist ein Schein. Wer nur für sich zu sorgen glaubt, dient ohne es zu merken dem Ganzen. Das Allgemeine bleibt die eigentliche Macht, auch wenn jeder nur an sich denkt. Diese Welt heißt bürgerliche Gesellschaft. Sie ist die Welt, in der die Sittlichkeit erscheint, aber zerstreut.

    Wie entsteht sie in der Geschichte?

    Entweder wächst eine Familie friedlich zu einem Volk heran. Dann haben alle einen gemeinsamen Ursprung. Oder verstreute Familien kommen zusammen. Durch Gewalt, oder weil sie einander brauchen und miteinander tauschen.

    Zusammenfassung: Die Familie zerfällt in viele selbstständige Familien. Jede verfolgt ihre eigenen Zwecke. So entsteht die bürgerliche Gesellschaft, in der die Einheit nur noch scheinbar verloren ist.

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