194

Indem im gesellschaftlichen Bedürfnisse, als der Verknüpfung vom unmittelbaren oder natürlichen und vom geistigen Bedürfnisse der Vorstellung, das letztere sich als |197| das Allgemeine zum Überwiegenden macht, so liegt in diesem gesellschaftlichen Momente die Seite der Befreiung, dass die strenge Naturnotwendigkeit des Bedürfnisses versteckt wird, und der Mensch sich zu seiner, und zwar einer allgemeinen Meinung und einer nur selbstgemachten Notwendigkeit, statt nur zu äußerlicher, zu innerer Zufälligkeit, zur Willkür, verhält.

Die Vorstellung als ob der Mensch in einem sogenannten Naturzustande, worin er nur sogenannte einfache Naturbedürfnisse hätte, und für ihre Befriedigung nur Mittel gebrauchte, wie eine zufällige Natur sie ihm unmittelbar gewährte, in Rücksicht auf die Bedürfnisse in Freiheit lebte, ist, noch ohne Rücksicht des Moments der Befreiung, die in der Arbeit liegt, wovon nachher, – eine unwahre Meinung, weil das Naturbedürfnis als solches und dessen unmittelbare Befriedigung nur der Zustand der in die Natur versenkten Geistigkeit und damit der Roheit und Unfreiheit wäre, und die Freiheit allein in der Reflexion des Geistigen in sich, seiner Unterscheidung von dem Natürlichen und seinem Reflexe auf dieses, liegt.

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Kommentare

2 Kommentare zu „194“

  1. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Im gesellschaftlichen Bedürfnis überwiegt das geistige, allgemeine Moment über das natürliche — die äußere Naturnotwendigkeit wird zu einer selbstgemachten, damit zur Willkür: die Seite der Befreiung.

    Der Paragraph benennt den Gewinn der bisherigen Bewegung. Solange ein Bedürfnis rein natürlich ist, steht der Mensch unter einem Zwang, den er nicht gemacht hat; sobald es gesellschaftlich vermittelt ist, entspringt es einer Meinung, also etwas, das er selbst hervorgebracht hat. Hegel formuliert das genau: an die Stelle äußerer tritt innere Zufälligkeit, und das ist Willkür — kein Ideal, aber ein Fortschritt gegenüber bloßer Naturabhängigkeit. In der Anmerkung wird dieselbe Einsicht gegen die Vorstellung eines freien Naturzustands gewendet: unmittelbare Naturbefriedigung ist nicht Freiheit, sondern Versenktsein in die Natur, weil Freiheit erst darin liegt, dass der Geist sich vom Natürlichen unterscheidet und darauf zurückkommt.

  2. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 194: Wie die Gesellschaft von der Natur befreit

    Unsere Bedürfnisse sind nicht mehr bloß natürlich. Zum Hunger kommt die Vorstellung, wie man isst. Zum Frieren die Vorstellung, was man trägt. Das Geistige überwiegt.

    Warum ist das eine Befreiung?

    Weil die harte Notwendigkeit der Natur zurücktritt. Der Mensch folgt nun eher einer Meinung, die er selbst mit anderen teilt. Das ist zwar auch eine Notwendigkeit. Aber eine selbstgemachte.

    Der Naturzustand:

    Manche glauben: Im Naturzustand war der Mensch frei. Er hatte nur einfache Bedürfnisse. Die Natur gab ihm, was er brauchte. Das ist ein Irrtum. Ein Leben, das ganz in der Natur versinkt, ist roh und unfrei. Freiheit entsteht erst, wenn der Geist sich von der Natur unterscheidet und auf sie zurückwirkt.

    Zusammenfassung: In den Bedürfnissen der Gesellschaft überwiegt das Geistige. Darin liegt eine Befreiung von der bloßen Natur. Der angeblich freie Naturzustand ist in Wahrheit roh und unfrei.

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