195

Diese Befreiung ist formell, indem die Besonderheit der Zwecke der zugrunde liegende Inhalt bleibt. Die Richtung des gesellschaftlichen Zustandes auf die unbestimmte Vervielfältigung und Spezifizierung der Bedürfnisse, Mittel und Genüsse, welche, so wie der Unterschied zwischen natürlichem und gebildetem Bedürfnisse, keine Grenzen hat, – der Luxus ist eine ebenso unendliche Vermehrung der Abhängigkeit und Not, welche es mit einer den unendlichen Widerstand leistenden Materie, nämlich mit äußeren Mitteln von der besonderen Art, Eigentum |198| des freien Willens zu sein, dem somit absolut Harten, zu tun hat.

EN ES

Kommentare

3 Kommentare zu „195“

  1. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Diogenes in seiner ganzen zynischen Gestalt ist eigentlich nur ein Produkt des atheniensischen gesellschaftlichen Lebens, und was ihn determinierte, war die Meinung, gegen welche seine Weise überhaupt agierte. Sie ist daher nicht unabhängig, sondern nur durch dieses Gesellschaftliche entstanden und selbst ein unartiges Produkt des Luxus. Wo auf der einen Seite derselbe sich auf seiner Höhe befindet, da ist auch die Not und Verworfenheit auf der anderen Seite ebensogroß, und der Zynismus wird dann durch den Gegensatz der Verfeinerung hervorgebracht.

  2. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Einschränkung — diese Befreiung ist bloß formell, weil der Inhalt die Besonderheit der Zwecke bleibt; die grenzenlose Vervielfältigung (Luxus) schlägt in ebenso unendliche Abhängigkeit und Not um.

    Der Paragraph nimmt zurück, was § 194 gewonnen hatte, ohne es zu widerrufen: die Befreiung betrifft nur die Form, in der das Bedürfnis auftritt, nicht seinen Inhalt, der weiterhin bloß der eigene, besondere Zweck ist. Form und Inhalt fallen also auseinander, und daran hängt die ganze Bewertung — dieselbe Bewegung heißt von der Form her Befreiung und vom Inhalt her Abhängigkeit. Die Unendlichkeit ist auch hier die schlechte: das Wachsen der Bedürfnisse kennt keine Grenze, und mit ihm wächst die Not, weil die Mittel, an denen es hängt, äußere Dinge im Eigentum fremder Willen sind — Hegel nennt dieses Widerständige das absolut Harte.

  3. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 195: Luxus und Not

    Diese Befreiung ist nur formal. Denn der Inhalt bleiben die eigenen Wünsche.

    Was geschieht, wenn die Bedürfnisse sich immer weiter vervielfältigen?

    Es entsteht Luxus. Und mit dem Luxus wächst die Abhängigkeit. Je mehr einer braucht, desto mehr hängt er von anderen ab. Denn die Dinge, die er braucht, gehören anderen. Das ist eine harte Grenze.

    Zwei Seiten:

    Wo auf der einen Seite großer Luxus herrscht, herrscht auf der anderen Seite große Not.

    Ein Beispiel aus Athen:

    Diogenes wollte ganz ohne Bedürfnisse leben. Er wohnte angeblich in einer Tonne. Doch auch er war ein Kind seiner Stadt. Er lebte gegen den Luxus, und darum war der Luxus sein Maßstab. Er war selbst ein grobes Erzeugnis des Luxus.

    Zusammenfassung: Die endlose Vermehrung der Bedürfnisse führt zu Luxus. Mit ihm wächst die Abhängigkeit. Wo großer Luxus ist, ist auch große Not.

Schreibe einen Kommentar