200

Die Möglichkeit der Teilnahme an dem allgemeinen Vermögen, das besondere Vermögen, ist aber bedingt, teils durch eine unmittelbare eigene Grundlage (Kapital), teils durch die Geschicklichkeit, welche ihrerseits wieder selbst durch jenes, dann aber durch die zufälligen Umstände bedingt ist, deren Mannigfaltigkeit die Verschiedenheit in der Entwicklung der schon für sich ungleichen natürlichen körperlichen und geistigen Anlagen hervorbringt – eine Verschiedenheit, die in dieser Sphäre der Besonderheit nach allen Richtungen und von allen Stufen sich hervortut und mit der übrigen Zufälligkeit und Willkür die Ungleichheit des Vermögens und der Geschicklichkeiten der Individuen zur notwendigen Folge hat.

Dem in der Idee enthaltenen objektiven Rechte der Besonderheit des Geistes, welches die von der Natur – dem Elemente der Ungleichheit – gesetzte Ungleichheit der Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft nicht nur nicht aufhebt, sondern aus dem Geiste produziert, sie zu einer Ungleichheit der Geschicklichkeit, des Vermögens und selbst der intellektuellen und moralischen Bildung erhebt, die Forderung der Gleichheit entgegen[zu]setzen, gehört dem leeren Verstande an, der dies sein Abstraktum und sein Sollen für das Reelle und Vernünftige nimmt. Diese Sphäre der Besonderheit, die sich das Allgemeine einbildet, behält in dieser nur relativen Identität mit demselben ebensosehr die natürliche als willkürliche Besonderheit, damit den Rest des Naturzustandes, in sich. Ferner ist es die im Systeme menschlicher |201| Bedürfnisse und ihrer Bewegung immanente Vernunft, welche dasselbe zu einem organischen Ganzen von Unterschieden gliedert; s. folg. §.

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Kommentare

2 Kommentare zu „200“

  1. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Rückschlag ins Besondere — die Teilnahme am allgemeinen Vermögen ist bedingt, und die Ungleichheit des Vermögens und der Geschicklichkeiten ist damit notwendige Folge, nicht Zufall.

    Der Paragraph nimmt das Ergebnis von § 199 sogleich wieder in die Besonderheit zurück: das allgemeine Vermögen besteht für jeden nur als Möglichkeit, und ob sie sich verwirklicht, hängt von Kapital, Geschicklichkeit und Umständen ab, die ihrerseits ungleich verteilt sind. Der logische Punkt liegt im Wort notwendige Folge — die Ungleichheit ist nicht ein Versagen der Sphäre, sondern das, was folgt, wenn man der Besonderheit ihr Recht gibt (§ 184). Die Anmerkung zieht daraus die Konsequenz gegen die Gleichheitsforderung: sie nimmt ein Sollen, also einen bloß gedachten Maßstab, für das Vernünftige und verkennt, dass der Geist die vorgefundene Naturungleichheit nicht aufhebt, sondern in Ungleichheit der Bildung und des Vermögens übersetzt.

  2. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 200: Die Ungleichheit

    Die Möglichkeit, am allgemeinen Vermögen teilzunehmen, ist das besondere Vermögen. Es ist aber an Bedingungen geknüpft.

    Es hängt teils von einer unmittelbaren eigenen Grundlage ab, also vom Kapital. Es hängt teils von der Geschicklichkeit ab. Diese ist ihrerseits wieder durch das Kapital bedingt und außerdem durch zufällige Umstände.

    Diese Umstände sind mannigfaltig. Sie bringen hervor, dass die natürlichen körperlichen und geistigen Anlagen sich verschieden entwickeln. Und diese Anlagen sind schon für sich ungleich.

    Diese Verschiedenheit tritt in der Sphäre der Besonderheit nach allen Richtungen und auf allen Stufen hervor. Zusammen mit der übrigen Zufälligkeit und Willkür hat sie eine notwendige Folge: die Ungleichheit des Vermögens und der Geschicklichkeiten.

    Wichtige Anmerkung: In der Idee liegt ein objektives Recht der Besonderheit des Geistes. Die Natur ist das Element der Ungleichheit. Dieses Recht hebt die Ungleichheit der Menschen, die die Natur gesetzt hat, in der bürgerlichen Gesellschaft nicht nur nicht auf. Es bringt sie vielmehr aus dem Geist hervor. Es erhebt sie zu einer Ungleichheit der Geschicklichkeit, des Vermögens und selbst der geistigen und moralischen Bildung.

    Diesem Recht die Forderung der Gleichheit entgegenzusetzen, gehört dem leeren Verstand an. Er nimmt sein Abstraktum und sein Sollen für das Reelle und Vernünftige.

    Diese Sphäre der Besonderheit bildet das Allgemeine in sich hinein. Sie ist mit ihm aber nur relativ identisch, also nicht ganz. Darum behält sie ebenso sehr die natürliche wie die willkürliche Besonderheit in sich, und damit den Rest des Naturzustandes.

    Ferner ist es die Vernunft, die dem System der menschlichen Bedürfnisse innewohnt. Sie gliedert dieses System zu einem organischen Ganzen von Unterschieden. Davon handelt der folgende Paragraph.

    Zusammenfassung: Die Menschen sind ungleich an Vermögen und Geschicklichkeit. Wer dagegen die Gleichheit fordert, bleibt beim leeren Verstand stehen.

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