241

Aber ebenso als die Willkür, können zufällige, physische und in den äußeren Verhältnissen (§ 200) liegende Umstände, Individuen zur Armut herunterbringen, einem Zustande, der ihnen die Bedürfnisse der bürgerlichen Gesellschaft lässt, und der, indem sie ihnen zugleich die natürlichen Erwerbmittel (§ 217) entzogen [hat] und das weitere Band der Familie als eines Stammes aufhebt, (§ 181) dagegen sie aller Vorteile der Gesellschaft, Erwerbsfähigkeit von Geschicklichkeiten und Bildung überhaupt, auch der Rechtspflege, Gesundheitssorge, selbst oft des Trostes der Religion, usf. mehr oder weniger verlustig macht. Die |231| allgemeine Macht übernimmt die Stelle der Familie bei den Armen, ebensosehr in Rücksicht ihres unmittelbaren Mangels, als der Gesinnung der Arbeitsscheu, Bösartigkeit, und der weiteren Laster, die aus solcher Lage und dem Gefühl ihres Unrechts entspringen.

EN ES

Kommentare

2 Kommentare zu „241“

  1. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Die Zufälligkeit äußerer Umstände setzt die Besonderheit in den Widerspruch, die Bedürfnisse der Gesellschaft zu behalten und ihrer Mittel verlustig zu gehen; an die Stelle der aufgehobenen Familie tritt die allgemeine Macht.

    Der Paragraph zieht die Kehrseite dessen, was die Sphäre der Bedürfnisse als Gewinn entwickelt hatte. Weil die bürgerliche Gesellschaft das unmittelbare Naturverhältnis auflöst — die natürlichen Erwerbsmittel (§ 217) ebenso wie das Band der Familie als eines Stammes (§ 181) —, hat der Verarmte alle Bedürfnisse dieser Gesellschaft, aber keinen ihrer Wege mehr, sie zu befriedigen. Das ist kein bloßes Unglück, sondern ein von der Sphäre selbst erzeugter Widerspruch: Sie macht die Individuen restlos von sich abhängig und lässt einen Teil von ihnen zugleich ohne Anteil. Deshalb muss die Allgemeinheit, die sich bisher nur als Schutz und äußere Ordnung betätigt hat, an die Stelle treten, die die aufgelöste Familie nicht mehr ausfüllt — und zwar für den Mangel wie für die Gesinnung, die aus ihm entspringt.

  2. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 241: Armut

    Nicht nur eigene Schuld bringt Menschen in Armut. Auch Zufälle können es: Krankheit, Unglück, die äußeren Umstände.

    Was bedeutet Armut in der Gesellschaft?

    Der Arme hat weiter die Bedürfnisse der Gesellschaft. Aber die natürlichen Mittel zum Erwerb hat er verloren. Er hat keinen Acker mehr. Auch die große Sippe, die ihn früher auffing, gibt es nicht mehr.

    Und die Vorteile der Gesellschaft verliert er mehr oder weniger. Er kann kaum etwas lernen. Er hat wenig Zugang zum Recht und zur Pflege der Gesundheit. Oft fehlt ihm sogar der Trost der Religion.

    Wer tritt an die Stelle der Familie?

    Die öffentliche Macht. Sie sorgt für den unmittelbaren Mangel. Sie wendet sich aber auch gegen die Haltung, die aus solcher Lage entsteht: gegen Arbeitsscheu, Bösartigkeit und andere Laster. Diese entspringen aus der Lage selbst und aus dem Gefühl, Unrecht zu erleiden.

    Zusammenfassung: Armut kommt auch durch Zufall. Der Arme hat die Bedürfnisse der Gesellschaft, aber nicht ihre Vorteile. Die öffentliche Macht tritt für ihn an die Stelle der Familie.

Schreibe einen Kommentar