296

Dass aber die Leidenschaftlosigkeit, Rechtlichkeit und Milde des Benehmens Sitte werde, hängt teils mit der direkten sittlichen und Gedankenbildung zusammen, welche dem, was die Erlernung der sogenannten Wissenschaften der Gegenstände dieser Sphären, die erforderliche Geschäftseinübung, die wirkliche Arbeit usf. von Mechanismus und dergleichen in sich hat, das geistige Gleichgewicht hält; teils ist die Größe des Staats ein Hauptmoment, wodurch sowohl das Gewicht von Familien- und anderen Privatverbindungen geschwächt, als auch Rache, Hass und andere solche Leidenschaften ohnmächtiger und damit stumpfer werden; in der Beschäftigung mit den in dem großen Staate vorhandenen großen Interessen gehen für sich diese subjektiven Seiten unter und erzeugt sich die Gewohnheit allgemeiner Interessen, Ansichten und Geschäfte |305|.

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Kommentare

2 Kommentare zu „296“

  1. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Dass Leidenschaftslosigkeit, Rechtlichkeit und Milde des Benehmens zur Sitte werden, hängt an der sittlichen und Gedankenbildung und an der Größe des Staats.

    Genannt werden zwei Bedingungen, unter denen die zuvor geforderte Haltung der Beamten sich als Gewohnheit einstellt: eine Bildung, die dem Mechanischen der Geschäftsroutine das Gleichgewicht hält, und die Größe des Staates, in der Privatverbindungen und Leidenschaften an Gewicht verlieren und sich die Gewohnheit allgemeiner Interessen erzeugt.

  2. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 296: Wie Beamte gut werden

    Beamte sollen ohne Leidenschaft handeln, gerecht und mild. Wie wird das zur Gewohnheit?

    Erstens durch Bildung. Sittliche Bildung und Denken halten der bloßen Routine das Gleichgewicht. Fachwissen und Übung allein machen einen Beamten mechanisch.

    Zweitens durch die Größe des Staates. In einem großen Staat zählen Familienbande und private Verbindungen weniger. Rache und Hass verlieren ihre Kraft. Wer sich mit großen Aufgaben befasst, gewöhnt sich an allgemeine Interessen.

    Ein Bild:

    In einem Dorf kennt der Schreiber jeden. Er weiß, wer ihm einmal schadete. In einer großen Behörde verliert sich das. Dort zählt der Fall, nicht der Nachbar.

    Zusammenfassung: Gutes Verhalten der Beamten entsteht durch Bildung und durch die Größe des Staates. In großen Verhältnissen verlieren private Leidenschaften an Kraft.

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