340

In das Verhältnis der Staaten gegeneinander, weil sie darin als besondere sind, fällt das höchst bewegte Spiel der inneren Besonderheit der Leidenschaften, Interessen, Zwecke, der Talente und Tugenden, der Gewalt, des Unrechts und der Laster wie der äußeren Zufälligkeit, in den größten Dimensionen der Erscheinung – ein Spiel, worin das sittliche Ganze selbst, die Selbstständigkeit des Staats, der Zufälligkeit ausgesetzt wird. Die Prinzipien der Volksgeister sind um ihrer Besonderheit willen, in der sie als existierende Individuen ihre objektive Wirklichkeit und ihr Selbstbewusstsein haben, überhaupt beschränkte, und ihre Schicksale und Taten in ihrem Verhältnisse zueinander sind die erscheinende Dialektik der Endlichkeit dieser Geister, aus welcher der allgemeine Geist, der Geist der Welt, als unbeschränkt ebenso sich hervorbringt, als er es ist, der sein Recht – und sein Recht ist das allerhöchste – an ihnen in der Weltgeschichte, als dem Weltgerichte, ausübt.

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Kommentare

3 Kommentare zu „340“

  1. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1827)
    Hegel (Enzyklopädie 1827)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1827), § 548:

    § 548. Der bestimmte Volksgeist, da er wirklich und seine Freiheit als Natur ist, ist nach dieser von besonderer geographischen und klimatischen Bestimmtheit; er ist auch in der Zeit und hat eine durch sein besonderes Princip bestimmte Entwicklung seines Bewußtseyns und seiner Wirklichkeit zu durchlaufen; – er hat eine Geschichte. Als beschränkter Geist ist nach dieser zweiten Seite seine Selbstständigkeit ein untergeordnetes; er geht in die allgemeine Weltgeschichte über, deren Begebenheiten die Dialektik der besondern Völkergeister, das Weltgericht, darstellt.

  2. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1830)
    Hegel (Enzyklopädie 1830)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830), § 548:

    § 548. Der bestimmte Volksgeist, da er wirklich und seine Freiheit als Natur ist, hat nach dieser Naturseite das Moment geographischer und klimatischer Bestimmtheit; er ist in der Zeit und hat dem Inhalte nach wesentlich ein besonderes Prinzip und eine dadurch bestimmte Entwicklung seines Bewußtseins und seiner Wirklichkeit zu durchlaufen; – er hat eine Geschichte innerhalb seiner. Als beschränkter Geist ist seine Selbständigkeit ein Untergeordnetes; er geht in die allgemeine Weltgeschichte über, deren Begebenheiten die Dialektik der besonderen Völkergeister, das Weltgericht, darstellt.

  3. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Erscheinende Dialektik der Endlichkeit der Volksgeister — aus der Zufälligkeit ihres Verhältnisses bringt der allgemeine Geist sich als der unbeschränkte hervor; Weltgeschichte als Weltgericht.

    Dieser Paragraph ist der Übergang zur letzten Sphäre des Werks und hat darum die Form eines Umschlags. Zunächst wird alles versammelt, was am Staatenverhältnis zufällig ist: Leidenschaften, Interessen, Gewalt, äußerer Zufall — und dieser Zufälligkeit ist nun das sittliche Ganze selbst ausgesetzt. Endlichkeit heißt hier: Jeder Volksgeist hat seine Wirklichkeit nur als dieser bestimmte, also beschränkte, und geht an eben dieser Beschränkung zugrunde. Dialektik nennt Hegel, dass dieses Zugrundegehen kein bloßer Verlust ist: In der Folge der beschränkten Gestalten und durch sie hindurch bringt sich das Allgemeine hervor, das an ihnen zugleich sein Recht ausübt — darum Weltgeschichte als Weltgericht.

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