92

Weil der Wille, nur insofern er Dasein hat, Idee oder wirklich frei und das Dasein, in welches er sich gelegt hat, Sein der Freiheit ist, so zerstört Gewalt oder Zwang in ihrem Begriff sich unmittelbar selbst, als Äußerung eines Willens, welche die Äußerung oder Dasein eines Willens aufhebt. Gewalt oder Zwang ist daher, abstrakt genommen, unrechtlich.

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Kommentare

3 Kommentare zu „92“

  1. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    [zu § 92/93]
    Zwang ist Gewalt gegen ein natürliches Dasein, worin ein Wille gelegt ist – ist dieser Wille besonderer Wille gegen den allgemeinen, so ist es an sich Zwang – oder der Wille ist erst an sich –
    Diesen an sich seienden Willen zu übernehmen, der nicht wissentlicher – kommt vor auf dem Wege zum bewußten Willen.

  2. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Der Begriff des Zwanges zerstört sich unmittelbar selbst — als Äußerung eines Willens, welche die Äußerung eines Willens aufhebt.

    Gefragt wird hier nicht, ob Zwang schädlich ist, sondern was er als Begriff ist. Der Wille ist nach der bisherigen Entwicklung nur wirklich, sofern er sich ein Dasein gegeben hat — Eigentum, Vertrag, Leib —, und dieses Dasein ist nicht Beiwerk, sondern das Sein der Freiheit selbst. Zwang ist nun ein Akt des Willens, der genau dieses Dasein eines Willens vernichtet; er setzt also die Geltung des Willens voraus und hebt sie im selben Zug auf. An diesem Sichselbstzerstören, nicht an einer von außen angelegten Bewertung, zeigt sich, dass Gewalt abstrakt genommen unrechtlich ist.

  3. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 92: Gewalt zerstört sich selbst

    Frei ist der Wille erst, wenn er in der Welt da ist. In meinem Eigentum, in meinem Körper, in meinem Tun. Dort hat meine Freiheit ihr Dasein.

    Was tut nun die Gewalt?

    Auch die Gewalt ist die Tat eines Willens. Aber sie richtet sich genau gegen das Dasein eines Willens. Sie zerstört, was ein anderer Wille in die Welt gesetzt hat.

    Darin steckt ein Widerspruch. Ein Wille zeigt sich, indem er den Willen überhaupt verneint. Er sägt an dem Ast, auf dem er selbst sitzt.

    Darum gilt: Gewalt und Zwang sind, für sich genommen, Unrecht.

    Zusammenfassung: Gewalt ist ein Wille, der das Dasein des Willens zerstört. Damit widerspricht sie sich selbst. Für sich genommen ist sie immer Unrecht.

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