151

Aber in der einfachen Identität mit der Wirklichkeit der Individuen erscheint das Sittliche, als die allgemeine Handlungsweise derselben – als Sitte, – die Gewohnheit desselben als eine zweite Natur, die an die Stelle des ersten bloß natürlichen Willens gesetzt, und die durchdringende Seele, Bedeutung und Wirklichkeit ihres Daseins ist, der als eine Welt lebendige und vorhandene Geist, dessen Substanz so erst als Geist ist.

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Kommentare

4 Kommentare zu „151“

  1. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    Einigkeit α) als Substanz, β) als Sitte im Einzel-Bewußtsein oder Bewußtsein überhaupt, γ) Welt – als Sein, Existenz Bewußtsein dieser Einigkeit
    α) als Geist, Gott – Penaten
    β) Gegenwart – ist mir in anderem Bewußtsein abstrakte Einigkeit zuerst, des subjektiven Bewußtseins mit der Allgemeinheit. Aber Subjekt ist wesentlich Dieses, Person – nach dieser Seite empirische Allgemeinheit.
    γ) Welt αα) Sitte – vieler Individuen – α) Verhältnis von Subjekt zu Subjekt (nicht wie im abstrakten Recht) – Sache nur Bedürfnis einzelner Subjekte in sich – und so auch Vertrag zufällig – β) moralischer Wert – Moralisches Recht des subjektiven Selbstbewußtseins das Innerliche der Handlung – Boden, subjektive Beziehung auf andere, aber Wert, Wendung in sich hinein – Hier Bewußtsein der Einigkeit – Identität – Bewußtsein nicht in mir (moralische Reflexion), sondern als seiend, d. i. außer mir – meine Einigkeit außer mir – Einigkeit der Individuen.
    Sittlichkeit, Sitte ist § 147 als Geist – α) absoluter Inhalt, β) Freiheit, Zeugnis des Geistes.
    Gewissen, Reflexion, Moralität, ist nicht Geist, so stumpfe Unschuld auch nicht. – α) Dort Subjekt sich in sich selbst bestimmend – nach dem Guten, Pflicht – abstrakte Reflexion – Verstand – nicht als lebendiges Gutes – Identität Subjektivität erscheint als Willkür der Wahl. – β) Hier ohne Bewußtsein eines allgemeinen Zwecks – oder (Chinesen) das Sittliche zum juristischen – äußerlichen Gesetze gemacht.
    Sitte – ἡθος – die Alten wußten nichts vom Gewissen – Riemer: ἡθος ion. ἔθος – Gewohnheit, Gebrauch – (vorzüglich Wohnung bei Herodot) Herkommen des Menschen – Sitte – ob von Sitz? – Gewohnheit, Charakter, Miene – Im Stil und Deklamation ἠθικός, das Charakteristische – Weise des Seins und Lebens –
    ββ) Äußerliche Wirklichkeit. – Sind die Gesetze schlecht, so auch die Sitten

  2. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Wie die Natur ihre Gesetze hat, wie das Tier, die Bäume, die Sonne ihr Gesetz vollbringen, so ist die Sitte das dem Geist der Freiheit Angehörende. Was das Recht und die Moral noch nicht sind, das ist die Sitte, nämlich Geist. Denn im Rechte ist die Besonderheit noch nicht die des Begriffs, sondern nur des natürlichen Willens. Ebenso ist auf dem Standpunkt der Moralität das Selbstbewußtsein noch nicht geistiges Bewußtsein. Es ist dabei nur um den Wert des Subjekts in sich selbst zu tun, das heißt, das Subjekt, was sich nach dem Guten gegen das Böse bestimmt, hat noch die Form der Willkür. Hier hingegen auf dem sittlichen Standpunkt ist der Wille als Wille des Geistes und hat einen substantiellen sich entsprechenden Inhalt. Die Pädagogik ist die Kunst, die Menschen sittlich zu machen: sie betrachtet den Menschen als natürlich und zeigt den Weg, ihn wiederzugebären, seine erste Natur zu einer zweiten geistigen umzuwandeln, so daß dieses Geistige in ihm zur Gewohnheit wird. In ihr verschwindet der Gegensatz des natürlichen und subjektiven Willens, der Kampf des Subjekts ist gebrochen, und insofern gehört zum Sittlichen die Gewohnheit, wie sie auch zum philosophischen Denken gehört, da dieses erfordert, daß der Geist gegen willkürliche Einfälle gebildet sei und diese gebrochen und überwunden seien, damit das vernünftige Denken freien Weg hat. Der Mensch stirbt auch aus Gewohnheit, das heißt, wenn er sich ganz im Leben eingewohnt hat, geistig und physisch stumpf geworden und der Gegensatz von subjektivem Bewußtsein und geistiger Tätigkeit verschwunden ist, denn tätig ist der Mensch nur, insofern er etwas nicht erreicht hat und sich in Beziehung darauf produzieren und geltend machen will. Wenn dies vollbracht ist, verschwindet die Tätigkeit und Lebendigkeit, und die Interesselosigkeit, die alsdann eintritt, ist geistiger oder physischer Tod.

  3. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    In der einfachen Identität mit der Wirklichkeit der Individuen erscheint die sittliche Substanz als Sitte, und die Gewohnheit als zweite Natur tritt an die Stelle des bloß natürlichen Willens.

    Nachdem die vorangehenden Paragraphen das Sittliche als Substanz bestimmt haben, klärt dieser Paragraph, in welcher Gestalt diese Substanz überhaupt zur Erscheinung kommt: nicht als Vorschrift, die den Einzelnen gegenübersteht, sondern als deren eigene gewöhnliche Handlungsweise. Der Ausdruck „zweite Natur“ benennt genau diesen Formwechsel: eine Bestimmtheit, die gelernt und gesetzt ist, hat die Form der Unmittelbarkeit angenommen, wird also ausgeübt, ohne noch als Fremdes vor dem Willen zu stehen — und verdrängt dadurch den ersten, natürlichen Willen, der ebenfalls unmittelbar war, aber nicht vernünftig. Der Zug besteht darin, dass die Substanz erst durch dieses Eingehen ins einzelne Dasein wirklich ist; vorher ist sie nur Begriff, hier ist sie lebendiger und vorhandener Geist.

  4. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 151: Die Sitte als zweite Natur

    Wenn das Sittliche zur Gewohnheit geworden ist, nennen wir es Sitte. Die Sitte ist wie eine zweite Natur.

    Was heißt das?

    Von Geburt an hat der Mensch eine erste Natur: seine Triebe und Bedürfnisse. Durch Erziehung und Gewohnheit bekommt er eine zweite Natur. Er muss nicht mehr jedes Mal nachdenken, ob er grüßt, ob er die Wahrheit sagt, ob er hilft. Er tut es einfach. Es geht ihm von selbst.

    Ein Vergleich:

    Wie ein Baum nach seinem Gesetz wächst, so lebt der Mensch in seiner Sitte. Nur ist das Gesetz der Sitte nicht Natur, sondern Geist. Es ist von Menschen gemacht und von Menschen gelebt.

    Ist Gewohnheit nicht etwas Stumpfes?

    Nicht unbedingt. Auch das Denken braucht Gewohnheit. Wer gut denken will, muss sich an Ordnung gewöhnen. In der Gewohnheit hört der Kampf mit sich selbst auf. Die Erziehung hat genau das zum Ziel. Sie verwandelt die erste Natur in eine zweite.

    Zusammenfassung: Die Sitte ist das Sittliche als Gewohnheit. Sie ist die zweite Natur des Menschen. In ihr lebt der Geist als eine wirkliche Welt.

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