166

Das eine ist daher das Geistige, als das sich Entzweiende in die für sich seiende persönliche Selbstständigkeit und in das Wissen und Wollen der freien Allgemeinheit, [in] das Selbstbewusstsein des begreifenden Gedankens und [in das] Wollen des objektiven Endzwecks, – das andere das in der Einigkeit sich erhaltende Geistige als Wissen und Wollen des Substantiellen in Form der konkreten Einzelnheit und der Empfindung; – jenes im Verhältnis nach außen das Mächtige und Betätigende, dieses das Passive und Subjektive. Der Mann hat daher sein wirkliches substantielles Leben im Staate, der Wissenschaft und dergleichen, und sonst im Kampfe und der Arbeit mit der Außenwelt und mit sich selbst, so dass er nur aus seiner Entzweiung die selbstständige Einigkeit mit sich erkämpft, deren ruhige Anschauung und die empfindende subjektive Sittlichkeit er in der Familie hat, in welcher die Frau ihre substantielle Bestimmung und in dieser Pietät ihre sittliche Gesinnung hat.

Die Pietät wird daher in einer der erhabensten Darstellungen derselben, der Sophokleischen Antigone, vorzugsweise als das Gesetz des Weibes ausgesprochen, und als das Gesetz der empfindenden subjektiven Substantialität, der Innerlichkeit, die noch nicht ihre vollkommene Verwirklichung erlangt, als das Gesetz der alten Götter, des Unterirdischen, als ewiges Gesetz, von dem niemand weiß, von wannen es erschien, und im Gegensatz gegen das offenbare, das Gesetz des Staates, dargestellt; – ein Gegensatz der |174| der höchste sittliche und darum der höchste tragische, und in der Weiblichkeit und Männlichkeit daselbst individualisiert ist; vgl. Phänomenologie des Geistes S. 383 ff., 417 ff.

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Kommentare

4 Kommentare zu „166“

  1. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    Pflanze, Tier –
    Unentzweite Individualität.
    In sich den Unterschied, Entzweiung und Allgemeinheit.
    Wissenschaft, Kunst, Poesie.
    Wo Weiber und die Jugend im Staate regieren, Staat verdorben. Gehen auf Subjektivität – diese Personen –
    Meinung von dem Allgemeinen – nicht das Objektive.
    Enthusiasmus – Ideale, Schiller.

  2. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Frauen können wohl gebildet sein, aber für die höheren Wissenschaften, die Philosophie und für gewisse Produktionen der Kunst, die ein Allgemeines fordern, sind sie nicht gemacht. Frauen können Einfälle, Geschmack, Zierlichkeit haben, aber das Ideale haben sie nicht. Der Unterschied zwischen Mann und Frau ist der des Tieres und der Pflanze: das Tier entspricht mehr dem Charakter des Mannes, die Pflanze mehr dem der Frau, denn sie ist mehr ruhiges Entfalten, das die unbestimmtere Einigkeit der Empfindung zu seinem Prinzip erhält. Stehen Frauen an der Spitze der Regierung, so ist der Staat in Gefahr, denn sie handeln nicht nach den Anforderungen der Allgemeinheit, sondern nach zufälliger Neigung und Meinung. Die Bildung der Frauen geschieht, man weiß nicht wie, gleichsam durch die Atmosphäre der Vorstellung, mehr durch das Leben als durch das Erwerben von Kenntnissen, während der Mann seine Stellung nur durch die Errungenschaft des Gedankens und durch viele technische Bemühungen erlangt.

  3. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Die beiden Seiten der Diremtion treten auseinander als das sich Entzweiende, für sich seiende Wissen der freien Allgemeinheit und als das in der Einigkeit sich erhaltende Wissen des Substantiellen in der Form der Einzelnheit und Empfindung.

    Was § 165 als Selbstunterscheidung des Begriffs bestimmt hatte, erhält hier seine beiden Gestalten; Hegel führt den Unterschied zwar aus dem Begriff, trägt ihn aber an die vorgefundene natürliche Bestimmtheit der Geschlechter heran, von der § 165 ausdrücklich ausgeht. Die eine Seite ist das Für-sich-Sein: sie geht durch Entzweiung hindurch — Kampf und Arbeit mit der Außenwelt und mit sich — und gewinnt die Einheit mit sich erst als erkämpftes Resultat; ihr Gegenstand ist deshalb das Allgemeine in der Form des Gedankens. Die andere Seite ist die Einheit, die sich in der Form der Empfindung und der konkreten Einzelnheit erhält, ohne sie erst herstellen zu müssen. Hegel verteilt diese beiden Momente auf Mann und Frau und ordnet dem einen Staat und Wissenschaft, dem anderen die Familie und die Pietät zu; die Anmerkung liest die Antigone als die Darstellung, in der beide als zwei Gesetze aufeinandertreffen, das unterirdische und das offenbare, und ebendarin den höchsten tragischen Gegensatz bilden.

  4. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 166: Mann und Frau

    Mann und Frau sind die zwei Seiten, in die sich die Sittlichkeit der Familie teilt. Worin unterscheiden sie sich?

    Der Mann:

    Der Mann ist die Seite, die sich teilt. Er ist selbstständig. Er denkt das Allgemeine und will den objektiven Zweck. Er ist nach außen tätig und mächtig. Darum hat er sein eigentliches Leben im Staat, in der Wissenschaft, im Kampf und in der Arbeit mit der Welt. Er muss sich seine Einheit mit sich selbst erst erkämpfen. In der Familie findet er dafür Ruhe und Gefühl.

    Die Frau:

    Die Frau ist die Seite, die in der Einheit bleibt. Sie weiß und will das Sittliche in der Form des Gefühls und des Einzelnen. Sie ist eher still und empfangend. Ihre Bestimmung liegt in der Familie. Ihre sittliche Haltung ist die Pietät, die fromme Treue zur Familie.

    Und weiter:

    Frauen können gebildet sein. Aber für die höheren Wissenschaften, die Philosophie und manche Kunst sind sie nicht gemacht. Der Mann gleicht mehr dem Tier, die Frau mehr der Pflanze, die sich ruhig entfaltet. Stehen Frauen an der Spitze eines Staates, ist der Staat in Gefahr. Denn sie handeln nach Neigung und Meinung, nicht nach dem Allgemeinen.

    Antigone:

    In der Tragödie „Antigone“ stellt Sophokles die Pietät als Gesetz der Frau dar. Es ist das alte, unterirdische Gesetz der Götter. Ihm steht das offene Gesetz des Staates gegenüber. Dieser Gegensatz ist der höchste sittliche und darum der höchste tragische.

    Zusammenfassung: Der Mann hat sein wesentliches Leben im Staat, in der Wissenschaft und in der Arbeit mit der Welt. Die Frau hat ihre Bestimmung in der Familie und ihre sittliche Haltung in der Pietät.

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