203

a) Der substantielle Stand hat sein Vermögen an den Naturprodukten eines Bodens, den er bearbeitet, – eines Bodens, der ausschließendes Privateigentum zu sein fähig ist und nicht nur unbestimmte Abnutzung, sondern eine objektive Formierung erfordert. Gegen die Anknüpfung der Arbeit und des Erwerbs an einzelne feste Naturepochen und die Abhängigkeit des Ertrags von der veränderlichen Beschaffenheit des Naturprozesses, macht sich der Zweck des Bedürfnisses zu einer Vorsorge auf die Zukunft, behält aber durch ihre Bedingungen die Weise einer weniger durch die Reflexion und eigenen Willen vermittelten |202| Subsistenz, und darin überhaupt die substantielle Gesinnung einer unmittelbaren auf dem Familienverhältnisse und dem Zutrauen beruhenden Sittlichkeit.

Mit Recht ist der eigentliche Anfang und die erste Stiftung der Staaten in die Einführung des Ackerbaues, nebst der Einführung der Ehe gesetzt worden, indem jenes Prinzip das Formieren des Bodens und damit ausschließendes Privateigentum mit sich führt (vgl. § 170 Anm.), und das im Schweifenden seine Subsistenz suchende, schweifende Leben des Wilden zur Ruhe des Privatrechts und zur Sicherheit der Befriedigung des Bedürfnisses zurückführt, womit sich die Beschränkung der Geschlechterliebe zur Ehe, und damit die Erweiterung dieses Bandes zu einem fortdauernden in sich allgemeinen Bunde, des Bedürfnisses zur Familiensorge und des Besitzes zum Familiengute verknüpft. Sicherung, Befestigung, Dauer der Befriedigung der Bedürfnisse usf. – Charaktere, wodurch sich diese Institutionen zunächst empfehlen, sind nichts anderes als Formen der Allgemeinheit und Gestaltungen, wie die Vernünftigkeit, der absolute Endzweck, sich in diesen Gegenständen geltend macht. – Was kann für diese Materie interessanter sein, als meines sehr verehrten Freundes, Herrn Creuzers, ebenso geistreiche als gelehrte Aufschlüsse, die derselbe insbesondere im vierten Band seiner Mythologie und Symbolik1, über die agronomischen Feste, Bilder und Heiligtümer der Alten uns gegeben hat, welche sich der Einführung des Ackerbaues und der damit zusammenhängenden Institutionen als göttlicher Taten bewusst worden sind, und ihnen so religiöse Verehrung widmeten.
Dass der substantielle Charakter dieses Standes von seiten der Gesetze des Privatrechts, insbesondere der Rechtspflege, sowie von seiten des Unterrichts |203| und der Bildung, auch der Religion, Modifikationen, nicht in Ansehung des substantiellen Inhalts, aber in Ansehung der Form und Reflexionsentwicklung nach sich zieht, ist eine weitere Folge, die ebenso in Ansehung der anderen Stände statthat.

  1. Friedrich Creuzer, Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen, 4 Bde., 1810/12 ↩︎

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Kommentare

5 Kommentare zu „203“

  1. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1827)
    Hegel (Enzyklopädie 1827)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1827), § 528:

    § 528. Der substantielle Stand hat an dem Boden ein natürliches und festes Vermögen, seine Thätigkeit erhält ihre Richtung und Inhalt durch Naturbestimmungen, und seine Sittlichkeit gründet sich auf Glauben und Vertrauen. Der zweite Stand ist auf das Vermögen der Gesellschaft, auf das in Vermittlung, Vorstellung und in ein Zusammen der Zufälligkeiten gestellte Element, und das Individuum auf seine subjective Geschicklichkeit, Talent, Verstand und Fleiß angewiesen. Der dritte Stand hat die allgemeinen Interessen zu seinem Geschäfte und wie der zweite eine durch die eigene Geschicklichkeit vermittelte und wie der erste eine aber durch das Ganze der Gesellschaft gesicherte Subsistenz.

  2. Avatar von Hegel (Enzyklopädie 1830)
    Hegel (Enzyklopädie 1830)

    Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830), § 528:

    § 528. Der substantielle, natürliche Stand hat an dem fruchtbaren Grund und Boden ein natürliches und festes Vermögen; seine Tätigkeit erhält ihre Richtung und Inhalt durch Naturbestimmungen, und seine Sittlichkeit gründet sich auf Glauben und Vertrauen. Der zweite, der reflektierte Stand ist auf das Vermögen der Gesellschaft, auf das in Vermittlung, Vorstellung und in ein Zusammen der Zufälligkeiten gestellte Element, und das Individuum auf seine subjektive Geschicklichkeit, Talent, Verstand und Fleiß angewiesen. Der dritte, denkende Stand hat die allgemeinen Interessen zu seinem Geschäfte; wie der zweite hat er eine durch die eigene Geschicklichkeit vermittelte und wie der erste eine aber durch das Ganze der Gesellschaft gesicherte Subsistenz.

  3. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    In unserer Zeit wird die Ökonomie auch auf reflektierende Weise, wie eine Fabrik, betrieben und nimmt dann einen ihrer Natürlichkeit widerstrebenden Charakter des zweiten Standes an. Indessen wird dieser erste Stand immer mehr die Weise des patriarchalischen Lebens und die substantielle Gesinnung desselben behalten. Der Mensch nimmt hier mit unmittelbarer Empfindung das Gegebene und Empfangene auf, ist Gott dafür dankbar und lebt im gläubigen Zutrauen, daß diese Güte fortdauern werde. Was er bekommt, reicht ihm hin; er braucht es auf, denn es kommt ihm wieder. Dies ist die einfache, nicht auf Erwerbung des Reichtums gerichtete Gesinnung; man kann sie auch die altadelige nennen, die, was da ist, verzehrt. Bei diesem Stande tut die Natur die Hauptsache, und der eigene Fleiß ist dagegen das Untergeordnete, während beim zweiten Stande gerade der Verstand das Wesentliche ist und das Naturprodukt nur als Material betrachtet werden kann.

  4. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Der substantielle Stand als die Gestalt der Unmittelbarkeit — Subsistenz aus dem Naturprozeß, wenig durch Reflexion und eigenen Willen vermittelt, daher die Gesinnung eines unmittelbaren, auf Familie und Zutrauen beruhenden Sittlichen.

    Der Paragraph füllt die erste Stelle des Schemas von § 202 aus, und alle Züge folgen aus dem einen Wort unmittelbar: der Ertrag hängt an Boden und Jahreszeit, also an etwas, das nicht gemacht, sondern hingenommen wird, und entsprechend ist auch die Gesinnung eine des Vertrauens statt der Berechnung. Bemerkenswert ist die eine Ausnahme, die Hegel notiert — die Vorsorge auf die Zukunft, in der sich das Denken bereits gegen den bloßen Naturlauf stellt. Die Anmerkung zieht daraus die weitere Folge, dass Ackerbau und Ehe zusammengehören, weil beide dasselbe leisten: sie geben dem Schweifenden Dauer, und Dauer ist für Hegel bereits eine Form der Allgemeinheit.

  5. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 203: Der Bauernstand

    Der Bauer lebt vom Boden, den er bearbeitet. Der Boden gehört ihm allein. Er muss ihn pflegen und formen, nicht nur nutzen.

    Wie lebt der Bauer?

    Er ist abhängig von der Natur. Vom Wetter, von der Jahreszeit, von der Ernte. Darum muss er vorsorgen. Aber sein Leben hängt weniger von eigener Planung ab als das anderer. Er vertraut. Er lebt in der Familie und in einfacher Treue. Was er bekommt, ist eine Gabe der Natur. Er ist dankbar und hofft, dass es so bleibt.

    Der Ackerbau und die Staaten:

    Mit Recht hat man den Anfang der Staaten mit dem Ackerbau verbunden. Und mit der Ehe. Der Ackerbau bringt festes Eigentum. Das umherziehende Leben der Wilden endet. Man wird sesshaft. Dazu gehört die Ehe und die Sorge für die Familie. Die alten Völker feierten den Ackerbau darum als Geschenk der Götter.

    Heute:

    Heute betreibt man auch die Landwirtschaft mehr wie eine Fabrik. Trotzdem wird der Bauernstand seine einfache, vertrauende Art behalten.

    Zusammenfassung: Der Bauernstand lebt vom eigenen Boden und von der Natur. Seine Haltung ist Vertrauen und Treue. Mit Ackerbau und Ehe beginnen die Staaten.

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