282

Aus der Souveränität des Monarchen fließt das Begnadigungsrecht der Verbrecher, denn ihr nur |294| kommt die Verwirklichung der Macht des Geistes zu, das Geschehene ungeschehen zu machen, und im Vergeben und Vergessen das Verbrechen zu vernichten.

Das Begnadigungsrecht ist eine der höchsten Anerkennungen der Majestät des Geistes. – Dies Recht gehört übrigens zu den Anwendungen oder Reflexen der Bestimmungen der höheren Sphäre auf eine vorhergehende. – Dergleichen Anwendungen aber gehören der besonderen Wissenschaft an, die ihren Gegenstand in seinem empirischen Umfange abzuhandeln hat. (vgl. § 270 Anm. Fn.) – Zu solchen Anwendungen gehört auch, dass die Verletzungen des Staats überhaupt, oder der Souveränität, Majestät und der Persönlichkeit des Fürsten, unter den Begriff des Verbrechens, der früher (§ 95 bis 102) vorgekommen ist, subsumiert, und zwar als die höchsten Verbrechen, [und] die besondere Verfahrungsart usf. bestimmt werden.

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Kommentare

4 Kommentare zu „282“

  1. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Die Begnadigung ist die Erlassung der Strafe, die aber das Recht nicht aufhebt. Dieses bleibt vielmehr, und der Begnadigte ist nach wie vor ein Verbrecher; die Gnade spricht nicht aus, daß er kein Verbrechen begangen habe. Diese Aufhebung der Strafe kann durch die Religion vor sich gehen, denn das Geschehen kann vom Geist im Geist ungeschehen gemacht werden. Insofern dieses in der Welt vollbracht wird, hat es seinen Ort aber nur in der Majestät und kann nur der grundlosen Entscheidung zukommen.

  2. Avatar von Karl Marx
    Karl Marx

    Das Begnadigungsrecht ist das Recht der Gnade, Die Gnade ist der höchste Ausdruck der zufälligen Willkür, die Hegel sinnvoll zum eigentlichen Attribut des Monarchen macht. Hegel bestimmt im Zusatz selbst als ihren Ursprung »die grundlose Entscheidung«.

  3. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Aus der Souveränität fließt das Begnadigungsrecht als die Macht des Geistes, das Geschehene ungeschehen zu machen.

    Es handelt sich um einen Rückgriff, und Hegel bezeichnet ihn selbst so: eine Anwendung der Bestimmungen der höheren Sphäre auf eine frühere. Das Verbrechen war im abstrakten Recht (§§ 95 ff.) als etwas gefasst, das durch die Strafe notwendig aufgehoben werden muss; die Begnadigung hebt es auf andere Weise auf, indem sie es nicht als geschehen gelten lässt. Möglich ist das allein von der Souveränität aus, denn ihr allein kommt nach Hegel die Verwirklichung der Macht des Geistes zu, das Geschehene ungeschehen zu machen und im Vergeben und Vergessen das Verbrechen zu vernichten.

  4. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 282: Das Recht der Gnade

    Aus der Souveränität des Monarchen folgt das Recht, Verbrecher zu begnadigen.

    Was ist Gnade?

    Der Geist hat die Macht, Geschehenes ungeschehen zu machen. Im Vergeben und Vergessen vernichtet er das Verbrechen. Das Recht der Gnade ist eine der höchsten Anerkennungen dieser Macht.

    Was bleibt?

    Die Gnade erlässt die Strafe. Aber sie hebt das Recht nicht auf. Der Begnadigte bleibt ein Verbrecher. Die Gnade sagt nicht, dass er nichts getan hat.

    Warum der Monarch?

    In der Religion kann der Geist Geschehenes ungeschehen machen. In der Welt hat das seinen Ort nur in der Majestät. Denn nur einer grundlosen Entscheidung steht es zu.

    Dazu gehört auch: Verbrechen gegen den Staat und gegen den Fürsten gelten als die höchsten Verbrechen.

    Zusammenfassung: Der Monarch darf begnadigen. Die Gnade erlässt die Strafe, hebt aber das Recht nicht auf. Sie ist Ausdruck der Majestät des Geistes.

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