356

2. Das griechische Reich

Dieses hat jene substantielle Einheit des Endlichen und Unendlichen, aber nur zur mysteriösen, in dumpfe Erinnerung, in Höhlen und in Bilder der Tradition zurückgedrängten Grundlage, welche aus dem sich unterscheidenden Geiste zur individuellen Geistigkeit und in den Tag des Wissens herausgeboren, zur Schönheit und zur freien und heiteren Sittlichkeit gemäßigt und verklärt ist. In dieser Bestimmung geht somit das Prinzip persönlicher Individualität sich auf, noch als nicht in sich selbst befangen, sondern in seiner idealen Einheit gehalten; – teils zerfällt das Ganze darum in einen Kreis besonderer Volksgeister, teils ist einerseits die letzte Willensentschließung noch nicht in die Subjektivität des für sich seienden Selbstbewusstseins, sondern in eine Macht, die höher und außerhalb desselben sei, gelegt, (vgl. § 279 Anm.) und andererseits ist die dem Bedürfnisse angehörige Besonderheit noch nicht in die Freiheit aufgenommen, sondern an einen Sklavenstand ausgeschlossen |353|.

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Kommentare

2 Kommentare zu „356“

  1. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Das zweite Prinzip — die substantielle Einheit tritt aus dem sich unterscheidenden Geiste zur individuellen Geistigkeit heraus, als schöne Sittlichkeit, deren Persönlichkeit noch in idealer Einheit gehalten und darum noch nicht in sich befangen ist.

    Der Zug, den Hegel dem zweiten Prinzip zuschreibt, ist das Heraustreten des Unterschieds aus der Einheit: Die Substanz des ersten Reiches ist nicht verschwunden, aber sie ist zur bloßen Grundlage zurückgedrängt, und vor sie tritt die Individualität ins Wissen. Dass diese Individualität in idealer Einheit gehalten ist, heißt: Sie hat sich noch nicht selbständig gegen das Ganze gesetzt, sondern lebt in ihm — das ist Hegels Begriff des Schönen, angewandt auf die Sittlichkeit. An drei Punkten macht Hegel geltend, dass dieses Prinzip unvollständig bleibt: Das Ganze zerfällt in einen Kreis besonderer Volksgeister, die letzte Willensentschließung ist noch nicht in die Subjektivität des für sich seienden Selbstbewusstseins gelegt, sondern in eine Macht außerhalb seiner, und die dem Bedürfnis angehörige Besonderheit ist nicht in die Freiheit aufgenommen, sondern an einen Sklavenstand ausgeschlossen.

  2. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 356: Das griechische Reich

    Auch hier gibt es noch die Einheit von Göttlichem und Menschlichem. Doch sie ist in dunkle Erinnerung, in Mysterien und Bilder der Überlieferung zurückgetreten.

    Was ist neu?

    Der Geist tritt ins helle Licht des Wissens. Er wird zu Schönheit und zu freier, heiterer Sittlichkeit. Der Einzelne entfaltet sich als Person. Doch er ist noch nicht in sich verschlossen. Er bleibt im schönen Ganzen gehalten.

    Die Grenzen:

    Das Ganze zerfällt in viele einzelne Städte und Völker. Die letzte Entscheidung liegt noch nicht im Menschen selbst. Man holt sie von einer höheren Macht, etwa aus dem Orakel. Und die Arbeit für die Bedürfnisse ist aus der Freiheit ausgeschlossen. Sie fällt den Sklaven zu.

    Zusammenfassung: Im griechischen Reich wird der Geist zu Schönheit und heiterer Sittlichkeit. Doch die letzte Entscheidung liegt noch außerhalb des Menschen. Und die Arbeit bleibt Sache der Sklaven.

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