68

Das Eigentümliche an der geistigen Produktion kann durch die Art und Weise der Äußerung unmittelbar in solche Äußerlichkeit einer Sache umschlagen, die nun ebenso von anderen produziert werden kann; so dass mit deren Erwerb der nunmehrige Eigentümer, außerdem dass er damit sich die mitgeteilten Gedanken oder die technische Erfindung zu eigen machen kann, welche Möglichkeit zum Teil (bei schriftstellerischen Werken) die einzige Bestimmung und den Wert des Erwerbs ausmacht, zugleich in den Besitz der allgemeinen Art und Weise, sich so zu äußern und solche Sachen vielfältig hervorzubringen, kommt.

Bei Kunstwerken ist die den Gedanken in einem äußerlichen Material verbildlichende Form als Ding so sehr das Eigentümliche des produzierenden Individuums, dass ein Nachmachen derselben wesentlich das |71| Produkt der eigenen geistigen und technischen Geschicklichkeit ist. Bei einem schriftstellerischen Werke ist die Form, wodurch es eine äußerliche Sache ist, so wie bei der Erfindung einer technischen Vorrichtung, mechanischer Art, – dort, weil der Gedanke nur in einer Reihe vereinzelter abstrakter Zeichen, nicht in konkreter Bildnerei dargestellt wird, hier, weil er überhaupt einen mechanischen Inhalt hat, – und die Art und Weise, solche Sachen als Sachen zu produzieren, gehört unter die gewöhnlichen Fertigkeiten. – Zwischen den Extremen des Kunstwerks und der handwerksmäßigen Produktion gibt es übrigens Übergänge, die bald mehr, bald weniger von dem einen oder dem anderen an sich haben.

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Kommentare

3 Kommentare zu „68“

  1. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    Malerei – Kunstwerk – nicht Zeichen – sondern Darstellung – Nachahmung – das Sinnliche stellt vor, was es bedeuten soll.
    § 68. Ich will den Wert, das was es mich gekostet hat, dafür erhalten –
    Geistige Produktion ist ein in sich Allgemeines – Geist –
    Einzelne Handarbeit – Pflügen – nicht das Geschick mit darin, wie in Maschine, Uhr, die nachgemacht wird – Der das Einzelne erwirbt, [erwirbt] auch die Geschicklichkeit, den Witz, Scharfsinn, Talent – d. i. Fähigkeit (allg.), dasselbe zu produzieren, nicht die Fähigkeit zu erfinden, d. i. wieder etwas Anderes zu machen, aber dasselbe.
    In schriftstellerischer Produktion zwar nicht die Geschicklichkeit – ebenso aber die Fähigkeit, solches zu produzieren.
    Bei Kunstwerken nicht – Modus der Produktion selbst das Eigentümliche – In Sprache Zeichen; daß sie Zeichen sind, dies habe Ich auch nicht gemacht – ist schon im Volke vorhanden – gleichfalls äußerliche Sachen. In Maschine – Mittel, äußerliche Sachen – nur Komposition, Form, eigentümlich – aber mechanisch.

  2. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Umschlagen der geistigen Äußerung in die Äußerlichkeit einer Sache — mit dem einzelnen Erzeugnis geht zugleich die allgemeine Art und Weise seiner Hervorbringung in fremden Besitz über.

    Der Zug besteht in einem Umschlagen: Das Eigentümliche eines Gedankens ist für sich genommen nichts Äußerliches, doch sobald es geäußert wird, nimmt es die Form einer Sache an, die von jedem hergestellt werden kann. Damit erwirbt der Käufer zweierlei zugleich, den Inhalt, um dessentwillen er kauft, und die allgemeine Fähigkeit, dergleichen selbst hervorzubringen. Der Paragraph stellt nur diese Doppelseitigkeit fest, aus der die Frage des § 69 entsteht; entschieden wird hier noch nichts.

  3. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 68: Wer ein Buch kauft, kauft auch die Kunst, es zu drucken?

    Was ein Mensch mit dem Kopf schafft, gehört zunächst ganz ihm. Ein Gedanke, eine Idee, eine Erfindung. Doch sobald er es äußert, kann es zu einer Sache werden. Man druckt ein Buch. Man baut eine Maschine.

    Wer nun ein Buch kauft, bekommt zweierlei. Er kann die Gedanken darin lesen und sich zu eigen machen. Das ist der eigentliche Sinn des Kaufs. Aber er hält zugleich etwas in der Hand, das man nachdrucken kann. Wer eine Maschine kauft, kann sie zerlegen und nachbauen.

    Ist das bei allem so?

    Nein. Hier gibt es große Unterschiede.

    Ein Gemälde ist ganz vom Können des Malers geprägt. Wer es nachmalt, braucht selbst Talent und Übung. Die Kopie ist wieder eine eigene Leistung.

    Bei einem Buch ist das anders. Die Gedanken stehen dort in Buchstaben, also in Zeichen. Diese Zeichen hat der Autor nicht erfunden. Die Sprache gehört allen. Ein Buch nachzudrucken, ist darum ein gewöhnliches Handwerk. Bei einer Maschine ist es ähnlich. Sie ist mechanisch gebaut. Wer sie genau ansieht, kann sie nachmachen.

    Zwischen Kunstwerk und Handwerk gibt es viele Stufen. Manches ist mehr das eine, manches mehr das andere.

    Zusammenfassung: Geistige Werke können zu Sachen werden, die andere nachmachen können. Bei Büchern und Maschinen ist das leicht. Bei Kunstwerken steckt das Können des Künstlers selbst in der Form.

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