Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Einleitung

[S. 11]

Aus den „Vorlesungen über die Philosophie der Religion“, die Hegel in Berlin 1821, 1824, 1827 und 1831 gehalten hat. Der Text ist keine einzelne Nachschrift, sondern die Kompilation der Freundesvereinsausgabe (hrsg. von Philipp Marheineke, 2. Auflage 1840) aus Hegels Manuskript und Nachschriften mehrerer Jahrgänge. Wiedergegeben nach der Werkausgabe (Bd. 16).

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Die Zahlen zwischen senkrechten Strichen, etwa |93|, markieren den Beginn einer Seite der gedruckten Ausgabe; so findet man die Stelle im eigenen Buch wieder.

In den Anmerkungen steht „Werkausgabe:“ vor Hinweisen der Herausgeber, „Fußnote Hegels.“ vor Hegels eigenen Anmerkungen und „Im Manuskript gestrichen:“ vor Text, den Hegel selbst gestrichen hat.

Querverweis: Fortsetzung: Der Begriff der Religion. Die knappe Systemfassung desselben Gedankengangs steht in der Enzyklopädie, §§ 553–577.

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Inhalt

Einleitung

Ich habe es für nötig erachtet, die Religion für sich zum Gegenstand der philosophischen Betrachtung zu machen und diese Betrachtung als einen besonderen Teil zu dem Ganzen der Philosophie hinzuzufügen. Zum Behuf der Einleitung werde ich aber zuvor A. die Entzweiung des Bewußtseins darstellen, welche das Bedürfnis erweckt, das unsere Wissenschaft zu befriedigen hat, und die Beziehung unserer Wissenschaft zur Philosophie und Religion sowie zu den Zeitprinzipien des religiösen Bewußtseins schildern. Nachdem ich sodann B. einige Vorfragen berührt habe, die sich aus jenen Beziehungen unserer Wissenschaft ergeben, werde ich C. die Einteilung derselben geben.

Zuerst ist im allgemeinen daran zu erinnern, welchen Gegenstand wir in der Religionsphilosophie vor uns haben und welches unsere Vorstellung von der Religion ist. Wir wissen, daß wir uns in der Religion der Zeitlichkeit entrücken und daß sie diejenige Region für unser Bewußtsein ist, in welcher alle Rätsel der Welt gelöst, alle Widersprüche des tiefer sinnenden Gedankens enthüllt sind, alle Schmerzen des Gefühls verstummen, die Region der ewigen Wahrheit, der ewigen Ruhe, des ewigen Friedens. Wodurch der Mensch Mensch ist, ist der Gedanke überhaupt, der konkrete Gedanke, näher dies, daß er Geist ist; von ihm als Geist gehen dann die vielfachen Gebilde der Wissenschaften, Künste, Interessen seines politischen Lebens, Verhältnisse, die sich auf seine Freiheit, auf seinen Willen beziehen, aus. Aber all diese mannigfachen Gebilde und weiteren Verschlingungen der menschlichen Verhältnisse, Tätigkeiten, Genüsse, alles, was Wert und Achtung für den Menschen hat, worin er sein Glück, seinen Ruhm, seinen Stolz sucht, findet seinen letzten Mittelpunkt in der Religion, in dem Gedanken, Bewußtsein, Gefühl Gottes. Gott ist daher der Anfang von allem und das

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