108

Der subjektive Wille als unmittelbar für sich und von dem an sich seienden unterschieden (§ 106 Anm.) ist daher abstrakt, beschränkt und formell. Die Subjektivität ist aber nicht nur formell, sondern macht als das unendliche Selbstbestimmen des Willens das Formelle desselben aus. Weil es in diesem seinem ersten Hervortreten am einzelnen Willen noch nicht als identisch mit dem Begriffe des Willens gesetzt ist, so ist der moralische Standpunkt der Standpunkt des Verhältnisses und des Sollens oder der Forderung. – Und indem die Differenz der Subjektivität ebenso die Bestimmung gegen die Objektivität als äußerliches Dasein enthält, so tritt hier auch der Standpunkt des Bewusstseins ein (§ 8) – überhaupt der Standpunkt der Differenz, Endlichkeit und Erscheinung des Willens.

Das Moralische ist zunächst nicht schon als das dem Unmoralischen Entgegengesetzte bestimmt, wie das Recht nicht unmittelbar das dem Unrecht Entgegengesetzte, sondern es ist der allgemeine Standpunkt des Moralischen sowohl, als des Unmoralischen, der auf der Subjektivität des Willens beruht.

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Kommentare

3 Kommentare zu „108“

  1. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Das Selbstbestimmen ist in der Moralität als die reine Unruhe und Tätigkeit zu denken, die noch zu keinem was ist kommen kann. Erst im Sittlichen ist der Wille identisch mit dem Begriff des Willens und hat nur diesen zu seinem Inhalte. Im Moralischen verhält sich der Wille noch zu dem, was an sich ist; es ist also der Standpunkt der Differenz, und der Prozeß dieses Standpunkts ist die Identifikation des subjektiven Willens mit dem Begriff desselben. Das Sollen, welches daher noch in der Moralität ist, ist erst im Sittlichen erreicht, und zwar ist dieses Andere, zu dem der subjektive Wille in einem Verhältnis steht, ein Doppeltes: einmal das Substantielle des Begriffs und dann das äußerlich Daseiende. Wenn das Gute auch im subjektiven Willen gesetzt wäre so wäre es damit noch nicht ausgeführt.

  2. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Der subjektive Wille ist als unmittelbar für sich seiender formell — daraus folgen der Standpunkt des Verhältnisses und des Sollens sowie Differenz, Endlichkeit und Erscheinung des Willens.

    Die eben gewonnene Stufe erhält sogleich ihre Grenze. Weil der subjektive Wille sich zunächst nur gegen den an sich seienden absetzt, ist er abstrakt und beschränkt; formell heißt dabei nicht nebensächlich, sondern dass er das Bestimmende ist, ohne den Inhalt schon bei sich zu haben. Solange diese Identität mit dem Begriffe nicht gesetzt ist, kann das Allgemeine dem Einzelnen nur gegenüberstehen, und dieses Gegenüber heißt Sollen: Das Rechte ist gefordert, nicht wirklich. Mit derselben Differenz tritt auch der Standpunkt des Bewusstseins ein, denn Bewusstsein ist Beziehung auf einen Gegenstand als einen anderen — der moralische Standpunkt ist deshalb durchweg der der Erscheinung. Die Anmerkung hält fest, dass moralisch hier noch nicht den Gegensatz zu unmoralisch meint, sondern die gemeinsame Sphäre beider.

  3. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 108: Der Standpunkt des Sollens

    Mit der Moral beginnt etwas Neues. Der Wille ist jetzt bei sich selbst. Aber er ist noch nicht eins mit dem, was an sich richtig ist. Er steht ihm gegenüber.

    Was heißt das?

    Der moralische Wille sagt ständig: Ich soll. Ich soll gerecht sein. Ich soll helfen. Das Richtige ist für ihn eine Forderung, noch keine Tatsache. Zwischen dem, was er ist, und dem, was er sein soll, klafft eine Lücke.

    Man kann sich das wie eine Unruhe vorstellen. Der moralische Wille ist nie fertig. Er arbeitet immer an sich. Erst auf einer späteren Stufe, in der Sittlichkeit, kommt er zur Ruhe.

    Moralisch heißt hier nicht gut:

    Wenn hier von Moral die Rede ist, meint das noch nicht „gut“ im Gegensatz zu „böse“. Gemeint ist ein Standpunkt. Auf ihm fragt der Mensch nach seinem Inneren, nach seinen Gründen und Absichten. Auf diesem Standpunkt kann er gut handeln. Er kann aber auch böse handeln. Beides setzt voraus, dass er ein Inneres hat.

    Zusammenfassung: Der moralische Wille steht dem Richtigen noch gegenüber. Darum ist er der Standpunkt des Sollens. Auf ihm ist Gutes und Böses erst möglich.

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