228

Das Recht des Selbstbewusstseins der Partei ist im Richterspruch nach der Seite, dass er die Subsumtion des qualifizierten Falles unter das Gesetz ist, in Ansehung des Gesetzes dadurch bewahrt, dass das Gesetz bekannt und damit das Gesetz der Partei selbst, und in Ansehung der Subsumtion, dass der Rechtsgang öffentlich ist. Aber in Ansehung der Entscheidung über den besonderen, subjektiven und äußerlichen Inhalt der Sache, dessen Erkenntnis in die ersten der § 225 angegebenen Seiten fällt, findet jenes Recht in dem Zutrauen zu der Subjektivität der Entscheidenden seine Befriedigung. Dies Zutrauen gründet sich vornehmlich auf die Gleichheit der Partei mit denselben nach ihrer Besonderheit, dem Stande, und dergleichen.

Das Recht des Selbstbewusstseins, das Moment der subjektiven Freiheit, kann als der substantielle Gesichtspunkt in der Frage über Notwendigkeit der öffentlichen Rechtspflege und der sogenannten Geschworenengerichte angesehen werden. Auf ihn reduziert sich das Wesentliche, was in der Form der Nützlichkeit für diese Institutionen vorgebracht werden kann. Nach anderen Rücksichten und Gründen von diesen oder jenen Vorteilen oder Nachteilen kann herüber und hinüber gestritten werden; sie sind wie alle Gründe des Räsonnements sekundär und nicht entscheidend oder aber aus anderen, vielleicht höheren Sphären genommen. Dass die Rechtspflege an sich von rein juristischen Gerichten gut, vielleicht besser als mit anderen Institutionen ausgeübt werden könne: um diese Möglichkeit handelt es sich insofern nicht, als, wenn sich auch diese Möglichkeit zur Wahrscheinlichkeit, ja selbst zur Notwendigkeit steigern ließe, es von der andern Seite immer das Recht des Selbstbewusstseins ist, welches dabei seine Ansprüche behält und sie nicht befriedigt findet. – Wenn die Kenntnis des Rechtes durch die Beschaffenheit dessen, was die Gesetze in ihrem Umfange ausmacht, ferner des Ganges der gerichtlichen Verhandlungen und die Möglichkeit, das Recht zu verfolgen, Eigentum eines auch durch Terminologie, die für die, um deren Recht es geht, eine fremde Sprache ist, sich ausschließend machenden Standes ist, so sind die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft, die für die Subsistenz auf ihre Tätigkeit, ihr eigenes Wissen und Wollen angewiesen sind, gegen das nicht nur Persönlichste und Eigenste, sondern auch das Substantielle und Vernünftige darin, das Recht, fremd gehalten und unter Vormundschaft, selbst in eine Art von Leibeigenschaft gegen solchen Stand gesetzt. Wenn sie wohl das Recht haben, im Gerichte leiblich, mit den Füßen, zugegen zu sein (in iudicio stare), so ist dies wenig, wenn sie nicht geistig, mit ihrem eigenen Wissen gegenwärtig sein sollen, und das Recht, das sie erlangen, bleibt ein äußerliches Schicksal für sie.

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Kommentare

Ein Kommentar zu „228“

  1. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Das Recht des Selbstbewusstseins wird nach der Seite des Gesetzes durch dessen Bekanntsein, nach der Seite der Subsumtion durch die Öffentlichkeit befriedigt — nach der Seite der Tatsachenentscheidung aber nur durch Zutrauen zu der Subjektivität der Entscheidenden.

    Hier wird zusammengerechnet, was die vorangehenden Paragraphen einzeln bestimmt hatten, und zwar an einem einzigen Maßstab: an dem Recht des Einzelnen, in dem, was ihn bindet, sein eigenes Wissen und Wollen wiederzufinden. Für das Gesetz ist dem genügt, weil es bekannt und damit sein eigenes Gesetz ist; für die Unterordnung des Falls unter das Gesetz, weil das Verfahren öffentlich ist. Für die Feststellung des Geschehenen gibt es dagegen, nach § 227, gar keine objektive Bewährung, und deshalb kann dieses Recht dort nur noch als Zutrauen befriedigt werden — das sich darauf gründet, dass der Entscheidende der Partei nach ihrer Besonderheit, ihrem Stand, gleich ist. Genau darin, und nicht in Erwägungen der Nützlichkeit, liegt der Grund für Geschworenengerichte: auch wenn rein juristische Gerichte womöglich besser urteilten, bliebe der Anspruch des Selbstbewusstseins unbefriedigt, und ein Recht, dessen Kenntnis und Sprache das Eigentum eines abgeschlossenen Standes ist, bleibt für die Betroffenen ein äußerliches Schicksal.

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