26

Der Wille α) insofern er sich selbst zu seiner Bestimmung hat und so seinem Begriffe gemäß und wahrhaftig ist, ist der schlechthin objektive Wille; β) der objektive Wille aber, als ohne die unendliche Form des Selbstbewusstseins ist der in sein Objekt oder Zustand, wie er seinem Inhalte nach beschaffen sei, versenkte Wille – der kindliche, sittliche, wie der sklavische, abergläubische usf. γ) Die Objektivität ist endlich die einseitige Form im Gegensatze der subjektiven Willensbestimmung, hiermit die Unmittelbarkeit des Daseins, als äußerliche Existenz; der Wille wird sich in diesem Sinne erst durch die Ausführung seiner Zwecke objektiv.

Diese logischen Bestimmungen von Subjektivität und Objektivität sind hier in der Absicht besonders |33| aufgeführt worden, um in Ansehung ihrer, da sie in der Folge oft gebraucht werden, ausdrücklich zu bemerken, dass es ihnen wie anderen Unterschieden und entgegengesetzten Reflexionsbestimmungen geht, um ihrer Endlichkeit und daher ihrer dialektischen Natur willen in ihr Entgegengesetztes überzugehen. 1 Anderen solchen Bestimmungen des Gegensatzes bleibt jedoch ihre Bedeutung fest für Vorstellung und Verstand, indem ihre Identität noch als ein Innerliches ist. Im Willen hingegen führen solche Gegensätze, welche abstrakte und zugleich Bestimmungen von ihm, der nur als das Konkrete gewusst werden kann, sein sollen, von selbst auf diese ihre Identität und auf die Verwechslung ihrer Bedeutungen; – eine Verwechslung, die dem Verstande bewusstlos nur begegnet. – So ist der Wille, als die in sich seiende Freiheit, die Subjektivität selbst, diese ist damit sein Begriff und so seine Objektivität; Endlichkeit aber ist seine Subjektivität, im Gegensatze gegen die Objektivität; aber eben in diesem Gegensatze ist der Wille nicht bei sich, mit dem Objekte verwickelt und seine Endlichkeit besteht ebensowohl darin, nicht subjektiv zu sein usf. – Was daher im folgenden das Subjektive oder Objektive des Willens für eine Bedeutung haben soll, hat jedesmal aus dem Zusammenhang zu erhellen, der ihre Stellung in Beziehung auf die Totalität enthält.

  1. Hegel gibt keine Stelle an. Subjektivität und Objektivität sind Reflexionsbestimmungen: Bestimmungen, die ihren Sinn nur am Gegensatz zueinander haben und ihn deshalb tauschen, sobald man sie für sich festhält (Enzyklopädie, 3. Aufl. § 115 ff.). – Dazu Grammatik der logischen Begriffe: Reflexion und Übergang. ↩︎

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Kommentare

4 Kommentare zu „26“

  1. Avatar von Hegel (Notizen)
    Hegel (Notizen)

    [zu § 26]
    α) Idee, Einheit des subjektiven Willens und seines Wesens, Begriff –
    Ich will mein allgemeines Wesen – Vernünftiger Wille – Sittlichkeit –
    β) ohne subjektive Freiheit – Heteronomisch – Kant – das nur Reflektierte für eine Beschränkung erkennen – Sich von Objekten als Reizen usf. bestimmen lassen
    – Diese Subjektivität, absolutes Prinzip – als Moment unserer Zeiten

  2. Avatar von Eduard Gans (Zusatz)
    Eduard Gans (Zusatz)

    Gewöhnlich glaubt man, das Subjektive und Objektive stehe sich fest einander gegenüber. Dies ist aber nicht der Fall, da es vielmehr ineinander übergeht, denn es sind keine abstrakten Bestimmungen, wie positiv und negativ, sondern sie haben schon eine konkretere Bedeutung. Betrachten wir zunächst den Ausdruck subjektiv, so kann dies heißen ein Zweck, der nur der eines bestimmten Subjekts ist. In diesem Sinne ist ein sehr schlechtes Kunstwerk, das die Sache nicht erreicht, ein bloß subjektives. Es kann aber auch ferner dieser Ausdruck auf den Inhalt des Willens gehen und ist dann ungefähr mit Willkürlichem gleichbedeutend: der subjektive Inhalt ist der, welcher bloß dem Subjekte angehört. So sind z. B. schlechte Handlungen bloß subjektive. Dann kann aber ebenso jenes reine leere Ich subjektiv genannt werden, das nur sich als Gegenstand hat und von allem weiteren Inhalt zu abstrahieren die Kraft besitzt. Die Subjektivität hat also teils eine ganz partikulare, teils eine hochberechtigte Bedeutung, indem alles, was ich anerkennen soll, auch die Aufgabe hat, ein Meiniges zu werden und in mir Geltung zu erlangen. Dies ist die unendliche Habsucht der Subjektivität, alles in dieser einfachen Quelle des reinen Ich zusammenzufassen und zu verzehren. Nicht minder kann das Objektive verschieden gefaßt werden. Wir können darunter alles verstehen, was wir uns gegenständlich machen, seien es wirkliche Existenzen oder bloße Gedanken, die wir uns gegenüberstellen; ebenso begreift man aber auch darunter die Unmittelbarkeit des Daseins, in dem der Zweck sich realisieren soll: wenn der Zweck auch selbst ganz partikular und subjektiv ist, so nennen wir ihn doch objektiv, wenn er erscheint. Aber der objektive Wille ist auch derjenige, in welchem Wahrheit ist. So ist Gottes Wille, der sittliche Wille ein objektiver. Endlich kann man auch den Willen objektiv heißen, der ganz in sein Objekt versenkt ist, den kindlichen, der im Zutrauen, ohne subjektive Freiheit steht, und den sklavischen, der sich noch nicht als frei weiß und deswegen ein willenloser Wille ist. Objektiv ist in diesem Sinne ein jeder Wille, der durch fremde Autorität geleitet handelt und noch nicht die unendliche Rückkehr in sich vollendet hat.

  3. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 26: Was „objektiv“ heißt

    Nun das Gegenwort. Auch „objektiv“ heißt am Willen dreierlei.

    Erstens: der Wille, der seinem Kern entspricht. Er will die Freiheit, also das, was er wirklich ist. Ein solcher Wille ist objektiv im höchsten Sinn. In diesem Sinn nennt man auch den Willen objektiv, der das Gute und Sittliche will.

    Zweitens: der Wille, der ganz in etwas anderem aufgeht. Denken wir an ein Kind, das den Eltern einfach vertraut und tut, was sie sagen. Oder an einen Sklaven, der gar nicht darauf kommt, dass er frei sein könnte. Oder an einen Menschen, der ganz in seinem Aberglauben steckt. Dazu gehört auch, wer die Sitten seines Volkes nur befolgt, ohne selbst dabei zu sein. Dieser Wille folgt einer fremden Führung. Streng genommen ist er ein Wille ohne eigenen Willen.

    Drittens: das, was draußen in der Welt da ist. Ein Plan wird objektiv, wenn ich ihn ausführe. Dann steht er vor aller Augen, und sei er noch so eigenwillig.

    Jetzt kommt etwas Merkwürdiges. Viele Wortpaare bleiben für unser Denken fest getrennt, etwa oben und unten. Bei subjektiv und objektiv gelingt das nicht. Sie schlagen ineinander um.

    Sehen wir auf die ersten beiden Bedeutungen. Der freie Wille ist ganz er selbst, also ganz subjektiv. Gerade darum ist er auch objektiv im höchsten Sinn. Der Wille des Sklaven dagegen heißt objektiv, weil er ganz im Fremden steckt. Ihm fehlt aber gerade das Subjektive, das Wissen um sich selbst.

    Daraus folgt eine Regel für alles Weitere. Was „subjektiv“ oder „objektiv“ jeweils heißt, sagt erst der Zusammenhang. Wer darauf nicht achtet, verwechselt die Bedeutungen, ohne es zu merken.

    Zusammenfassung: Objektiv heißt: dem eigenen Kern gemäß, in Fremdes versunken oder draußen verwirklicht. Beim Willen gehen subjektiv und objektiv ineinander über. Darum müssen wir jedes Mal auf den Zusammenhang achten.

  4. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Entsprechende Auffächerung der Objektivität — der seinem Begriffe gemäße Wille, der in sein Objekt versenkte Wille ohne die unendliche Form des Selbstbewusstseins, und die äußerliche Existenz als bloße Unmittelbarkeit.

    Das Gegenstück zu § 25 zeigt eine Merkwürdigkeit: die höchste und die niedrigste Bedeutung von „objektiv“ fallen unter dasselbe Wort. Objektiv heißt der Wille, der seinem Begriff entspricht, und ebenso der, der so tief in seinem Zustand steckt, dass er sich selbst nicht kennt — der kindliche wie der sklavische —, und schließlich das bloß äußerlich Dastehende. Die Anmerkung erklärt, warum das kein Versehen der Sprache ist: Subjektivität und Objektivität sind Reflexionsbestimmungen, das heißt Bestimmungen, die es nur im Gegensatz zueinander gibt, und die deshalb ineinander übergehen, sobald man sie festhalten will. Beim Willen tritt dieses Umschlagen offen zutage, weil er nur als Konkretes, also nur als beides zugleich, gewusst werden kann; welche Bedeutung jeweils gilt, muss darum aus dem Zusammenhang genommen werden.

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