337

Das substantielle Wohl des Staats ist sein Wohl als eines besonderen Staats in seinem bestimmten Interesse und Zustande und den ebenso eigentümlichen äußeren Umständen nebst dem besonderen Traktaten-Verhältnisse; die Regierung ist somit eine besondere Weisheit, nicht die allgemeine Vorsehung (vgl. § 324 Anm.) – so wie der Zweck im Verhältnisse zu anderen Staaten und das Prinzip für die Gerechtigkeit der Kriege und Traktate, nicht ein allgemeiner (philanthropischer) Gedanke, sondern das wirklich gekränkte oder bedrohte Wohl in seiner bestimmten Besonderheit ist.

Es ist zu einer Zeit der Gegensatz von Moral und Politik, und die Forderung, dass die zweite der ersteren gemäß sei, viel besprochen worden. Hierher gehört nur darüber überhaupt zu bemerken, dass das Wohl eines Staats eine ganz andere Berechtigung hat als das Wohl des Einzelnen, und [dass] die sittliche Substanz, der Staat, ihr Dasein, d. h. ihr Recht unmittelbar in einer nicht abstrakten, sondern in konkreter Existenz hat, und dass nur diese konkrete Existenz, nicht einer der vielen für moralische Gebote gehaltenen allgemeinen Gedanken, Prinzip ihres Handelns und Benehmens sein kann. Die Ansicht von dem vermeintlichen Unrechte, das die Politik immer in diesem vermeintlichen Gegensatze haben soll, beruht noch vielmehr auf der Seichtigkeit der Vorstellungen von Moralität, von der Natur des Staats und dessen Verhältnisse zum moralischen Gesichtspunkte.

EN ES

Kommentare

2 Kommentare zu „337“

  1. Avatar von Die logische Entwicklung
    Die logische Entwicklung

    Bestimmung des Wohls zum Wohl dieses besonderen Staates — das Allgemeine ist im äußeren Verhalten nur als bestimmte Besonderheit wirklich, die Regierung daher besondere Weisheit, nicht allgemeine Vorsehung.

    Der Paragraph schärft § 336 durch eine Bestimmung nach: Das Wohl, um das es geht, ist nicht Wohl überhaupt, sondern das Wohl eines bestimmten Staates in bestimmter Lage. Damit wird ein allgemeiner Gedanke als Handlungsprinzip ausgeschlossen — nicht weil er zu hoch, sondern weil er zu unbestimmt wäre, um überhaupt zu einer Entscheidung zu führen. Hegels Argument in der Anmerkung ist folgerichtig: Der Staat ist sittliche Substanz in konkreter Existenz, also in einer bestimmten Wirklichkeit; ein Prinzip, das von dieser Bestimmtheit absieht, könnte gerade das nicht leiten, was zu leiten wäre.

  2. Avatar von Hegel (einfach)
    Hegel (einfach)

    § 337: Moral und Politik

    Das Wohl eines Staates ist immer das Wohl dieses besonderen Staates. Mit seinen Interessen, seiner Lage und seinen Verträgen.

    Was folgt daraus?

    Die Regierung ist eine besondere Weisheit, nicht die allgemeine Vorsehung. Ein Krieg ist nicht gerecht, weil er einem Gedanken der Menschenliebe folgt. Gerecht ist er, wenn das Wohl des Staates wirklich verletzt oder bedroht ist.

    Moral gegen Politik?

    Man hat viel darüber gesprochen, dass die Politik der Moral folgen solle. Doch das Wohl eines Staates hat ein ganz anderes Recht als das Wohl eines Einzelnen. Der Staat richtet sich nach seiner konkreten Existenz. Nicht nach allgemeinen Gedanken, die man für moralische Gebote hält.

    Die Ansicht, Politik sei immer im Unrecht gegen die Moral, beruht auf seichten Vorstellungen. Von der Moral, vom Staat und von ihrem Verhältnis.

    Zusammenfassung: Der Staat handelt nach seinem besonderen Wohl, nicht nach allgemeinen moralischen Gedanken. Das Wohl des Staates hat ein anderes Recht als das des Einzelnen.

Schreibe einen Kommentar