Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der Religion

[S. 194]

|194| Verhältnis finde, so sei es unmöglich, vom Absoluten, von der Wahrheit zu wissen. Über diese Wendung ist noch einiges zu bemerken.

Nimmt man Möglichkeit und Unmöglichkeit überhaupt, insofern sie einen bestimmten Sinn haben, so betreffen beide das Innere, den Begriff eines Gegenstandes, das, was er an sich ist; sie müssen also durch die Natur des Begriffs selbst entschieden werden. Auf dem Standpunkt des Bewußtseins als beobachtenden, auf diesem Standpunkt des Beobachtens kann aber nicht von dem Inneren, dem Begriff gesprochen werden, denn er tut Verzicht darauf, das zu erkennen, was das Innere anbetrifft; er hat nur das vor sich, was in das äußere Bewußtsein als solches fällt. Möglichkeit und Unmöglichkeit fallen also nicht in diese Sphäre.

Aber dieser Standpunkt gibt vor, daß eben, was ist, d. h. was in dieses wahrnehmende Bewußtsein fällt, das sei, was den Maßstab der Möglichkeit und daraus den Begriff dafür abgebe; unmöglich sei das, was wider die Erfahrung gehe.

Hiergegen ist zu bemerken, daß dieses Beobachten sich willkürlich auf die Sphäre des endlichen Bewußtseins beschränkt. Es gibt aber noch andere Sphären, die beobachtet werden können, nicht bloß diese, deren Inhalt nur Endliches gegen Endliches ist, sondern solche, wo das Göttliche als an und für sich seiendes im Bewußtsein ist. Das affirmative Bewußtsein des Absoluten in Form der unbefangenen Religiosität, der Andacht, oder in Form der philosophischen Erkenntnis kann auch beobachtet werden und gibt ein ganz anderes Resultat als der Standpunkt des endlichen Bewußtseins, das beobachtende Subjekt mag nun diese höheren Formen des Bewußtseins an anderen oder an ihm selbst beobachten. Denn bei der Verkehrtheit jenes Standpunktes kann es wohl sein, daß die religiöse Empfindung affirmativer und gehaltvoller ist als das Bewußtsein: es kann im Herzen mehr sein als im Bewußtsein, insofern es bestimmtes, erkennendes, beobachtendes Bewußtsein ist; beides kann unterschieden sein. Es kommt nur darauf an, an dem Bewußtsein das Erkennen

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