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|106| das Dreieck geht nicht selbst den Weg, den wir im Erkennen und Beweisen zurücklegen.
Bei der Religion als Geistigem überhaupt ist es aber unmittelbar der Fall, daß sie in ihrem Dasein selbst dieser Prozeß und dies Übergehen ist. Bei natürlichen Dingen, z. B. der Sonne, haben wir eine unmittelbare ruhende Existenz vor uns, und in der Anschauung oder Vorstellung derselben ist nicht das Bewußtsein eines Übergangs enthalten. Das religiöse Bewußtsein dagegen ist in sich selbst das Abscheiden und Verlassen des Unmittelbaren, Endlichen und Übergang zum Intellektuellen oder, objektiv bestimmt, die Sammlung des Vergänglichen in sein absolutes, substantielles Wesen. Die Religion ist das Bewußtsein des an und für sich Wahren im Gegensatze der sinnlichen, endlichen Wahrheit und der Wahrnehmung. Sie ist demnach Erhebung, Reflexion, Übergehen vom Unmittelbaren, Sinnlichen, Einzelnen, denn das Unmittelbare ist das Erste und darum nicht Erhebung, – also ein Aus- und Fortgehen zu einem Anderen, aber nicht zu einem Dritten und so fort, denn so wäre das Andere selbst wieder ein Endliches, nicht ein Anderes, – somit Fortgang zu einem Zweiten, aber so, daß dies Fortgehen und Hervorbringen eines Zweiten sich selbst aufhebt und vielmehr dies Zweite das Erste, das wahrhaft Unvermittelte und Nichtgesetzte sei. Der Standpunkt der Religion zeigt sich in diesem Übergange als den Standpunkt der Wahrheit, in welcher der ganze Reichtum der natürlichen und geistigen Welt enthalten ist. Alle andere Weise der Existenz dieses Reichtums muß sich da beweisen als äußerliche, dürftige, kümmerliche und sich selbst widersprechende und zerstörende Weise der Wirklichkeit, die das Ende der Wahrheit, die Seite der Unwahrheit an ihr hat und erst auf dem Standpunkt der Religion in ihren Grund und ihre Quelle zurückkehrt. In diesem Beweis ist dann die Einsicht begründet, daß der Geist auf keiner jener Stufen stehenbleiben, sich halten kann und daß die Religion erst dann wahrhafte Wirklichkeit des Selbstbewußtseins sei.
