Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der Religion

[S. 118]

|118| einem Grund, nach dem Ort des göttlichen Seins gefragt und gesagt: Gott ist im Gefühl. Das Gefühl erhält so die Stellung eines Grundes, in welchem das Sein Gottes gegeben ist.

Diese Sätze sind ganz richtig, und es soll keiner negiert werden; aber sie sind so trivial, daß es nicht der Mühe wert ist, hier davon zu sprechen. Wenn die Religionswissenschaft auf diese Sätze beschränkt wird, so ist es nicht wert, sie zu haben, und es ist nicht einzusehen, weshalb es denn Theologie gibt.

a) Wir wissen unmittelbar, daß Gott ist. Dieser Satz hat zunächst einen ganz unbefangenen Sinn, dann aber auch einen nicht unbefangenen, nämlich den, daß dies sogenannte unmittelbare Wissen das einzige Wissen von Gott ist; und die moderne Theologie ist insofern [sowohl] der geoffenbarten Religion entgegen als auch der vernünftigen Erkenntnis, die den Satz ebenso leugnet.

Das Wahre davon ist näher zu betrachten. Wir wissen, daß Gott ist, und wissen dies unmittelbar. Was heißt Wissen? Es ist von Erkennen unterschieden. Wir haben den Ausdruck „gewiß“ und setzen die Gewißheit der Wahrheit entgegen. Wissen drückt die subjektive Weise aus, in der etwas für mich, in meinem Bewußtsein ist, so daß es die Bestimmung hat eines Seienden.

Wissen ist also überhaupt dies, daß der Gegenstand das Andere ist und sein Sein mit meinem Sein verknüpft ist. Ich kann auch wissen, was es ist, aus unmittelbarer Anschauung oder als Resultat der Reflexion; aber wenn ich sage: „ich weiß es“, so weiß ich nur sein Sein. Dies Sein ist freilich nicht das leere Sein; ich weiß auch von näheren Bestimmungen, Beschaffenheiten desselben, aber auch von ihnen nur, daß sie sind. Man gebraucht Wissen auch als „Vorstellung haben“, aber es liegt immer nur darin, daß der Inhalt ist. Wissen ist also abstraktes Verhalten und unmittelbare Beziehung, während der Ausdruck „Wahrheit“ an ein Auseinandertreten der Gewißheit und der Objektivität und an die Vermittlung beider erinnert. Erkennen sagen wir dagegen,

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