Vorrede – Hegel (einfach)

[12. Absatz]

Hegel sieht darin trotzdem ein Glück. Das seichte Philosophieren ist mit der Wirklichkeit zusammengestoßen, mit einem Staat, der Rechte und Pflichten ernst nimmt. Es ist zum offenen Bruch gekommen. Nun sieht man klar, worum es geht.

Es geht um das Verhältnis der Philosophie zur Wirklichkeit. Die Philosophie sucht das Vernünftige. Darum erfasst sie das, was da ist, das Gegenwärtige. Sie entwirft kein Jenseits, von dem niemand weiß, wo es sein soll. Oder doch, man weiß es: in einem leeren Nachdenken, das sich selbst verliert.

Ein berühmtes Beispiel ist Platon. Sein Buch über den Staat gilt als Musterbeispiel für ein leeres Ideal, das man nie verwirklichen kann. Hegel sieht es anders. Platon hat in Wahrheit das Leben der Griechen seiner Zeit erfasst. Er spürte aber, dass etwas Neues einbrach: die Freiheit des einzelnen Menschen, seine eigene Überzeugung. Platon hielt das für den Untergang und wollte es abwehren. Gerade damit hat er diese Freiheit am tiefsten verletzt.

Und doch zeigt sich gerade hier seine Größe. Denn um genau dieses Neue drehte sich die große Umwälzung der Welt, die damals bevorstand.

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