Vorrede – Hegel (einfach)

[9. Absatz]

An dieser Art zu reden erkennt man ein schlechtes Gewissen. Hegel beschreibt es mit Spott. Sie spricht am meisten vom Geist, wo am wenigsten Geist ist. Sie redet vom Leben, wo sie selbst am ledernsten redet. Und sie führt das Wort „Volk“ im Mund, wo sie am meisten an sich selbst denkt.

Ihr sicherstes Kennzeichen ist der Hass auf das Gesetz. Warum? Im Gesetz wird das Recht zu einem klaren, allgemeinen Satz. Es gilt für alle gleich und sagt genau, was gilt. Das Gefühl will aber frei bleiben, zu tun, was ihm gefällt. Darum empfindet es das Gesetz als toten Buchstaben und als Fessel. Es findet sich darin nicht wieder, denn das Gesetz fragt nach der Sache und nicht nach seiner Stimmung.

So wird das Gesetz zu einem Kennzeichen, einem Schibboleth. Das war in der Bibel ein Erkennungswort. Die Feinde konnten es nicht richtig aussprechen, und so erkannte man sie. Am Gesetz scheiden sich die falschen Brüder und Freunde des Volkes von den echten.

Hegels Text: Vorrede, Absatz 9 →

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