[6. Absatz]
Viele Menschen halten sich einfach an das, was allgemein als richtig gilt. Darauf bauen sie ihr Leben. Hegel hat dagegen nichts. Er nennt es das einfache Verhalten eines unbefangenen Gemüts.
Nun kommt ein Einwand: Es gibt doch so viele Meinungen. Wie soll man da wissen, was wirklich gilt? Das klingt nach großem Ernst. Hegel sieht es anders. Wer so redet, sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die Schwierigkeit hat er sich selbst gemacht. Denn wem es wirklich um die Sache geht, der hält sich an die Gebote der Sitte und des Staates. Und danach lebt er. Wer die Schwierigkeit dagegen pflegt, will in Wahrheit etwas anderes: etwas Eigenes, Besonderes.
Aber der Mensch denkt. Und im Denken sucht er seine Freiheit und den Grund für das, was gut ist. Das ist ein hohes Recht, ja ein göttliches. Es verkehrt sich aber in Unrecht, wenn einer meint: Frei denke ich nur, wenn ich vom Allgemeinen abweiche und mir etwas Besonderes ausdenke.
