Vorrede – Hegel (einfach)

[15. Absatz]

Über dieser Stelle steht ein Spruch aus einer alten Fabel, erst auf Griechisch, dann auf Lateinisch: „Hier ist Rhodos, hier springe.“

Die Geschichte dazu: Ein Angeber prahlt, er habe auf der Insel Rhodos einen gewaltigen Sprung gemacht. Zeugen gebe es dort genug. Da sagt einer zu ihm: Dann tu so, als wäre hier Rhodos, und spring hier.

Was hat das mit der Philosophie zu tun? Sie soll nicht von fernen Orten und besseren Welten reden. Ihre Aufgabe ist, das zu begreifen, was ist. Denn in dem, was ist, steckt Vernunft.

Jeder Mensch ist ein Kind seiner Zeit. Genauso ist die Philosophie ihre Zeit, in Gedanken erfasst. Es ist töricht zu glauben, ein Mensch könne über seine Zeit hinausspringen. Ebenso töricht ist es zu glauben, eine Philosophie komme über ihre Welt hinaus.

Wer sich trotzdem eine Welt baut, wie sie sein soll, hat sie nur im eigenen Kopf. Dort lässt sich alles Mögliche ausdenken. Der Kopf ist geduldig.

Hegels Text: Vorrede, Absatz 15 →

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