Vorrede – Hegel (einfach)

[8. Absatz]

Jetzt wird Hegel deutlich, gegen wen er schreibt. Die Philosophie seiner Zeit hat erklärt: Das Wahre kann man nicht erkennen. Wahr ist, was jedem aus Herz, Gemüt und Begeisterung aufsteigt, vor allem über Staat und Verfassung. Das hat man besonders der Jugend eingeredet, und die Jugend hat es gern gehört.

Ein Bibelwort wurde dabei verdreht: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“ Auf die Wissenschaft angewandt heißt das: Jeder, der schläft, hält sich für auserwählt. Und was er im Schlaf bekommt, sieht auch danach aus.

Dann nennt Hegel einen Namen: Jakob Friedrich Fries, einen Philosophen. Hegel nennt ihn einen „Heerführer dieser Seichtigkeit“. Fries hatte 1817 beim Wartburgfest der Studenten eine Rede gehalten. Darin schwärmte er: In einem echten Volk komme das Leben von unten. Freundschaft und Begeisterung sollten alles tragen.

Warum ist Hegel darüber so zornig? Ein Staat ist für ihn ein kunstvolles Gebäude. Jeder Pfeiler und jeder Bogen hat seinen Platz und sein Maß. Gerade daraus kommt die Kraft des Ganzen. Fries dagegen lässt diesen Bau zu einem Brei aus Herz, Freundschaft und Begeisterung zerlaufen. So wird das Recht dem Zufall und der Laune überlassen. Und die Arbeit von Jahrtausenden wird durch ein Hausmittel ersetzt: das Gefühl.

Goethe lässt den Teufel im „Faust“ sagen: Wer Verstand und Wissenschaft verachtet, hat sich schon dem Teufel ergeben und muss zugrunde gehen.

Diese Haltung gibt sich gern auch fromm. Sie beruft sich auf die Bibel, um Gesetz und Ordnung zu verachten. Echte Frömmigkeit tut das Gegenteil. Wenn sie aus dem Inneren heraus in die Welt tritt, bringt sie Achtung vor dem Gesetz mit.

Zusammenfassung: Hegel greift eine Philosophie an, die das Recht auf Gefühl und Begeisterung gründen will. Für ihn zerstört sie den Staat, statt ihn zu verstehen.

Hegels Text: Vorrede, Absatz 8 →

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