Über die wissenschaftlichen Behandlungsarten des Naturrechts

entgegengesetzten Bestimmtheiten so gleichgültig als die andere; jede kann als Qualität begriffen, und dieß Begreiffen als Gesetz ausgesprochen werden. Wenn die Bestimmtheit des Eigenthums überhaupt gesetzt ist, so läßt sich der tavtologische Satz daraus machen: das Eigenthum ist Eigenthum und sonst nichts anders, diese tavtologische Production ist das Gesetzgeben dieser der praktischen Vernunft: das Eigenthum, wenn Eigenthum ist, muß Eigenthum seyn; aber ist die entgegengesetzte Bestimmtheit, Negation des Eigenthums gesetzt, so ergibt sich durch die Gesetzgebung ebenderselben praktischen Vernunft die Tavtologie: das Nichteigenthum ist Nichteigenthum; wenn kein Eigenthum ist, so muß das, was Eigenthum seyn will, aufgehoben werden. Aber es ist gerade das Interesse, zu erweisen, daß Eigenthum seyn müsse; es geht allein auf dasjenige, was außerhalb des Vermögens dieses praktischen Gesetzgebens der reinen Vernunft liegt; nemlich zu entscheiden, welche von entgegengesetzten Bestimmtheiten gesetzt werden müsse; aber daß dieß schon vorher geschehen und eine der entgegengesetzten Bestimmtheiten zum voraus gesetzt sey, fodert die reine Vernunft, und dann erst kann sie ihr nunmehr überflüssiges Gesetzgeben vollführen.

Aber die analytische Einheit und Tavtologie der praktischen Vernunft ist nicht nur etwas überflüssiges, sondern in der Wendung, welche sie erhält, etwas falsches, und sie muß als das Princip der Unsittlichkeit erkannt werden. Durch die bloße Aufnahme einer Bestimmtheit in die Form der Einheit soll sich die Natur des Seyns derselben verändern; und die Bestimmtheit, welche ihrer Natur nach eine andre Bestimmtheit gegen sich hat, deren eine die Negation der andern, und eben darum keine etwas absolutes ist, (und es ist für die Funktion der praktischen Vernunft gleichgültig, welche von beyden es ist, denn sie gibt bloß die leere Form,) soll durch diese Verbindung mit der Form der reinen Einheit, selbst zur absoluten, zum Gesetz und Pflicht gemacht seyn; wo aber eine Bestimmtheit und Einzelheit zu einem Ansieh erhoben wird, da ist Vernunftwidrigkeit, und in Beziehung aufs sittliche, Unsittlichkeit gesetzt. – Diese Verwandlung des bedingten, unreellen in ein unbedingtes und absolutes ist leicht in ihrer Unrechtmäßigkeit zu erkennen, und auf ihrem Schleichwege auszufinden. Die Bestimmtheit in die Form der reinen Einheit, oder der formellen Identität aufgenommen bringt, wenn der bestimmte Begriff als Satz ausgedrückt wird, die Tavtologie des formellen Satzes: die Bestimmtheit A ist die Bestimmtheit A, hervor. Die Form, oder im Satze, die Identität des Subjects und Prädicats ist etwas absolutes, aber nur ein negatives, oder formales, welches die Bestimmtheit A selbst nichts angeht; dieser Innhalt ist für die Form etwas durchaus hypothetisches. Die Absolutheit, die in dem Satz ist seiner Form nach, gewinnt aber in der praktischen Vernunft eine ganz andere Bedeutung; sie wird nemlich auch auf

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Ein Kommentar zu „Über die wissenschaftlichen Behandlungsarten des Naturrechts“

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    Anmerkung der Redaktion

    Anmerkung der Redaktion:

    Die folgenden Passagen dieses Aufsatzes nehmen Gedanken vorweg, die Hegel später in den Grundlinien der Philosophie des Rechts ausführlicher entfaltet hat. Die Links führen jeweils zur genauen Textstelle innerhalb dieses Aufsatzes:

    • S. 427 f. (2. Stück, 1802) – „Der Naturzustand und die den Individuen fremde und darum selbst einzelne und besondere …“ → § 258 (zum Verhältnis von Naturzustand, Vertragstheorie und der sittlichen Substantialität des Staates)
    • S. 437 (2. Stück, 1802) – „Wenn die Bestimmtheit des Eigenthums überhaupt gesetzt ist, so läßt sich der …“ → § 135 (zur Kritik am leeren Formalismus der Kantischen Pflichtenlehre (das Beispiel des Eigentums))
    • S. 439 (2. Stück, 1802) – „Eine nach dem Princip, weil sie sich widerspricht, unmoralische Maxime ist, da sie die …“ → § 135 (zur Kritik am leeren Formalismus der Kantischen Pflichtenlehre (das Beispiel der Armenhilfe))
    • S. 449 (2. Stück, 1802) – „In dieser ihrer Bestimmung ist also die Strafe etwas an sich, wahrhaftig unendlich und …“ → § 99 (zur Straftheorie: Strafe als Werk der Freiheit gegen die bloße Zwangs-/Abschreckungsvorstellung)
    • S. 458 (2. Stück, 1802) – „sie empfingen Gesetze und Befehlshaber von dem Willen ihres Monarchen, und die …“ → § 357 (zum römischen Reich als Zerfall der Sittlichkeit in Privatperson und abstrakte Allgemeinheit)
    • S. 459 (2. Stück, 1802) – „Es ist dieß nichts anders als die Aufführung der Tragödie im sittlichen, welche das …“ → § 324 (zum sittlichen Moment des Opfers und der Vergänglichkeit des Endlichen (vgl. das Motiv des Krieges))
    • S. 464 (2. Stück, 1802) – „Aber das, was wir unter der äußern Form des ersten Standes auf die eine Seite gestellt …“ → § 325 (zum eigenen Stand der Tapferkeit und dem freien, gewaltsamen Tod als höchster Abstraktion der Freiheit)
    • S. 469 (3. Stück, 1803) – „Es muß auch ein Reflex derselben in ihrem empirischen Bewußtseyn vorhanden seyn, und …“ → § 204 (zum zweiten Stand (Besitz, Eigentum, bürgerliche/formelle Sittlichkeit))
    • S. 469 f. (3. Stück, 1803) – „Jene Eigenschaften aber, welche wahrhaft sittlich sind, indem in ihnen das besondere oder …“ → § 150 (zur Tugend als individuell gewordener sittlicher Energie (Beispiele Epaminondas, Hannibal, Cäsar))
    • S. 470 (3. Stück, 1803) – „Es muß sich auch in der Form der Allgemeinheit und der Erkenntniß, als System der …“ → § 274 (zum Verhältnis von Gesetzgebung und lebendigen Sitten eines Volkes)
    • S. 471 (3. Stück, 1803) – „Zum voraus bemerken wir überhaupt, daß die Philosophie sich durch die Allgemeinheit des …“ → § 3 (zur Grenze zwischen philosophischer und positiver (historischer) Rechtswissenschaft)

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