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|220| Wichtigkeit nach, – die sie darein legen, ihre Bestimmung, den lezten Endzwek ihres Daseyns auszumachen scheinen – Liegt im menschlichem Gemüth doch nicht noch ein erhabeneres Bedürfnis, als das um Nahrung um Kleidung ? Sehet doch die sorgenfreien Vögel unter dem Himmel, sie säen sie erndten nicht, und sammeln nicht in die Scheunen, der Vater der Natur hat für ihre Nahrung gesorgt – Ist eure Bestimmung nicht höher als die ihrige, und ihr solltet von der Natur verdammt seyn, alle die edlen Kräften eurer Seele nur dazu anzuspannen um die Bedürfnisse des Magens zu befriedigen – Ihr wendet soviel Mühe auf Puz und Verschönerung der Gestalt, die euch die Natur verlieh, – Kann eure Eitelkeit mit allem Aufwand von Sinnen und Sorgen eurer Länge einen Zoll zusezen? – oder seht die Blumen des Feldes an, die heute so prächtig blühen, und morgen zu Heu gemacht werden, konnte Salomo in aller seiner Pracht der freien Schönheit der Natur es nachthun? Entschlagt euch also doch ein wenig, der ängstlichen Sorgen um Nahrung und Kleidung ; – Das höchste Ziel eures Bestrebens sei das Reich Gottes, und die Sittlichkeit, wodurch ihr allein würdig werdet, Bürger desselben zu seyn – das übrige wird sich dann von selber geben –
Seyd nicht streng in euren Urtheilen über andere, denn eben den Maasstab, den ihr gebrauchet, wird man auch auf euch anwenden, und diß möchte nicht immer zu eurem Vortheil ausfallen – Warum seht ihr so gern, den geringern Splitter in dem Auge des andern, und den viel grössern in eurem eigenen bemerkt ihr nicht ? und sagt gar etwa noch zu ihm: Halt, mein bester, laß dir doch diesen Splitter aus deinem Auge nehmen – und siehe, in eurem eigenen ist der viel grössere. – Heuchler, zieh zuvor diesen aus, und dann erst denke daran, den andern zu heilen – arbeite zuvor an dir selbst, eh du an andern arbeiten willt – wie kan ein Blinder einem Blinden den Weg weisen, werden nicht beide in die Grube fallen? oder kan der Lehrer den [Luc. 6,40.] Schüler geschikter machen als er selber ist? Wenn ihr nun andre bessern wollt, so wendet euch damit nicht unvorsichtiger Weise an einen jeden ohne Unterschied, werfet das heilige6) nicht vor die Hunde noch die Perlen vor die Schweine, sie würdet es nur unter die Füsse tretten, und sich gegen euch selber kehren, und euch Umstürzen – Nahet euch den Menschen mit Bitten, und sie werden euch oft nachgeben,
6) Darunter: (Ringe)
