Das Leben Jesu (1795)

[S. 228]

|228| bedeutet den Saamen, der auf die Straße fiel – der auf einen felsigten Grund gesät wurde, ist die Erkenntnis, die zwar mit Freuden aufgenommen wird, aber weil sie keine tiefe Wurzeln geschlagen hatte bald den Umständen nachgibt, und wenn Noth und Unglük die Rechtschaffenheit bedrohen, daran scheitert. Der Saamen, der in Heken fiel, ist der Zustand solcher, die zwar wohl auch von der Tugend haben sprechen hören, in denen sie aber von den Sorgen des Lebens, und der taüschenden Verführung des Reichtums erstikt wird, und ohne Früchten bleibt. Der Saamen, der auf einen guten Grund gesät wurde, ist die Stimme der Tugend, die verstanden [Matth. 13,18-23.] wurde, und 30-60 bis 100fältige Früchte trägt –

Er legte ihnen noch andre Parabeln vor: Das Reich des Guten läst sich mit einem Aker vergleichen – den der Besizer desselben mit gutem Saamen angesäet hatte – Während die Leute schliefen, kam sein Feind, und säte Unkraut unter den Waizen, und schlich sich davon. Als nun der Saamen in Ähren zu schiessen anfing, so zeigte sich auch das Unkraut, die Knechte frugen den Herrn, du hast doch reinen Saamen gesäet, wie kommt es, daß so viel Unkraut auf dem Aker ist? ein Feind von mir wird es wohl gesät haben, antwortete der Herr, die Knechte sagten, willt du nicht, daß wir es ausjäten ? Nein, versezte der klügere Herr, denn mit [dem] Unkraut würdet ihr auch die WaizenAehren ausreissen, last beides nur bis zu der Erndte miteinander wachsen, dann werde ich den Schnittern befehlen, das Unkraut zu sondern, und wegzuschaffen, und den reinen Waizen aufzuheben.

Als Jesus mit seinen Jüngern allein war, und sie ihn um die Erklärung desselben befragten, gab er ihnen folgende: Der Säman des guten Saamen sind gute Menschen, die durch ihre Lehren und ihr Beispiel die Menschen auf die Tugend aufmerksam machen – der Aker ist die Welt – der gute Saamen sind die bessere Menschen, das Unkraut die lasterhaften, – der Feind, der Unkraut aussäet, sind Verführungen, und Verführer – die Zeit der Erndte ist die Ewigkeit, die Vergelterin des guten und des bösen – indessen stehen Tugend und Laster in zu genauer Verbindung miteinander als daß dieses ohne Schaden der erstern schon ausgerottet werden könnte –

Auch verglich er das Reich des Guten mit einem verborgenen Schaz in einem Aker, den einer entdekt, aber wieder verbirgt, und dann in der Freude alles verkauft,

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