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|213| Aber wer aufrichtig mit sich zu Werke geht, nähert sich gern dem Richterstuhle der Vernunft, scheut sich nicht vor ihren Zurechtweisungen, vor der Selbstkenntnis, die sie ihm gibt, – und braucht seine Handlungen nicht zu verheimlichen, denn sie zeugen von dem Geiste, der ihn beseelte, dem Geiste der vernünftigen Welt, dem Geiste der Gottheit.
[Joh. 4.] Jesus verlies Jerusalem wieder, als er hörte, daß die Menge, derer, die seiner Lehre Beifall gaben, die Aufmerksamkeit der Pharisäer auf sich zog – er reiste daher wieder nach Galiläa, wo ihn der Weg durch Samaria führte; er hatte seine Jünger voraus in die Stadt geschikt, um Speise zu kaufen, er selbst weilte indeß an einer Quelle, welche schon Jakob, einer der Stammväter des jüdischen Volks, beseßen haben soll. Er traf hier ein samaritisches Weib an, die er bat, ihm einen Trunk Wassers heraufzuziehen – Sie wunderte sich darüber, daß er ein Jude, von einer Samariterin zu trinken begehre; denn beide Völker haben einen solchen Religions- und NationalHaß gegeneinander, daß sie schlechterdings keinen Umgang miteinander haben –
Jesus versezte: Wenn du meine Grundsäze kenntest, du würdest mich nicht nach dem gemeinen Schlag von Juden beurtheilt haben – du hättest selbst auch kein Bedenken getragen, mich darum zu bitten, und ich hätte dir eine andre Quelle lebendigen Wassers eröfnet – wer aus derselben schöpft, dessen Durst ist gestillt, das Wasser, das aus ihr quillt, ist ein Strom, der ins ewige Leben leitet – Ich höre, daß du ein weiser Mann bist, erwiederte die Samariterin, ich wage es dich um Aufschluß über die wichtigste StreitFrage unserer und deiner Religion zu bitten – Unsere Väter verrichten hier auf dem Berge Garizim ihren Gottesdienst, und ihr behauptet Jerusalem allein sei der Ort, wo man den Allerhöchsten verehren solle – Glaube mir, Weib, antwortete Jesus, es wird eine Zeit kommen, wo ihr keinen Gottesdienst mehr feyern werdet, weder auf Garizim noch in Jerusalem — wo man nicht mehr glauben wird, der Gottesdienst schränke sich auf vorgeschriebene Handlungen, oder einen bestimmten Ort ein – Es wird die Zeit kommen, und sie ist eigentlich schon da, wo die ächten Verehrer Gottes den allgemeinen Vater im wahren Geist der Religion verehren werden — denn nur solche sind ihm wohlgefällig — der Geist, in dem allein Vernunft und ihre Blüthe, das Sittengesez herrscht, – hierauf allein muß die ächte Verehrung Gottes gegründet seyn –
